Dinslaken

Man nehme: Avocados und Offenheit

Dinslaken.  . Avocados, Chicken Wings und Tiramisu waren nicht die einzigen Zutaten, die die Teilnehmer von „Dinslaken kocht“ am Samstagabend brauchten. Viel wichtiger waren Offenheit und die Bereitschaft, mit einer eigentlich völlig fremden Person die Küche und die Wohnung zu teilen.

Das Prinzip des Integrationsprojekts ist simpel: Es gibt insgesamt 18 Kochpaare, von denen sich jeweils drei für Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise treffen. Wer zusammen mit wem kocht und vor allem welche Speise entscheidet das Los. Doch gerade dieses Losverfahren scheint ein Grund für viele zu sein, nicht daran teilzunehmen. „Es war schwer, deutsche Leute für ‘Dinslaken kocht’ zu finden“, bedauert Kira Grafen, eine der Organisatoren des Projekts. „Scheinbar haben viele Leute Angst mit jemandem aus einer ungewollten Nation die Küche teilen zu müssen.“ Doch gerade solche Vorurteile sollen durch das gemeinsame Kochen und anschließende Essen aus der Welt geschafft werden.

Die Vorspeise gibt es bei Andres aus Argentinien. Gemeinsam mit Kira und seiner aus Polen stammenden Frau Patrycja steht er in der Küche und zeigt, was es zu essen gibt: Tomaten, Mozzarella und Avocado mit Basilikum, dazu gefüllte Eier mit Thunfischcreme und Brot mit selbst gemachtem Aioli-Dip. Dann ist es auch schon so weit und die ersten Gäste treffen ein. Das erste Kennenlernen auf der Türschwelle wirkt noch etwas unbeholfen, doch das ist schnell vergangen. Beim Essen entstehen schnell Gespräche, darunter auch sehr persönliche Themen.

Gerade für die gebürtigen Dinslakener ist es interessant, den Grund für die Auswanderung nach Dinslaken zu erfahren. Eine Angewohnheit jedoch scheint international vertreten zu sein, egal ob Deutscher, Argentinier oder Türke: Vor dem Essen wird das Handy gezückt, um erst einmal ein Foto von dem Essen zu machen. Denn das Auge isst ja bekanntlich auch mit.

Die Hauptspeise gibt es bei der Chinesin Ling. Zusammen mit ihrer russischen Kochpartnerin Ella serviert sie Chinese Cooking Reis, dazu Beer Chicken Wings. Obwohl es ein völlig anderer, neuer Ort ist, ist davon nichts zu merken. Auch hier sind schnell wieder Gesprächsthemen gefunden, sei es darüber wie schwer es manchmal fällt die deutsche Sprache zu erlernen oder die Frage, wie denn die köstliche Biersoße für die Chicken Wings zubereitet wird. Erfreut über das Lob zeigt Ling sofort die Zutaten für die Soße, die sie zuvor in einem Asiashop gekauft hat und von denen viele noch nie etwas gehört haben.

Auch bei der Nachspeise, die von Bernd und der aus Polen stammenden Magda zubereitet wurde, ist die Atmosphäre locker und entspannt. Bei Tiramisu und Erdbeeren mit Schlagsahne wird über die Probleme der Anerkennung mancher Dokumente in Deutschland gefachsimpelt. Magda, die seit noch nicht einmal zwei Jahren hier lebt, freut sich, dass sie seit April diesen Jahres als Integrationshelferin in einer Schule für Kinder arbeiten darf. So ist „Dinslaken kocht“ ein gutes Beispiel dafür, dass „Integration klappen kann, wenn man es nur will und genug dafür arbeitet.“

Den Abend ließen die Teilnehmer bei der After-Cooking-Party im Huberts in Dinslaken ausklingen.

 
 

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