Punksängerin Krikela sorgte für Eklat in der Kultbude

Oliver Peters und die Punksängerin Krikela wurden nicht die besten Freunde beim Konzertabend im Kiosk 422.
Oliver Peters und die Punksängerin Krikela wurden nicht die besten Freunde beim Konzertabend im Kiosk 422.
Foto: WAZ FotoPool
Die feministische Künstlerin brach ihr Konzert im Kiosk 422 ab. Sie fühlte sich vom Publikum unverstanden.

Dinslaken..  Mit einem Eklat fand das Konzert im Kunstkiosk 422 am Mittwochabend ein abruptes Ende. Punksängerin Krikela, die für ihren Auftritt aus Köln angereist ist, brach nach drei Liedern ab und verließ die Bühne. Die Gründe lagen in der vorhergehenden Lesung des Dinslakeners Oliver Peters wie in der Reaktion des Publikums. Die Chemie stimmte nicht. Und in der Enge des Kiosks, in der sich Künstler und Zuschauer nah wie in einem Wohnzimmer kommen, knallt ein explosives Gemisch aus Emotionen und Positionen heftiger. Wie sonst, wenn sich alle gemeinsam von Worten, Musik und Atmosphäre tragen lassen, die Konzerte in der Kultbude um so schöner und intensiver sind.

Dabei fing der Abend kuschelig an. Draußen gab es Glühwein, im kalten Kiosk verteilte Britta L.QL Decken. Oliver Peters begann seine halbstündige Lesung. Der Dinslakener Poetry-Slamer und Autor war schon häufiger im Kunstkiosk zu Gast. In seiner gewohnten Art erzählte er Geschichten und Befindlichkeiten aus dem Leben. Vom Warten auf den Lenz nach einem Jahr voller Sommerlöcher, Herbst- und Winterdepressionen. Von den Freuden des Frühjahrsputzes, nachdem Frauen endlich wieder seine Wohnung betreten könnten. Von seiner Nähe zu Joseph Beuys, er habe ja nun einmal auch so viele dreckige und fettige Ecken in der Wohnung. Und von den Frauen in seinem Leben natürlich. Mutti, die anruft, die Ex, mit der er sich nur noch in Grauzonen traf, weil sie ihm vorwarf, alles nur schwarzweiß zu sehen. Erst die neue Internetbekanntschaft bringt Farbe in sein Leben zurück. Und die Beziehung wird etwas Festes. Eben weil es für ihn nur ja oder nein, ganz oder gar nicht gibt.

Krikela sitzt vorne in der ersten Reihe und macht sich Notizen, die nicht auf Zuspruch schließen lassen. Tatsächlich braucht sie die eingeforderte Pause vor ihrem Konzert, um sich zu sammeln. Dann geht sie vor allen Anwesenden mit Oliver Peters, der schweigend im Publikum sitzt, hart ins Gericht. Frauen seien bei ihm nur Sex-Objekte oder Mütter, seine Lesung habe sie unsäglich verletzt. Martina Fischer, die wie mehrere Dinslakener Kulturschaffende in den Kunstkiosk gekommen ist, und die nun gegen die Kritik an Peters protestiert, wirft Krikela „Täterschutz“ vor. „Meine Musik ist nichts anderes als ein feministischer Vortrag“, erklärt sie, die Lesung zuvor habe sie als „patriarchalische Gewalt“ empfunden.

Dass sie in ihrem ersten Lied darüber singt, dass sie Männer hasst, hat wohl keinen mehr im Kiosk überrascht. Krikela singt gegen eine Kluft auf engstem Raum an. Dabei ist ihre musikalisches Konzept, Punkrock nur mit Akustikgitarre oder mit einer Ukulele zu machen, gar nicht mal schlecht. Ebenso wie es wahrer Punk ist, gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten anzusingen. Ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen und das Arbeiten für Dumpinglöhne sind Themen, die selten in Liedern ausgesprochen werden. Doch da haben die ersten Zuhörer den Kiosk schon verlassen. Krikela, die ihre Aggressivität offensichtlich aus tief empfundenen Verletzungen schöpft und sich damit nur um so angreifbarer macht, stürmt aus dem Kiosk und lässt ein ratloses Publikum zurück.

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