Japans geheime Bilderschrift

Gerhard Friedrich Philipp baut die Japanaustellung im Voswinkelshof auf, Sonntag ist Eröffnung.
Gerhard Friedrich Philipp baut die Japanaustellung im Voswinkelshof auf, Sonntag ist Eröffnung.
Foto: WAZ FotoPool
Faszinierende Einblicke und bunte Oberflächen im Museum Voswinckelshof.

Dinslaken.  Es ist eines der Schlüsselbilder von Vincent van Gogh: das Porträt des Galeristen „Pere“ Tanguy vor seinen japanischen Farbholzschnitten, die die Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts revolutionieren sollten. Indes: „Die Geschichte des japanischen Farbholzschnittes in Europa ist eine Aneinanderkettung von Missverständnissen“, so Gerhard Friedrich Philipp, Leiter des Museums des Landkreises Osnabrück.

Seit er in Hamburg Kunst studierte, sammelt er japanische Farbholzschnitte, inzwischen ist seine Sammlerleidenschaft auf seinen Sohn Julius Tüting übergegangen. Ab Sonntag zeigen sie 120 Originalholzschnitte im Museum Voswinckelshof: „Die Reise nach Westen“.

Japanische Farbholzschnitte faszinieren durch ihre Farben, ihr Gespür für Linienführung. Was die Bilder allerdings aussagen, erschließt sich nur durch Wissen. Die wichtigste Botschaft: die bunten Bilder zeigen eine Realität, die keineswegs in leuchtenden Farben strahlte. Frauen in Japan waren entweder verheiratet oder arbeiteten in Bordellen. Verheiratete Frauen ließen sich nicht malen. Damit ist klar, wer auf den Farbholzschnitten dargestellt ist.

Die Decodierung der feinen Andeutungen ist für westliche Betrachter kaum zu entschlüsseln. Und die Texte, zu denen die Bilder Illustration waren, sind in ihrer alten Sprache auch für die modernen Japaner kaum verständlich. Im Voswinckelshof sind die Schriftzeichen übersetzt: Wer diese Ausstellung besucht, schaut nicht nur, er lernt zu verstehen.

Vorläufer der Mangas

Japan im 19. Jahrhundert. Nach Jahrhunderten der selbst gewählten Abschottung öffnet sich das Land. „Die Reise nach Westen“ ist der Titel der Ausstellung, deren Werke von Künstlern stammen, die die Verwestlichung des Landes eher kritisch sahen.

Die Karikaturen eines Utagawa Kuniyoshi (1798 - 1861) fanden wegen ihrer politischen Doppeldeutigkeit reißenden Absatz, ihr Einfluss reicht bis in die heutige Mangakultur. Sie sind im Voswinckelshof ebenso zu sehen wie Bilder des japanischen Kaiserpaars, das sich bei der Eröffnung einer neuen Bahnlinie kaum von Sisi und Franz-Josef unterscheidet.

„Herrenbilder“, politische Propaganda, versteckte Satire. Japanische Farbholzschnitte waren vieles, aber nie „Hochkultur“. 1847 umging Utagawa Kuniyoshi das Verbot, Schauspieler zu zeichnen mit dem Bild „Kritzeleien an einer Häuserwand“. Es sind solche Bildler, die dem heutigen (westlichen) Betrachter einen besseren Zugang zu dieser Kunst eröffnen als je zuvor.

„Die Reise nach Westen“ hilft, diese Kunst zu dechiffrieren. Absolut sehenswert! Vernissage ist am Sonntag, 20. Oktober, 11 Uhr.