Nicht immer ist eine OP notwendig

Dr. Wolfgang Zinser beantwortete Fragen unserer Leser am NRZ-Telefon.
Dr. Wolfgang Zinser beantwortete Fragen unserer Leser am NRZ-Telefon.
Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool
Telefon-Leseraktion: Zahlreiche Menschen schilderten ihre Beschwerden

Dinslaken..  „Doc, muss ich wirklich operiert werden“, fragten gestern zahlreiche Anrufer der Leseraktion zum gleichnamigen Thema. Pausenlos schellte das Telefon, schilderten Menschen den beiden Ärzten Dr. Wolfgang Zinser, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Vinzenz-Hospital, Dr. Axel Friedrich vom Chirurgisch-Orthopädischen Zentrum Dinslaken und Diplom-Wissenschaftler Philipp Hader vom Gesundheitszentrum Lang ihre Gebrechen und baten um Rat.

Was kann eine 75-jährige Frau machen, die vor drei Jahren am Knie operiert wurde und inzwischen das Knie nicht mehr beugen kann und selbst nicht mehr „in den Fahrrad-Sattel beim Belastungs-EKG steigen“ kann? Inzwischen, so erzählte sie, hopse sie die Treppen runter, immerhin 48 Stufen. Eine neue OP? „Bitte keine OP“, fleht die ältere Dame. Es sei ungewöhnlich nach einer Knie-Operation, dass die Beweglichkeit nachlasse, versichert Chefarzt Dr. Zinser und sieht das Problem eher in der Kniescheibe verankert und rät zu einer konservativen Therapie, in diesem Fall zu einer Physiotherapie. Der Physiotherapeut könne ihr nach einigen Behandlungen durchaus sagen, ob es ein Problem der Muskulatur sei. Der Weg ins Krankenhaus bliebe ihr immer noch.

Dann gab es den 54-Jährigen mit starken Schmerzen im Knie und Knorpelschaden, dem sein Orthopäde jedoch versichert habe, die Schmerzen kämen nicht von Problemen im Knie sondern von den Lendenwirbeln. Auch ihm wurde geraten, erst einmal durch eine Ultraschalluntersuchung abzuklären, ob es sich nicht vielleicht um eine Baker-Zyste handle, die die Probleme verursache. Erst wenn nicht mehr ginge, sei eine Operation angeraten. „Die richtige Zeit ist dann, wenn die Bewegungseinschränkung zunimmt, Ihre Lebensqualität abnimmt und die Schmerzmedikation steigt“, versichert Chefarzt Zinser. „Wir operieren nicht gern jüngere Patienten, doch bei Ihnen könnte eine Operation eine Option sein.

Das Gleiche gilt für eine 27-jährige Anruferin, die bereits fünf Operationen hinter sich hat und inzwischen zuviel Schmerzmittel einnehme. Der Innenmeniskus war angeblich gerissen, musste operiert werden, doch mit dieser Operation fing ihre ganze Leidensgeschichte erst an. Hier musste selbst Chefarzt Dr. Zinser passen und bat die Patientin in seine Sprechstunde. Es ist schon schwierig genug, am Telefon Ratschläge zu geben, doch hier ist eine komplette Untersuchung notwendig.

Ein akuter Bandscheibenvorfall mit Austritt der Bandscheibe, Kribbeln im Fuß beim Sitzen, „Schmerzen vom Po bis in den Fuß“, so berichtet eine weitere Anruferin. Ein Therapeut rate zur Operation, ein anderer nicht. Das Ausspritzen der Nervenspitzen helfe für ein paar Tage. Auch hier der Rat, erst einmal die konservativen Therapien auszuschöpfen, erst wenn nichts mehr helfe, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden. Denn es gebe auch ein Risiko bei der konservativen Therapie, die Mediziner, „wenn der Schmerz immer weiter ausgehalten und verinnerlicht wird, wird er eines Tages chronisch. Durch eine Operation wird dann nicht mehr erreicht, was man eigentlich erreichen will.“ Die Konsultation eines Rückenspezialisten sei hier empfohlen.

 
 

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