Herbert und die Männer ohne Nerven

Herbert Knebels Affentheater brachte das Publikum im Burgtheater zum Rasen.
Herbert Knebels Affentheater brachte das Publikum im Burgtheater zum Rasen.
Foto: FUNKE Foto Services
Knebels Affentheater erobert die Herzen der Dinslakener im Sturm. Ein fulminantes Programm an zwei Abenden zum Auftakt des Dinslakener Fantastivals.

Dinslaken.. Es kam wie es kommen musste: Es ist Fantastival, das Burgtheater ist voll, und auf der Bühne wird ein fulminantes Programm präsentiert. Die vier Jungs von Deutschlands bekanntester Rentnerband waren der Garant für diesen gelungenen Auftakt. Und das hoch zwei, denn Herbert Knebels Affentheater gastierte gleich an zwei Abenden mit dem aktuellen Programm „Männer ohne Nerven“.

Man kennt sie ja, die Geschichten von Herbert und seiner Guste. Man glaubt, da kann nichts Neues mehr kommen, doch Herbert wäre nicht Knebel, wenn nicht doch noch etwas gehen würde. In diesem Fall sind es die Geschichten vom Nichtschwimmen-Können seiner Frau und von einem gemeinsamen Besuch eines neu eröffneten indischen Restaurants.

„Ich wusste gar nicht, wie gut die Guste tauchen kann“ kommentiert Knebel die unfreiwillige Badeeinlage seiner Frau. Eigentlich waren sie im Stadtbad nur, um zu duschen, weil die Stadtwerke ihnen das Wasser abgedreht hatten. Doch Herbert beförderte seine Gattin mit einem Schubser ins Becken. Mit seiner charmanten Art, seine Frau zu beschreiben, hat Herbert Knebel das Dinslakener Publikum im Sturm erobert. Noch amüsanter und schärfer ist sein Bericht vom Besuch im neu eröffneten indischen Restaurant. Nicht aus Neugierde, sondern weil es einen saftigen Rabatt gibt, besuchen Herbert und Guste das Restaurant. Zum Brüllen findet das Publikum die Folgen, die Guste zu tragen hat, weil sie von Herberts Teller („mach‘ sauscharf“) nascht. Am Ende sucht sie sogar im Hundewassernapf Linderung.

Das Quartett schwelgt in Erinnerung, aber nicht nach dem Schema “früher war alles besser“. Ganze Wochenende verbrachten sie in der Eisdiele, auch um Eis zu essen, aber vor allem um Kontakt mit dem anderen Geschlecht zu bekommen, und weil dort eine Juke-Box stand. Wie Herbert Knebel sagt: „ein 100 Kilogramm schwerer iPod“, mit Singles, „also allein stehenden Schallplatten“. Es sind auch Geschichten vom Scheitern, weil man das Mädchen, das man anhimmelte, nicht bekommen hatte. Aber man lässt sich nicht unterkriegen. Niemals. Und das soll auch im Alter so sein. Man will nicht ins Seniorenheim, man will eine Seniorenwohngemeinschaft, wie früher in den Kommunen soll es sein, freie Liebe, berauschende Feten und vor allem viel Musik. Ein Leben, das selbstbestimmt ist.

Durch das ganze Programm zieht sich das Thema Nerven. Zu Beginn hat der Trainer Nervenflattern, beruhigt sich aber schnell, nach den ersten Schlägen auf seinem Schlagzeug, Das Thema wird durchgespielt. Wenn der Trainer seinen Kollegen Ozzy mit seinen Fragen bis zur Weißglut bringt, oder im Lied über die Fahrt mit dem Regionalexpress, dort sei noch ein Nervenkitzel zu erleben.

Es ist die Mischung, aus Kabarett-Einlagen und rockigen Liedern, die beim Publikum ankommt – das seit fast dreißig Jahren. Das Affentheater macht das, was die Leute kennen und wollen, sie scheuen sich nicht davor, sich zum Affen zu machen. Von Anfang an präsentieren sie immer wieder sehr gut umgesetzte Musikanleihen, von Bob Dylan über R.E.M. bis Queen.

Die Melodien kommen einem sofort bekannt vor, man überlegt, welches Lied musste nun herhalten, für die Knebelschen Wortschöpfungen. „We will rock you“ von Queen („Wir tun euch jetzt rocken”) ist dabei, ein Lied von Bob Dylan, „Born to be wild“ („mit 60 auf dem Moped“).

Genial, was Knebel, Ozzy Ostermann (Gitarre), der Trainer (Schlagzeug) und Ernst Pichl (Bass) aus einem Lied von R.E.M. gemacht haben: eine Hymne auf die Currywurst.

Anders als Grönemeyer, aber genauso gut. Mit Leidenschaft wird das geliebte „Phosphatgeschoss“ besungen: „Die Currywurst mit Curry dran, das ist es was man hier gut kann“, „du Fleisch im Darm, du hast viel Charme“. Und dann fällt der Groschen, hier musste das R.E.M. Lied „Imitation of Life“ herhalten. Wunderbar.

Natürlich durfte das Affentheater nicht ohne Zugabe das Burgtheater verlassen. Und dabei setzte das Quartett noch einen drauf: Knebel als Elvis Presley im weißen Hosenanzug und aus „Forever Young“ wurde „Von innen jung“. Dann war Schluss. Aber, Nerven behalten, sie kommen bestimmt noch einmal wieder.

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