Lohbergs Geschichte wird zum Filmstoff

Regisseur Adnan Köse (l.) dreht im Stadion des VfB Lohberg eine Dokumentation über den Stadtteil und seine Geschichte.
Regisseur Adnan Köse (l.) dreht im Stadion des VfB Lohberg eine Dokumentation über den Stadtteil und seine Geschichte.
Foto: Funke Foto Services
Adnan Köse dreht eine Dokumentation im Stadtteil und lässt lokale Akteure zu Wort kommen.

Dinslaken..  Von der Tribüne geht der Blick über den Rasen der Dorotheenkampfbahn. In der Ferne sind der Förderturm der ehemaligen Zeche zu sehen und das neue Windrad auf der Halde. An diesem Tag finden die entscheidenden Szenen nicht auf dem Rasen statt, stehen sich nicht zwei Teams gegenüber, die Tribüne wird zum Drehort. Vereinsmitglieder des VfB Lohberg stehen im Mittelpunkt, werden von einer Kamera beobachtet und das, was sie sagen, von einem Mikrofon aufgenommen. Was hier gedreht wird, ist am Ende des Jahres in einem Dokumentarfilm über Lohberg zu sehen. Das ist der Plan von Regisseur Adnan G. Köse, der hinter diesem Projekt steht.

Im Vereinsheim unter der Tribüne sitzen mehrere Männer und Karina Wistuba bei einem Kaffee zusammen. Nach und nach werden immer zwei von ihnen vor die Kamera gebeten, erzählen dort ihre Geschichten zum Fußballverein, zum Ortsteil. Köse führt keine Interviews mit den Zeitzeugen, er lässt immer ein Pärchen zu Wort kommen: Jemand, der vor Jahren für den Fußballverein wichtig war, jemand, der heute die Fäden in den Händen hält. So wird die Entwicklung des Stadtteils, des Fußballvereins fassbar, die eng mit der Zeche und mit Lohberg verbunden sind.

Lohbergs Image korrigieren

Die Zeitspanne des Films reicht vom Roten März im Jahre 1920 ( zu dem entsteht zurzeit ein Theaterstück) bis heute. Er wolle die Geschichte des Stadtteils zeigen, auch um mit dem Image, das Lohberg in den vergangenen Jahren erhalten hat, aufzuräumen, sagt Köse.

Der Drehplan orientiert sich an dem Bergarbeiterdrama „Roter März“, das Adnan G. Köse mit seinem Co-Autor Dr. Hans Feldhoff geschrieben hat. Es geht um die Entwicklung von der Bergarbeitersiedlung bis heute. Was ist in dem Stadtteil durch die Vereine, durch die katholische Kirche, durch den Bergbau bis heute entstanden. Es gab Streiks, Unruhen, in Lohberg trafen Kommunisten, die katholische Kirche und Kapitalisten aufeinander. „Hier gab es pure Energie, das ist, glaube ich, einmalig“, schwärmt Köse. Er hat eine persönliche Verbindung zum VfB Lohberg: „Hier habe ich selbst gespielt, von 12 bis 19“.

Zehn Drehtage gibt es, ein strammes Programm, sonst würden für ein solches Projekt 20 bis 30 Drehtage angesetzt, sagt Köse. Vor dem Dreh in der Dorotheenkampfbahn ist er schon bei einem Boxclub gewesen, in der katholischen Kirche. Da ging es um die Geschichte von Pfarrer Nienhaus, um den Aufbau der Marienkirche. In der Moschee wurde gedreht, eine Rolle spielt natürlich die Zeche und die derzeitige Entwicklung des Geländes. „Viele Menschen aus Lohberg kommen zu Wort“, sagt Köse. Die Menschen seien so gut, schwärmt er von seinen „Darstellern“, sehr locker seien sie vor der Kamera, sehr authentisch. Historische Bilder werden auch eingebaut. Hier wird Köse von Erwin Overbeck unterstützt, der eine große Sammlung pflegt. „Ich hoffe, der Film ist Ende des Jahres fertig“, so Köse. Das 85 Minuten lange Werk wird nach der Premiere in der Lichtburg in ausgewählten Kinos, bei Festivals gezeigt sowie als DVD herausgebracht.

Regisseur hat selbst in Lohberg Fußball gespielt

Karl-Heinz Kriener hat einen Tag vorher erst erfahren, dass er im Dokumentarfilm mitwirken darf. Er war mehrere Jahre 1. Vorsitzender des Vereins, wohnt seit 1954 in Lohberg, sein Vater hat lange auf dem Schacht gearbeitet. Er hat viele Spiele des VfB miterlebt, die Siege im Pokal, die Aufstiege, die Niederlagen. Er tritt mit der jetzigen Vorsitzenden des Fußballvereins vor die Kamera. Vorher ist Dieter Gosch an der Reihe. Mehrere Jahrzehnte war er Jugendtrainer, hat auch Adnan G. Köse trainiert. „Ich war überrascht, dass ich gefragt wurde. Finde, es ist eine tolle Sache“, so Gosch, der als 14-Jähriger als Lehrling für den Pütt angeworben wurde. Bei den Paarungen vor der Kamera trifft Geschichte immer auf Gegenwart, der frühere Vereinsvorsitzende auf die heutige Chefin des Fußballclubs, der Trainer von früher unterhält sich mit einem Trainer von heute.

Vor dem Dreh gibt Köse auf der Tribüne letzte Anweisungen. Von der Seite soll das Duo auf die Tribüne kommen, an den Sitzreihen entlang laufen, ein paar Stufen hoch steigen und sich dann hinsetzen. Adnan G. Köse bittet um Ruhe. Die Kamera läuft, es fällt die erste Klappe. Nach ein paar Minuten ist die Szene im Kasten. Köse ist zufrieden. „Die Lohberger sind unglaublich. Für mich war es sehr gut...“

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