Lohberg wird bunt gehäkelt

Foto: WAZ FotoPool

Dinslaken.. Mit Nadel und Wolle rückten Freihand-Häklerinnen am Wochenende der Tristesse zu Leibe. Die Künstlern Walburge Schild-Griesbeck hatte zu dieser Aktion rund um ihr Atelier Freiart im Kreativ.Quartier geladen.

Sie häkeln mit dünnen Garn und wuscheliger Wolle. Sie häkeln in gelb, in türkis und den grellsten Farbkombinationen. Am Wochenende hat Walburge Schild-Griesbeck zum ersten Freihand-Häkeln in und rund um ihr Atelier Freiart im Kreativ.Quartier. geladen. Und was in den Metropolen zwischen berlin und London derzeit zum Trend wird, stößt auch in Lohberg auf große Resonanz.

Allein 28 Frauen und Mädchen schwingen am Samstagnachmittag in einem schier unübersichtlichen Knäuel bunter Fäden die Häkelnadeln. Und das keineswegs, um die Welt um Topflappen zu bereichern. Draußen vor der Tür wird Lohberg bunt. Kleine Wollbällchen hängen von winterlich entlaubten Bäumen herab, bunte Bahnen winden sich um die Schranke zum ehemaligen Zechengelände und auch die Polder vor dem Pförtnerhäuschen haben es kuschelig: sie tragen Häkelmützen. Kunst im öffentlichen Raum oder einfach nur Spaß? Freihand-Häkeln ist beides, wobei für die Akteurinnen letzteres klar im Vordergrund steht.

Monika Brandes sieht sich als Häkelanfängerin. Kreativität zählt jedoch schon lange zu ihren Hobbies. „Ich habe schon getöpfert, Aquarelle gemalt und freies Weben ausprobiert. Der Reiz hier liegt darin, den Effekt zu sehen, wenn man einen kahlen Baumstamm mit Farbe lebendig macht“. Ein Anblick, der Freude und Erstaunen auslöse. Und eben Spaß macht.

„Hinzu kommt die Geselligkeit“

Auch Marianne Christoph fand die Idee lustig, als sie davon in der Zeitung las. Die Häkelanfängerin mit Streickerfahrung hat gleich Tochter und Enkelin mitgebracht. Jetzt nimmt ein gelbes Fantasiegebilde aus kordelähnlichem Garn mit eingarbeiteten Plömmeln Form unter ihren Händen an. Enkelin Sophie übt sich eifrig in Luftmaschen.

Häkeln ohne Grenzen. Gabriele Schäffler gilt in der Gruppe als die Schnellhäklerin, sie hat die Polder vor dem Atelier umgarnt. Eigentlich strickt sie Kleidung, unifarbene Muster seien wieder stark im Kommen. Doch hier beim Freihand-Häkeln gelten keine Vorgaben. Farbe ins Grau zu bringen, die Phantasie in untragbaren Kombinationen schweifen zu lassen, das sei der Reiz. Hinzu kommt die Geselligkeit. „Man lernt zwanglos nette Gleichgesinnte kennen“. Schließlich gebe es in Dinslaken keine Strickcafés, wie man sie in Großstädten fände. Auch wenn es für sie keine Alternative zum Malen ist, hat Walburga Schild-Griesbeck schon zugesagt, ihr Atelier für Häklerinnen während der Öffnungszeiten zur Verfügung zu stellen. Gabriele Schäffler hofft, das sich eine Stammgruppe bildet.

Auf dem Tisch stehen zwei Keramikschafe. Eines soll einen Häkelbikini erhalten, das andere zum Schwarzen Schaf werden. Gabriele Schäffler distanziert das Lohberger Freihand-Häkeln vom Berliner Anarcho-Häkeln. „Das ist politisch motiviert. Außerdem wird dort alles verhäkelt, was möglich ist. Vom Kabel bis zum Papierstreifen“.

Lohberg wird wollig. Das jedoch soll im großen Stil geschehen. Während Friedrun Frey vom Nadelspiel Voerde das Häkeln im Atelier unterstützt, hat Walburga Schild-Griesbeck eine private Spende an gehäkelten Blumen ans Forum Lohberg gegeben.

„Kunst kann etwas bewegen"

Peter Psiuk verfolgt die Handarbeiten im Atelier aufmerksam. Er und Lale Aslan-Benzer wollen für eine ähnliche Aktion beim Markttreff im Forum Lohberg werben. Nach ihren Plänen wird der Stadtteil dann von zwei Seiten aus umgarnt. „Es ist ein Spaß, Farbe in die dunkle Hünxer Straße zu bringen“, schwärmt Peter Psiuk. Peter Griesbeck pflichtet ihm bei: Kunst kann etwas bewegen“.

Lohberg wird also wieder ein Stück bunter. Und der kreative Wandel hinterlässt Spuren im Stadtbild. Für Peter Psiuk folgt das Freihand Häkeln einem roten Faden in der Stadtteilarbeit: „Es ist wie mit dem Kunstkiosk 422. Die Leute müssen mit einem Grinsen durch Lohberg fahren“.

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