Polizeieinsatz in mehreren Städten gegen „Osmanen Germania“

Razzia gegen die „Osmanen“-Rocker: Spezialeinsatzkräfte der Polizei waren an Durchsuchungen von mehreren Wohnungen beteiligt.
Razzia gegen die „Osmanen“-Rocker: Spezialeinsatzkräfte der Polizei waren an Durchsuchungen von mehreren Wohnungen beteiligt.
Foto: Stephan Witte/KDF
Am Montagnachmittag hat die Polizei in einer vom Präsidium Essen koordinierten Aktion mehrere Mitglieder des Rockerclubs „Osmanen Germania“ vorläufig festgenommen.

Dinslaken/Essen.. Einsatzkräfte der Polizei nahmen am Montagnachmittag bei abgestimmten Aktionen in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens sieben Mitglieder des vorgeblichen Boxclubs „Osmanen Germania“ fest. Der Aufbau der Gruppe ähnelt dem eines Rockerclubs, bei den Behörden fürchtet man deshalb neue Auseinandersetzungen in der Szene.

Auf dem Parkplatz einer Fast-Food-Kette und vor einem Bankautomaten griffen Zivilbeamte in Dinslaken zu: Es ist gegen 14 Uhr, als Einsatzkräfte in dunklen Fahrzeugen mit Bochumer und Essener Kennzeichen anrücken. Die Polizisten nehmen hier mindestens zwei Männer fest. Während mehrere Beamte einen noch zu Boden drücken, seine Hände mit Kabelbindern fixieren, kniet ein anderer bereits auf dem Parkplatz vor einem Pkw. Um ihn herum stehen Polizisten in Sturmhauben. Der Einsatz ist schnell vorbei, die Kombis verschwinden wieder und mit ihnen die Festgenommenen. Zurück bleibt ein Golf mit Duisburger Kennzeichen, an dem zwei Männer Wache stehen. Eine Scheibe des Fahrzeugs ist eingeschlagen, es muss abgeschleppt werden.

Zugriffe über mehrere Stunden

Ähnlche Szenen wie diese in Dinslaken spielten sich auch in Essen, Düsseldorf, Solingen und Kerpen ab. Koordiniert wurden die Einsätze in NRW von der Polizei Essen, die während der Zugriffe nach einer Anfrage dieser Zeitung darum bat, die Berichterstattung um wenigstens eine Stunde zurückzustellen. Das sollte verhindern, dass Mitglieder der „Osmanen Germania“ gewarnt und Polizisten in Gefahr gebracht würden.

Nach Abschluss des Einsatzes erklärte Pressesprecher Ulrich Faßbender, dass „vom Polizeipräsidium Essen seit geraumer Zeit ein Ermittlungsverfahren gegen die Rockerbande ‘Osmanen Germania’’ geführt werde. Doch zu diesem könne er keine weitere Angaben machen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Auch, ob die sieben festgenommenen Mitglieder der „Osmanen Germania“ dem Haftrichter vorgeführt werden, wird noch nicht mitgeteilt. Fest steht, dass bei den Durchsuchungen Beweismittel zu Tage gefördert werden sollten, die für das Ermittlungsverfahren von Bedeutung sein könnten. Da die Polizei mit dem Widerstand der Mitglieder in den durchsuchten Gebäuden rechnete, wurden Spezialeinsatzkommandos aus Essen und Münster eingesetzt.

Innenministerium befasst sich mit dem Club

In vielen Städten sind Ableger der „Osmanen Germania“ vertreten, besonders aktiv sind die Mitglieder allerdings in NRW. Hier soll es nach verschiedenen Berichten bis zu neun Chapter geben, sogar der Landtag befasste sich bereits mit ihnen. Das Innenministerium des Landes erklärte, dass gegen einen Großteil der Mitglieder kriminalpolizeiliche Erkenntnisse vorliegen würden.

Anfang des Jahres trafen sich Dutzende der vermeintlichen Boxfreunde, die wie bei Rockerclubs üblich in Lederkutten mit Rückenaufnähern auftreten, in Neuss und Duisburg. In der Ruhrgebietsstadt überschneiden sich die Einflussbereiche von „Bandidos“ und „Hells Angels“, eine weitere Gruppierung könnte für zusätzliche Unruhe im Rotlichtmilieu sorgen.

 
 

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