Neue Wege auf zwei Rädern

Roland Welger, Verkehrsplaner der Stadt Dinslaken.
Roland Welger, Verkehrsplaner der Stadt Dinslaken.
Foto: Christoph Karl Banski
Dinslaken soll fahrradfreundlicher werden. Dafür müssen Radler verstärkt auf die Straße, sagen Verkehrsplaner. Ein Wegekonzept wird bis 2015 erstellt.

Dinslaken.  Die Radspur am Neutor vor dem Kino stieß bei ihrer Einrichtung im vergangenen Jahr auf einige Skepsis. Wer links auf die Hans-Böckler-Straße Richtung Lohberg abbiegen will, kann sich auf dem Radstreifen der Fahrbahn einordnen und die Grünphase für motorisierte Verkehrsteilnehmer nutzen. Kann – wenn er sich traut. Viele Zweiradfahrer bevorzugen nach wie vor den Weg über die Fußgängerampel. „Dann müssen sie aber absteigen“, sagt Verkehrsplaner Roland Welger, während er einen jungen Mann beobachtet, der genau das nicht tut. Am Neutor hat die Stadt schon umgesetzt, was künftig Normalität werden soll: Der Radverkehr soll verstärkt auf der Straße rollen. Das sagt auch die Straßenverkehrsordnung seit 2009. Bis sich alle daran gewöhnt haben, wird es wohl noch etwas dauern.

Wer sich an die Kreuzung Am Neutor/Hans-Böckler-Straße stellt und den Verkehr beobachtet, der stellt fest: Viele „Fietser“ haben offenbar noch Scheu, sich zwischen die motorisierten Verkehrsteilnehmer auf die Radspur zu wagen. Dabei ist es eine sichere Variante, betont Welger: Zweiradfahrer rollen bei Grün geradeaus über die Kreuzung und am abgesenkten Bordstein der Hans-Böckler-Straße wieder auf den Radweg – ohne den abbiegenden Autos links und rechts in die Quere zu kommen. Eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen belege, dass dieser „Schutzstreifen“ an Kreuzungen deutlich sicherer sei als ein Radweg neben der Fahrbahn, erläutert Welger.

Wer gesehen wird, ist sicherer

Empfehlungen des Landes gehen daher in eine Richtung: Zweiradfahrer sollen wenn möglich auf die Straße – als gleichberechtigter Verkehrspartner. „So wird die Sichtbeziehung zwischen Radfahrern und Autofahrer verbessert“. Und wer gesehen wird, ist sicherer. „Wir stehen in Kontakt mit Städten, die das System schon lange haben und gute Erfahrungen damit gemacht haben“, sagt Welger.

Der Verkehrsplaner sieht einige Vorteile beim Radfahren auf der Fahrbahn: Die Grünphase ist auf der Straße länger als an einer Fußgängerampel. Und die Hemmschwelle, als Radler noch schnell bei Rot über die Ampel zu huschen, höher. 50 bis 60 Prozent aller Unfälle mit Radfahrern, erklärt Roland Welger, passieren an Querungen und Einmündungen. Weil sie nicht rechtzeitig gesehen werden – und auch, weil Radler gerne mal den Weg auf der falschen Seite benutzen. „Das traut man sich auf der Straße nicht“.

Zudem sollten Fußgänger und Radfahrer sich nicht mehr einen Weg teilen müssen. Denn hier komme es häufig zu Unfällen. Verstärkt werde die Gefahr durch Räder mit Elektroantrieb, die nun deutlich schneller unterwegs sind. Dass es zwischen Fußgängern und Radfahrern oft schwierig wird, beobachtet auch Dieter Oberfohren von der gleichnamigen Metzgerei am neu gestalteten Bereich. Mehrfach hat er beobachtet, wie Radler sich über den Gehweg vor seinem Geschäft schlängeln, Fußgänger bedrängen oder ihre Velos auf dem Fußweg parken. „Neulich ist eine Frau über ein Fahrrad gestolpert“, berichtet er.

Radler-Vorfahrt geplant

Nicht nur am Neutor will die Stadt künftig den Radverkehr auf die Fahrbahn verlegen und ihm so mehr Platz und Gewicht einräumen: Bis 2015 wird ein Radverkehrskonzept erstellt, das unter anderem die Wege unter die Lupe nimmt und Verbesserungsvorschläge beinhaltet. Die Kommune möchte Mitglied werden in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS). Aber nicht überall, so betont Welger, wird radeln auf der Fahrbahn die beste Lösung sein: „Wir werden alles genau anschauen und entscheiden, welches Instrument das Richtige ist.“

Denn nicht immer ist das direkte Nebeneinander von Motor- und Muskelkraft sinnvoll. Auf stark befahrenen Straßen mit viel Lkw-Verkehr und hoher Geschwindigkeit – etwa an der B8 – wird es wohl weiter abgetrennte Radwege geben. Auch Fahrradstraßen, auf denen Radler Vorfahrt haben, sind geplant: Beispielsweise an der Goethestraße und am Rutenwall. Über die Umsetzung aller Ideen des Konzepts entscheidet dann der Rat — und nicht zuletzt die finanziellen Möglichkeiten.

Gegen Kritik nimmt Roland Welger auch Regelung an einigen Kreisverkehren in Schutz. Beispielsweise an der Luisen-/Katharinenstraße und an der Voerder Straße, Höhe Klärwerk: Hier werden die Radler vor dem Kreisverkehr auf die Fahrbahn und so durch den Kreisel geführt. Zumindest innerstädtisch sei dies die vom Land empfohlene Standardlösung. Und da der Radfahrer gut sichtbar vor dem Autoverkehr fährt, auch eine sichere Variante. Im Falle der Katharinenstraße sei die Stadt sogar von der Unfallkommission um diese Regelung gebeten worden.

 
 

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