Surreale Räume

Jun Kim inmitten seiner Traumbilder. Foto: Heinz Kunkel
Jun Kim inmitten seiner Traumbilder. Foto: Heinz Kunkel
Foto: WAZ FotoPool
Jun Kim zeigt „Traumbilder“ als Hochglanzfotos – vom Voswinckelshof zum neuen Werk inspiriert.

Dinslaken.. Manchmal ist Kunst ganz real raumergreifend: Vor einem in weiß gehaltenen surrealistischen Foto steht ein Mensch im weißen Trikot im großen Raum für die Sonderausstellungen im Museum Voswinckelshof. Sein Gesicht und seine Hände verbirgt er in einem weißen Kopfkissenbezug. Während die verhüllte Gestalt durch ihre Bewegungen zur tanzenden Plastik im dreidimensionalen Raum wird, verschwinden die Grenzen zum zweidimensionalem Bild an der Wand. Denn auch dieses zeigt Gestalten in einem tiefen Raum: gekleidet nur in weißer Unterwäsche, eng beieinander postiert und doch ohne Interaktion.

Es ist ein Foto von Jun Kim, mit dessen Ausstellung „räumlich Gedacht“ das Kunstkonzept des Kulturkreises Dinslaken „Zeichen setzten“ in die dritte und letzte Phase geht. Zur Vernissage zeigte der Pantomime und Maskenkünstler Norman Wilke eine eigens choreographierte, mehrteilige Darstellung des menschlichen Lebens.

24-jähriger Kunststudent

„Traumbilder“ nennt Jun Kim seine digitalen Bildbearbeitungen. Wobei dies nur ein letzter, entscheidender Schliff eines aufwendigen künstlerischen Schaffensprozess ist. Der 24-jährige Kunststudent, der seine Ausbildung mit Praktika zwischen Paris und Amsterdam verfeinert, schafft aufwändige Sets, die er mit Models füllt. Am Computer werden bis zu 50 Einzelaufnahmen mittels Montage und Retusche zum Kunstfoto montiert. Hat er eines seiner Traumbilder auf Fotopapier gezogen, kann es schon einmal sein, dass die Haare der Kunden eines Friseursalons zu Berge - fallen! Jun Kim nennt Dalí als Vorbild.

Das lila Sofa im schwarz-weißen Wohnzimmer hebt ab, eine Dame schwebt diagonal in Gegenrichtung davor. Discokugeln und Spiegelscherbenvasen glitzern wie einst in Warhols Factory. Aber wie passen der Astronaut und die Elfe zusammen? Jun Kims stilistisch so real wirkende hochauflösende Hochglanzbilder entziehen sich allen Deutungen - und behalten dadurch dauerhafte Faszination.

Dabei bewegt sich Jun Kim nicht grundsätzlich in fantastischen Räumen ohne Bodenhaftung. Inspiriert von den „tollen Objekten im Voswinckelshof, die man sonst nie bekommen würde“, hat er spontan im Dachgeschoss einen Raum gebaut, in dem er in den nächsten Tagen ein Fotoshooting halten wird. Martina Fischer, Kulturkreis-Vorsitzende und selbst freischaffende Künstlerin, hat ihm diese Arbeit gesponsert und selbst in eineinhalb Wochen mit Hand angelegt.

Es ist ein düsteres Set, das an die erdbraune Phase Vincent van Goghs erinnert. Der Raum wird von einem Webstuhl des 19. Jahrhunderts dominiert.

Jun Kim will die Industrialisierung mit ihrer Entfremdung des Menschen von der Natur und der Automatisierung des Handwerks darstellen. Eine Welt, die durch Umbruch sichtbar aus den Fugen gerät: die Wände verformen sich.

Das fertige Foto wird Jun Kim zur Finissage am 10. Juni präsentieren.

Ausstellungen: Schüler mit Graffitikunst

Die Wände der Gegenwart sind nicht dunkelbraun, sondern Graffiti-bunt. Seit Sonntag zeigt „Zeichen setzen“ parallel zu „räumlichGedacht“ besprühte Stelen und ineinander verkreuzte Bilder von Schülerinnen und Schülern des Krefelder Berufskollegs Glockenspitz, die sie im Rahmen eines dreimonatigen Projektes mit Peter Withof und Kim Ludwig erarbeiteten. <Tag>in heißt die Ausstellung im Foyer und einem der unteren Räume des Museums.

Mit den nun nebeneinander gezeigten Ausstellungen von Maxim Probst, Silvia Göttlicher und Jun Kim sowie der Graffitikunst von OHG und Berufskolleg Glockenspitz verbleibt „Zeichen setzen“ bis zum 10. Juni im Museum Voswinckelshof. Dieses ist dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

 
 

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