Kölschrockband BAP begeistert beim Fantastival in Dinslaken

Bettina Schack
Wolfgang Niedecken (Mitte) im Burgtheater Dinslaken im Kreis seiner Mitmusiker.
Wolfgang Niedecken (Mitte) im Burgtheater Dinslaken im Kreis seiner Mitmusiker.
Foto: WAZ FotoPool
Die 2000 Besucher im Burgtheater freuten sich über ein dreistündiges musikalisches Roadmovie der Band BAP von Kölle nach Marrakesch. Das Akustik-Konzert der Kölschrocker um Wolfgang Niedecken im Rahmen des Fantastivals kam gut an. Das Burgtheater in Dinslaken war seit Wochen ausverkauft.

Dinslaken. Wolfgang Niedeckens Reiselust. Selbst die Strecke Köln – Dinslaken legte er vor seinem zweiten Fantastival-Konzert vorab in Google-Earth zurück. Nicht, dass er sich nicht mehr ans Burgtheater hätte erinnern können, im Gegenteil. „Aber ich hab’s doch noch nicht von bowen jesehe“. Vorfreude? „Es ist hier so schön“, erklärt er den 2000 Zuschauern im ausverkauften Rund. „Schon beim letzten Konzert habe ich gedacht, wenn wir wirklich einmal Unplugged-Konzerte geben, dann auch hier.“

Und nun ist es Freitagabend, die Sonne scheint, das Burgtheater ist seit Wochen ausverkauft. Niedeckens BAP sind da. Die nächste Reise kann beginnen. Ein über dreistündiger Roadmovie von Kölle nach Marrakesch, über Uganda, Costa Rica und Argentinien, wo die breite Landstraße an den Strand von Zandvoort erinnert. Begleitet von einem Soundtrack irgendwo zwischen erdigem Americana und pulsierenden marokkanischen Rhythmen. Im Gepäck die Gitarren, Akkordeon und Cello, Posaune, Violine, Steelguitar, Kontrabass, Orgel und ein türkisches Saiteninstrument, dessen Name Cümbüs soviel bedeutet wie „Remmi-Demmi“. Im Schein übergroßer Standscheinwerfer und einer kleinen Tischlampe zwischen Geigen und Gitarren erzählt Wolfgang Niedecken das „Märchen vom gezogenen Stecker“.

Unverwechselbarer Charakter

Die Instrumente, die seine Band zum Probewochenende im Weingut an der Mosel mitgebracht haben und die nun jedem Song einen eigenen unverwechselbaren Charakter verleihen, machen den Abend zu etwas Besonderem. Ob Anne de Wolff von Strophe zum Refrain von der Posaune auf die Violine wechselt, Ulrich Rode die Steelguitar klagen lässt oder sich BAP Urgestein (Schlagzeuger) und Rani Krisha, der Marokkaner aus Köln-Nippes, rhythmisch gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben, ihre Instrumente haben Charakterstimmen.

Und diese passen wunderbar zu Niedeckens rauchig-dunkler Stimme, die zu denen gehört, die nicht etwa altern, sondern Patina ansetzen. Mit BAP im Akustik-Set kommt Niedecken seinen eigenen Idolen näher denn je. Singer-Songwriter-Kunst in großer Besetzung voller Musikalität und atmosphärischer Dichte. Authentisch, charaktervoll.

Natürlich entwickeln sich aus einem Klavierthema, aus einem Kontrabass-Solo „Kristallnaach“ und „Verdamp lang her“. Die Fans springen auf, machen Party. Aber die alten Kracherhits sind nicht die Höhepunkte, auf die das Set zusteuert. Es lebt von den vielen kleinen Geschichten „irgendwo zwischen Start und Ziel“, wo „der Oleander blöht“ und in denen „Jupp“ „mit drei Jetis Skat kloppt“, aber nie von Stalingrad erzählt.

Heidi wird zur Helga

„Anna“, „Lena“, „Rita“: „Wir spielen alle Lieder mit Frauennamen mit vier Buchstaben“, kündigt Niedecken an – und reagiert auf einen Zwischenruf: „’Heidi’ ist mit fünf, du Nuss!“ Ab jetzt wird „Heidi“ zum „Helga-Ruf“ der Festivalbesucher. „Magdalena, Maria gab es schon“, singt Niedecken.

„Songs sind Träume, fremde Länder“, zitiert der Kölner Bob Dylan ganz zum Schluss. Da hat er gerade „Du kannst zaubere“ gesungen. Was man von den weltreisenden Geschichtenerzähler aus dem „Drei-Millionen-Dorf“ und seinen Musiker nach diesem Abend auch sagen möchte.