Nachwuchspolitiker im Plenarsaal

Voerde/Berlin.  Vier Tage lang wurde diskutiert, debattiert und gestritten, erlebten insgesamt 312 Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren das Herzstück der Demokratie hautnah. Bei dem Planspiel „Jugend und Parlament“ des Bundestages vom 1. bis 4. Juni probierten sich die Jugendlichen als Nachwuchspolitiker im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes. Oberstes Prinzip: Die Mehrheit entscheidet. Unter ihnen war auch Markus Bögner aus Voerde, 19-jähriger Oberstufenschüler der Gesamtschule Hünxe.

Im nächsten Jahr macht er das Abitur und sein Interesse an Politik ist sehr groß. Kein Wunder: Der junge Mann ist Mitglied der Linkspartei in Voerde, ebenso Bundeskongressdelegierter für die Linksjugend <solid>. Über Facebook sei er auf die Veranstaltung aufmerksam geworden, „ich habe mich beworben und wurde von Bundestagsmitglied Ulla Jelpke eingeladen“.

Untergebracht waren Markus Bögner und Co. in einem Hostel, wo die Teilnehmer direkt nach der Ankunft am Samstag in die jeweiligen Fraktionen „ausgelost“ wurden. „Ich hatte Glück und bin zur Linken gekommen“, erzählt er. Die hatte aber den fiktiven Namen PSG – „Partei der sozialen Gerechtigkeit“. Im Paul-Löbe-Haus erhielt Bögner seinen neuen „Lebenslauf“: promovierter Volkswirt, 60 Jahre, Direktkandidat aus Berlin. „In meiner Doktorarbeit habe ich mich kritisch mit dem Marxismus-Leninismus auseinandergesetzt“, schmunzelt er. „Wir alle mussten auf unsere Rolle eingehen und argumentieren.“ Nach Begrüßung, Hausführung und Abendessen ging es abends zurück zum Hostel.

Vier Gesetzestexte beraten

Am Sonntag wurde nach dem Frühstück Politik gemacht: interfraktionelle Landesgruppensitzung, Wahl des Fraktionsvorsitzenden („ich hatte mich beworben, wurde es aber nicht“), Verteilung auf Ausschüsse („ich war bei Forschung und Technologie“), Pressegespräch als Berliner Runde („unsere Doppelspitze wurde nicht anerkannt, also haben wir die Sitzung verlassen“). Dann wurden in der Fraktion vier Gesetzestexte beraten: Einführung einer Pkw-Maut, einer Wahlpflicht bei Bundestagswahlen, von anonymisierten Bewerbungen für Bundesbehörden, Freistellung bei akutem Pflegebedarf von Familienangehörigen. Bögner: „Ich war im Arbeitskreis Pkw-Maut.“

Am Montag stand in der Plenarsitzung die erste Lesung an, eröffnet von Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald. „Meine Fraktion hat Anregungen gegeben, aber den Gesetzentwurf abgelehnt“, erklärt er. Das sei normal in der Opposition: „Mit viel Mühe nichts erreicht.“ Danach gab es einen Besuch bei MdB Ulla Jelpke in ihrem Büro, Unter den Linden, nachmittags wieder Fraktionssitzung („ich habe auch eine Rede gehalten“).

Der Dienstag war für Markus Bögner der wichtigste Tag: zweite Lesung („alle unsere Änderungsanträge wurden abgelehnt“), kontrovers geführte Podiumsdiskussion mit den realen Fraktionsvizes, darunter Sahra Wagenknecht (Die Linke), moderiert von Bettina Schausten, Leiterin ZDF-Hauptstadtbüro. Nach einem Schlusswort von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert und dem Gruppenfoto war „Jugend und Parlament“ auch für Markus Bögner beendet.

Sein begeistertes Fazit: „Alle Jugendlichen waren total offen, stets pünktlich und haben sich gut in ihre Rollen eingebracht. Und nach jeder Fraktionssitzung haben wir die ‘Internationale’ gesungen. Sogar die FDP hat später mitgemacht!“

 
 

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