Seine Liebe gehörte der Heimat

Die Willi-Dittgen-Steige zum Burginnenhof.
Die Willi-Dittgen-Steige zum Burginnenhof.
Foto: big
Journalist, Historiker und „kultureller Pionier“ wurd am 18. November 1912 geboren

Dinslaken..  100 Jahre alt würde am Sonntag, 18. November, der Dinslakener Heimatforscher Willi Dittgen werden. Als einen „kulturellen Pionier Dinslakens“ hat ihn einmal der frühere NRZ-Lokalchef Jörg Große-Weischede bezeichnet und der musste es wissen, kannte er den „großen, alten Mann“ doch über Jahre. Erster Leiter des Kreiskulturamtes, Leiter des städtischen Kulturamtes, Mitbegründer der Volkshochschule, des Madrigalchores, des Heimatmuseums sei er gewesen. Darüber hinaus war Willi Dittgen über 30 Jahre lang Herausgeber des Heimatkalenders, Autor zahlreicher heimatkundlicher Schriften und Musikexperte, der als gelernter Journalist oftmals für die NRZ zur Feder griff.

Kulturaufbau aus den Trümmern

Ein beachtliches Lebenswerk also. Der 1912 in Düsseldorf geborene Dittgen kam nach dem Abitur in den frühen dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Journalismus und blieb diesem Metier immer treu. Auch wenn er nach dem Krieg die Leitung des Kreiskulturamtes übernahm. Sein ehemaliger Deutschlehrer am Dinslakener Gymnasium, Dr. Josef Zorn, erster Bürgermeister und Landrat Dinslakens nach dem Krieg, beauftragte ihn 1946 damit. Keine leichte Aufgabe für den damals noch recht jungen Mann, aus den Trümmern heraus ein neues Kulturleben aufzubauen. Finanzielle Mittel gab es dafür natürlich kaum, Fantasie und Durchhaltevermögen waren gefragt und von beidem besaß Willi Dittgen reichlich.

Sein größtes Werk

Und warum sich nur auf eines konzentrieren und so kommt schließlich die Leitung der neu gegründeten Volkshochschule hinzu, das Burgtheater wurde wieder zur renommierten Spielstätte, das Heimatmuseum errichtet und der erste Heimatkalender fertiggestellt. „Die Heimat ist das Nächstliegende und in unserer schnelllebigen Zeit, die auf Profit und Wohlstand bedacht ist, ein gefährdeter Lebensbereich. Man sollte sich als Betroffener darum kümmern“, soll Dittgen einst gesagt haben. Seine Leidenschaft für Heimatforschung ließ ihn zu einem großen „Sammler“ werden. Das Stadtarchiv und die Stadt Dinslaken verdanken seinem heimatkundlichem Nachlass eine Menge an sonst verlorenen gegangenem Wissen. Bücher um Bücher schrieb er über Themen seiner Heimat, über die Pfarrkirche St. Vincentius, über Hünxe und Dinslaken, über 100 Jahre Sparkasse, um nur einiges zu nennen. In gemeinsamer Arbeit mit der NRZ erschien 1995 sein großes Werk „Finale“, eine Schilderung von Zeitzeugen des „Schwarzen Freitag“, jenem 23. März 1945 als Dinslaken durch Bombardierung der Alliierten in Schutt und Asche gelegt wurde und 511 Menschen ihr Leben verloren.

Dittgens Leistungen und seine Verdienste um Kultur und Heimatforschung trugen ihm Früchte ein. Bundesverdienstkreuz, Rheinlandtaler und Dinslakener Pfennig sind nur drei Auszeichnungen, die der Dinslakener Heimatforscher zu Lebzeiten erhielt. Vor wenigen Jahren ehrte ihn der Rat der Stadt posthum mit einem Wegenamen, der Willi-Dittgen-Steige, die hinauf führt in die alte Burg, dem einstigen Kreishaus und heutigen Rathaus, seiner Wirkungsstätte also.

Sein Werk lebt weiter

1997 starb Willi Dittgen im Alter von 84 Jahren. Nur wenige Wochen vor seinem Tod war er noch in der Redaktion, hatte dort seine weiteren Pläne mit den Redakteuren besprochen, die in ihm den Kollegen sahen, der mit seinem geradezu legendären Text- und Bildarchiv so manches Mal die Redaktion unterstützte. Heute liegt sein Material im Stadtarchiv, steht einer neuen Generation von Historikern zur Verfügung. Und so lebt Willi Dittgens Werk auch heute noch weiter.

 
 

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