Mailand, Dinslaken, Paris

Deutsch-Koreanischer Kulturaustausch: Musikabend im Ledigenheim Lohberg mit Lee Byeong Wook und dem Eoullim Ensemble.
Deutsch-Koreanischer Kulturaustausch: Musikabend im Ledigenheim Lohberg mit Lee Byeong Wook und dem Eoullim Ensemble.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Zwischen den Metropolen begeisterten koreanischer Tanz und Musik im Ledigenheim.

Dinslaken..  Das Licht im Saal des Ledigenheims verlischt. Als die Scheinwerfer wieder aufleuchten, steht eine ganz in Weiß gekleidete Frau auf der Bühne und beginnt zu tanzen. Zu einer fremdländisch klingenden Musik, geprägt von perkussiven Instrumenten, macht Tänzerin Hwang Kyeong ae in präzisen und langsamen Bewegungen. Dann wird die Musik intensiver und treibender, der Tanz wird schneller und schließlich bewegt sich die Akteurin auf der Bühne am Boden, während klagende Klänge aus den Lautsprechern dringen. Schließlich wandeln sich Musik und Tanz wieder zu einer Harmonie. Mit dem Salpuri Chum, einem Exorzismustanz, mit dem das Böse und negative Energien vertrieben werden sollen, fasziniert die Tänzerin das Publikum im Ledigenheim.

Der eigentliche Star des Abends, den der koreanische Arbeiterverein „Padok“ und das „International Center of Korean Culture“ (ICKC) mit Sitz in Seoul veranstalten, betritt allerdings erst danach die Bühne: Gitarrist, Komponist und Sänger Lee Byeong Wook.

Dass hier ein bedeutender Vertreter der koreanischen Musik vor dem Publikum steht, geht schon aus seiner Reiseplanung hervor: Vor seinem Auftritt in Dinslaken hatte er auf der Weltausstellung in Mailand das Publikum begeistert und sein nächster Auftrittsort ist Paris. So findet sich Dinslaken zwischen zwei Metropolen wieder und begeistert die Gäste im Ledigenheim. An der Gitarre wechseln sich melancholische Melodien und leise Klänge mit schnellen Soli und treibenden Akkordpassagen ab.

Noch faszinierender ist allerdings die Stimme des Koreaners: Ob er nun traurige, leise Töne anschlägt oder lautstark und volltönend singt, er nimmt seine Zuhörer gefangen. Da wundert es nicht, dass es vom Publikum für seinen Gesang und sein Gitarrenspiel bei einigen Liedern Zwischenapplaus gibt, der Takt mit Klatschen begleitet wird und die Zuschauer teilweise sogar mitsingen.

Da können auch Bariton Sang Lee und Pianist Jungwoo Oh nicht ganz mithalten, die mit einer Darbietung von Schuberts „Der Lindenbaum“ den einzigen deutschsprachigen Beitrag zum kulturellen Abend leisten. Und das, obwohl die Finger des Pianisten über die Tasten fliegen und Sang Lee mit seiner Baritonstimme eine vorzügliche Interpretation des bekannten Stückes liefert.

Für Farbe im Programm sorgen die Tänzer der Eoulsarang Traditional Arts Company. Gemeinsam mit Solotänzerin Hwang Kyeong ae treten sie in bunten Kostümen und mit Fächern in der Hand vor das Publikum im Saal des Ledigenheims. In nahezu perfekter Synchronität demonstrieren die Tänzer auf und vor der Bühne mit dem Tanz „Seonbichum“ sowohl Freude als auch kontrollierte Ästhetik des koreanischen Tanzens. Applaus von den Zuschauern. Die dürfen beim Lied „Arirang“ gemeinsam mit allen Mitwirkenden singen. Im Stehen und die Hände der Sitznachbarn haltend, stimmt das Publikum dieses Lied, das als inoffizielle Nationalhymne Koreas gilt, an. In der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung des in Nord und Süd geteilten Landes.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel