„Kreftich“ geht’s weiter. Live. Und mit einer neuen CD

Dinslaken. „Ein neuer Tag, ein neues Spiel“, heißt es in „Wohin“. Kreftich feiern auf dem Syls-Festival die Veröffentlichung ihrer neuen CD. „Bis hierhin und dann weiter“ heißt der Silberling.

Mit sagen wir einmal 12 Tracks auf der Suche nach der eigenen Identität in einer Welt zwischen Facebook, globalen Krisen und der ganz persönlichen Einsamkeit. Ein starkes Stück Punkrock. Laut, gradlinig, engagiert. Ein Album mit Lebensgefühl.

Was hat sich gegenüber dem Vorgänger geändert? Flo und Lasse hauen in der Studioproduktion zwar in die Tasten und haben Saxofon- und Posaunenparts eingespielt. Aber dies verstärkt den Druck noch mehr. Poppige Frickeleien sucht man vergebens, Kreftich machen ihrem Namen wieder alle Ehre. Was die letzten Konzerte, in denen das neue Material bereits live vorgestellt wurde, versprachen, wird gehalten. Und Flos erster eigener Song auf einem Kreftich-Album, „Immer wieder“, ist auch in der Studioversion mit druckvollem Blechbläsern eine ungestüme Partyhymne, die wohl in keinem künftigen Liveset mehr fehlen dürfte.

Punkriffs ohne Umwege

Punkriffs ohne Umwege auf die Eins: Lasses Feinarbeit liegt in den Texten. Da wird von den „Wir-Menschen“ Kreftich den It-Girls ganz „antiprominent“ jeglicher Glamour durch die schlichte Übersetzung „Es-Mädchen“ genommen oder über das Hier und das Jetzt philosophiert. Gefragt, ob das Ziel der Weg ist, der einen weiterbringt oder im Kreise drehen lässt, und dann ein kleiner Umweg über die Welt genommen. Hagi singt über Banker (sind auch nur Menschen), Selbstmordattentäter, U-Bahnschläger und die Frau, die ihren Mann betrügt, egal wie es ihm dabei geht. Die Punk-Attitüde in dieser Welt? Rückzug, Verweigerung, Jammern? Kreftich nennen alles beim Namen. Und dann? „Und auch die Sonne nicht vergessen, wenn sie durch das Fenster scheint“. „Bis hierhin und dann weiter“ ist heftig, aber in seiner ganzen Energie letztendlich positiv. Der Titel ist Programm.

Ein gutes Album hat auch ein gutes Artwork verdient. Zum zweiten Mal haben Lasse, Flo und Hagi die optische Gestaltung in die Hände von Wittek gelegt. Der baut auf dem Cover eine Brücke, von schräg unten gesehen. Wittek ließ sich für von den russischen Konstruktivisten inspirieren. Aufstrebende Diagonalen, gespiegelte Buchstaben und auf den Kopf gestellte Texte: ein streng konstruiertes Chaos in rostroten Farben und unterlegt mit kyrillischen Buchstaben. Mittendrin das Bandfoto. Hagi, Flo und Lasse auf dem Bahnsteig von Dinslaken. Beim letzten Album verarbeitete Wittek bekanntlich sogar das Stadtwappen.

„Bis hierhin und dann weiter“, eine musikalisch runde Sache. Nur der Schlusspunkt ausgerechnet von Lied Nr. 12, „Ich weiß es nicht“, fehlt. Fast ein bisschen zu offensichtlich, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Aber das gilt es beim Hören selbst zu entdecken.

Kreftich treten beim Syls am Freitag, 26. August um 20.40 Uhr im Burgtheater auf, die neue CD, veröffentlicht vom Label SN-Punx, ist am Festivalstand erhältlich.

 
 

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