„Horrorszenario“ Bahnhof

Viele Interessierte kamen in die Aula des Gymnasiums Voerde. Am Rednerpult: Stefan Ventzke.
Viele Interessierte kamen in die Aula des Gymnasiums Voerde. Am Rednerpult: Stefan Ventzke.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Auf viel Ablehnung stieß die Vorstellung der Bahn-Pläne für den Betuwe-Ausbau in Voerde: Zu wenig Schallschutz, zu wenig Transparenz, zu wenig Sicherheit

Voerde.  Die Vorstellung der Deutschen Bahn, wie im Zuge des Betuwe-Ausbaus mit drittem Gleis einmal der Bahnhof in Voerde aussehen soll, löste bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum Planfeststellungsabschnitt 1.4 (Voerde: Stadtgrenze Dinslaken bis etwa Höhe Grenzstraße) in der Aula des Gymnasiums ein Raunen aus. Schallschutzwände zu allen Seiten würden demnach die Sicht versperren und einen Einblick von außen verhindernd; zwischen den Gleisen noch eine Wand.

Kritik an einem entstehenden Angstraum und fehlenden Sicherheitsempfinden wurde angesichts dieser Aussichten laut.

„Kernbereich einhausen“

Stefan Ventzke, Projektleiter der DB ProjektBau GmbH, erklärte, dass der Bereich videoüberwacht wird, und erläuterte, warum keine transparenten Wände, wie sie die Stadt Voerde auch insbesondere an elf Kreuzungspunkten fordert, für den Lärmschutz in Frage kommen. Die Bahn sei gehalten, „hochabsorbierende“ Wände einzusetzen, diese aber gebe es nicht in transparenter Form. Der Projektleiter verwies zudem darauf, dass der Schall von transparenten Wänden reflektiert werde. Wolfgang Krieg, SPD-Ratsherr, bezeichnete das, was die Bahn für den Haltepunkt vorsieht, als „Horrorszenario“. Eine „entscheidende Verbesserung“ sähe er darin, wenn der Kernbereich des Bahnhofes mit transparentem Material eingehaust und die Mittelwand entfallen würde. Dies sei zu teuer, erwiderte der Vertreter der Bahn.

Auch der Punkt, dass die Lärmschutzwand auf Voerder Stadtgebiet nicht durchgängig auf beiden Seiten von der Bahn angedacht ist, wurde kritisch angemerkt.

So wähnt 1. Beigeordneter Wilfried Limke, dass der Schall durch die fehlende Wand reflektiert und der Lärmpegel dadurch für den ungeschützten Bereich erhöht wird. Eine Befürchtung, die ein Schallschutz-Experte nicht bestätigte. Neben der Sorge um den Schallschutz und um Erschütterungen („Unsere Häuser wackeln jetzt schon“), die für Schäden an Gebäuden verantwortlich gemacht wurden, kam auch das Thema Sicherheit auf der Strecke zur Sprache.

Einer der Zuhörer bemängelte, dass Ventzke in seinem einleitenden Vortrag nicht ein Wort dazu gesagt habe. Die Bahn sei mit der Feuerwehr in Gesprächen, was etwa das Thema Rettungswege angehe, so der Bahn-Vertreter. Eine Zuhörerin, Mitglied der Voerder „BI Betuwe“, verwies auf Gefahrgut-Transporte. Sie wolle das Szenario nicht weiter ausmalen, wenn es zu einem Unfall kommt.

Ein weiteres strittiges Thema bei der Infoveranstaltung: die von der Bahn vorgesehene ersatzlose Streichung des Bahnübergangs Schwanenstraße. SPD-Ratsherr Krieg argumentierte, dass damit die städtische Entwicklung erheblich eingeschränkt wird. Auch verwies er auf die Anwohner, die vom Wegfall der Zufahrt in Richtung Innenstadt betroffen wären.

Offenlage der Pläne ab 22. Oktober

Ab dem 22. Oktober bis zum 21. November können Bürger im Voerder Rathaus Einsicht in die Unterlagen zum Planfeststellungsabschnitt 1.4 nehmen. Danach ist bis zum 5. Dezember Zeit, Einwendungen abzugeben. „Nur wenn jeder Betroffene wirklich seine Sorgen formuliert, wird es einen qualifizierten Erörterungstermin geben“, appellierte Bürgermeister Leonhard Spitzer, davon Gebrauch zu machen. Mit dem Baustart rechnet die Bahn – abhängig vom Verlauf des Planfeststellungsverfahrens – in 2015. Der Bau wird Auswirkungen auf den Bahnverkehr haben. „Es werden weniger Züge auf der Strecke fahren“, so Ventzke.