Ideen und Muskelkraft gefragt

Bernd Lohse (Projektleiter von RAG Montan Immobilien), Künstler Martin Kaltwasser mit dem Modell „Kraftwerk“, Künstlerin Jeanne van Heeswijk mit „Groundwork“ ( Wanderndes Haus ) und Dezernentin Christa Jahnke Horstmann (v.l.).
Bernd Lohse (Projektleiter von RAG Montan Immobilien), Künstler Martin Kaltwasser mit dem Modell „Kraftwerk“, Künstlerin Jeanne van Heeswijk mit „Groundwork“ ( Wanderndes Haus ) und Dezernentin Christa Jahnke Horstmann (v.l.).
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Im 21. Jahrhundert ist Kunst im öffentlichen Raum mehr als Skulpturen. Jeanne von Heeswijk und Martin Kaltwasser stellten jetzt ihre Mtmachprojekte für den Bergpark vor.

Dinslaken..  International war das Bewerbungsverfahren für die Kunst im Bergpark. Doch um die Konzepte und Projekte, die jetzt letztendlich realisiert werden sollen tatsächlich mit Leben zu füllen, sind die Lohberger selbst mit Ideen und Muskelkraft gefragt. „Mitmachen und anpacken“ lautete die Botschaft der mit Auszeichnungen von Cambridge bis New York überschüttete Niederländerin Jeanne van Heeswijk und des nicht minder weltweit agierenden Martin Kaltwasser am Dienstagabend im Ledigenheim Lohberg an die recht zahlreiche Gruppe der Kunstinteressierten, die sich über die für den Bergpark konzipierte „Choreographie einer Landschaft“ aus erster Hand informieren lassen wollte.

Jeanne van Heeswijk ist auf Projekte als „soziale Skulpturen“ spezialisiert. Weil sie jemand ist, der auf die Menschen zugeht. Mit ihrem Team wird sie in Lohberg leben. Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, um mit ihnen Ideen einer selbst gestalteten Zukunft zu entwickeln. Um ein Unternehmen zu gründen, dass seinen Platz im Bergpark finden und das Arbeitsplätze schaffen soll.

Lebensperspektiven vor Ort als Kunstprojekt. Angesichts der Schlagzeilen, in denen sich der Stadtteil momentan deutschlandweit wiederfindet, bekommt „Groundwork - New Forms of Reciprocity“ eine noch stärkerer Bedeutung. Es kann, ebenso wie das Kaltwassers „Kraftwerk“ , zum Symbol eines sympathischen, weltoffenen Lohbergs werden. Dem medialen Bild der letzten Tage erklärte Kulturdezernentin Christa Jahnke-Horstmann eine klare Absage: .„Wir werden nicht zulassen, dass dies zu einem beherrschenden Thema wird. Die weite Mehrheit der Lohberger ist demokratisch.“

Schweiß alter Bergleute

Jeanne van Heeswijk freut sich, mit den Lohbergern ins Gespräch zu kommen: „Wir treffen uns gerne zum Kaffeetrinken!“ Martin Kaltwasser dagegen fordert den Schweiß alter Bergleute, arbeitsloser Jugendlicher und sportlichen Radfahrer aus der ganzen Gegend. Im Bergpark plant er die Realisation einer Art zweigeschossigen Pavillons ganz aus Materialien, die bei Abrissarbeiten auf dem Zechengelände und im gesamten Stadtgebiet gewonnen werden können. Das Grundkonzept setzt er als Künstler und Architekt, die Ausgestaltung liegt bei den Lohbergern, die sich an diesem Projekt beteiligen. Spannend ist nicht nur die Art des Gebäudes, sondern vor allem die Art, wie es gebaut wird.

Dort, wo ein Jahrhundert lang Energie gleich Kohle war, soll die Versorgung des Gebäudes, eine Akkuladestation für Smartphones und Tablets und vielleicht sogar eine Einspeisung ins Netz allein durch Muskelkraft ermöglicht werden. Das Duo Köbberling/Kaltwasser arbeitet dafür mit dem britischen Ingenieur Colin Tonks zusammen. Dessen trickreiche, teils auch humorvolle Maschinen werden allein dadurch betrieben, dass Menschen in die Pedale treten. Tonks wird in den nächsten Monaten Workshops in Lohberg anbieten. Und deren Ziel wird es auch sein, die Maschinen, die für den Bau des „Kraftwerks“ selbst gebraucht werden, in Gruppenarbeit herzustellen.

Wie sich die beiden Projekte zum Schluss tatsächlich im Bergpark präsentieren werden, liegt ganz an den Lohbergern. Ein Vorschlag eines alten Bergmanns wurde im Ledigenheim schon mit dem Applaus aller belohnt: „Wir können das ‘Kraftwerk’ aus dem Fördergerüst I recyceln. Das ist guter Stahl, und uns bleibt wenigstens eine Erinnerung vor Ort“.

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