Nicht überrollen lassen

Thomas Pawlowski beklagt Gebäudeschäden durch die Betuwelinie, die direkt an seinem Grundstück verläuft. Foto: Peggy Mendel.
Thomas Pawlowski beklagt Gebäudeschäden durch die Betuwelinie, die direkt an seinem Grundstück verläuft. Foto: Peggy Mendel.
Wenn in Kürze das Planfeststellungsverfahren für die Betuwe-Linie in Dinslaken eröffnet wird, ist das Ehepaar Pawlowski gut vorbereitet.

Dinslaken.  Denn die beiden Dinslakener, die mit ihrem Hund im Einfamilienhaus an der Landwehrstraße nur 30 Meter von der Bahntrasse entfernt leben, wollen sich weder von der Bahn noch vom Verfahren sprichwörtlich überrollen lassen.

So haben die Pawlowskis ein zertifiziertes Bausachverständigenbüro aus Emmerich damit beauftragt, zur „privaten Beweissicherung“, wie es im Fachjargon heißt, das Haus begutachten zu lassen. Denn schließlich kann es beim Bau des dritten Gleises und der Schallschutzmaßnahmen sowie beim späteren Betrieb der Betuwe zu Schäden am Haus kommen. Experten befürchten, dass es gerade bei den notwendigen Rammarbeiten zu starken Erschütterungen kommen kann, die sich auf nahe der Trasse gelegene Bauwerke auswirken können. Und wer Schäden dann gegenüber Bahn, beziehungsweise Bund geltend machen will, muss beweisen, dass diese Schäden vor der Betuwe noch nicht vorhanden waren.

Und so hat der zertifizierte Sachverständige Ralf Laarmann das 1935 erbaute Haus mit dem Fotoapparat genau unter die Lupe genommen, dutzendweise Fotos von Wänden, Decken, Treppen und so weiter geschossen, diese dann detailliert beschrieben. Besonders genau wurden bereits vorhandene Risse und Schäden dokumentiert, die Ursachen bestimmt. Sollten jetzt im Zuge der Betuwe neue Schäden entstehen, kann man dies durch ein fachliches Vorher-Nachher-Gutachten notfalls vor Gericht belegen. Rund 500 Euro kostet eine solche Dokumentation zur „privaten Beweissicherung“, die im Zweifelsfall deutlich mehr wert sein könnte.

Auch die Dinslakener Bürgerinitiative „Betuwe: So nicht!“ rät ihren Mitgliedern, für solche Beweismittel zu sorgen, so lange die Umsetzung der Betuwe-Maßnahmen noch nicht begonnen hat. Wichtig sei es, vor dem bald beginnenden Planfeststellungsverfahren die Möglichkeiten auszuloten und offene Fragen zu beantworten. Denn unqualifizierte Einwände könnten zudem das Verfahren in die Länge ziehen. „Und so lange die Bahn kein Baurecht hat, kann auch mit dem Bau der Lärmschutzmaßnahmen nicht begonnen werden“, so BI-Vorsitzender Heinz Mülleneisen.

Wertgutachten fürHaus und Grundstück

Zur weiteren Vorbereitung haben die Pawlowskis ein Wertgutachten über ihr Haus und ihr Grundstück erstellen lassen. Das kann nicht nur nützlich sein, wenn man mit der Bahn über den möglichen Verkauf von Land und/oder Haus verhandeln will, sondern auch im Streitfall. Bekommt die Bahn es nicht hin, den Bürger vor dem Betuwe-Lärm wie vorgeschrieben zu schützen, kann der Bürger Schadensersatz fordern. Und die Höhe ist nicht nur von der Überschreitung der Lärm-Grenzwerte abhängig, sondern auch vom Wert der Immobilie, der als Faktor eingerechnet wird. Nur zur Vorsicht haben sich die Pawlowskis auch bereits eine anwaltliche Vertretung besorgt, die sich in Bahn-Angelegenheiten auskennt.

Obwohl die Pawlowskis gut vorbereitet sind, sehen sie dem Betuwe-Ausbau alles andere als gelassen entgegen. Schon jetzt sorgen die in hoher Frequenz rund um die Uhr rollenden Züge dafür, dass der idyllische Garten zu Erholungszwecken nicht mehr genutzt werden kann. Und auch nachts findet man kaum Ruhe: „Wenn hier ein Güterzug vorbeirollt, wackeln bei uns die Betten“, sagt Thomas Pawlowski. Die Hoffnung, dass mit dem Bau des dritten Gleises für die Betuwe-Linie eine Schallschutzwand gebaut wird, erfuhr einen jähen Dämpfer, als die Bahn in Lohberg ihre Betuwe-Pläne vorstellte. Auf dem Abschnitt, an dem Pawlowski wohnen, ist wegen zu geringer Bebauungsdichte keine Lärmschutzwand vorgesehen.

Lärmschutzwand auf deranderen Seite der Trasse

Schlimmer noch: Zur jenseits der Bahntrasse gelegenen Siedlung ist (einseitig) eine Lärmschutzwand geplant, gegen die der Bahnlärm knallt und sich in Richtung Pawlowski-Grundstück verstärkt. Dass die vier Meter hohe Wand auf dem vier Meter hohen Bahndamm die Sicht aus dem Fenster versperrt, kommt als „Zugabe“ oben drauf.

Um die Pawlowskis vor dem Krach zu schützen, baut die Bahn auf passiven Lärmschutz, wird wohl dämmende Fenster und ein spezielles Dach anbieten. Doch die Fenster helfen ja nur, so lange sie geschlossen bleiben. „Wir werden eingebunkert“, befürchtet Thomas Pawlowski. Um das zu verhindern, will er im Zuge der Planfeststellung einen aktiven Lärmschutz (Wand) fordern. Zumindest hat er dann noch eine Chance, weil er sich gut auf das anstehende Verfahren vorbereitet hat.

 
 

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