Größer, länger, gigantischer

Punkrock und Konfetti-Glitzer: Die Dritte Wahl feierte 25 Jahre kritische Klänge aus Rostock.
Punkrock und Konfetti-Glitzer: Die Dritte Wahl feierte 25 Jahre kritische Klänge aus Rostock.
Foto: Bettina Schack
Das Ruhrpott Rodeo hat sich zu Deutschlands Punkrock-Festival Nummer 1 gesteigert. Drei Tage lang geben sich illustre Namen wie Bad Religion, Cock Sparrer, Pennywise und Turbonegro in Hünxe die Ehre

Hünxe.  Der Weg zur Bühne ist nicht steinig, er ist schlammig. Der Dauerregen hat das Festivalgelände an der Schwarzen Heide aufgeweicht. Und das beim inzwischen größten Punkrockfestival Deutschlands. Oder positiv ausgedrücket: Der Donnerstag brachte den denkbar feuchtfröhlichsten Beginn des gigantischsten Ruhrpott Rodeo aller Zeiten: Drei Tage, zwei Bühnen, ein Line-up auf Weltklasseniveau. Ein Festival, das sich unter den Besuchern nur eine nur bedingt verständliche Kritik gefallen lassen musste: „zu“ professionell..

Fabian schaut auf die Matten vor der Bühne, der einzige Ort, an dem man wirklich festen Boden unter den Füßen hat, auf die Wellenbrecher, die den erwarteten 7.500 Besuchern Stand halten sollen. „Es entwickelt sich zu einem Mainstream-Festival.“ In der Größe, im weiter gestreuten Interesse, das vor allem die amerikanischen Punkbands erwecken. Fabian war bis jetzt jedes Jahr dabei. In diesem Jahr, um zu sehen , ob er das nächste Mal wiederkommen möchte. Für ihn zählt das Festival als solches, welche Bands auftreten, ist ihm beinahe egal. Punk ist Lebensgefühl, beim Ruhrpott Rodeo erlebt man es pur.

Denn der Argwohn, das Professionalität gleich Reglementierung oder Mainstream ist, ist so alt wie die Szene selbst. Klar ist es schade, dass der Rodeobulle und die Gastronomie von der Hauptbühne getrennt sind. Dafür ist das Essensangebot vor allem für die vielen Vegetarier deutlich erweitert worden. Lange Schlangen an diesen Ständen sagen deutlich „Danke“.

Wirklich gigantisch ist die Bühne an neuer Stelle. Vor allem die Lightshow samt glitzerndem Konfettiregen bei Dritte Wahl war erste Wahl. Seit über 25 Jahren machen die Rostocker kritischen, deutschsprachigen Punk. Fürs Ruhrpott Rodeo gruben sie ein paar selten gespielte Stücke aus, teils noch aus der Zeit vor dem Mauerfall. Ihr eigener aktueller Favorit: „Ich möchte fliegen ganz weit oben überm Meer....“. Die Menge singt den Refrain mit, wiederholt ihn immer wieder, möchte die Show nicht enden lassen wollen. Festivalstimmung, 100 Prozent Zielgruppe. Tragedy, die im Anschluss ihren hammerharten Hardcore über die Schwarze Heide prügeln, ziehen merklich weniger Fans an.

Respektlos, ironisch

Die Dritte Wahl stellt klar, der Grund für das merklich bessere Wetter zu sein. Tatsächlich haben sich Silberstreifen am Horizont eingestellt. Dabei hätte die Sonne genauso schon bei Jaya the Cat lachen können. Aber die Ska-Rhythmen der Holländer lassen auch den fiesesten Nieselregen vergessen. Wer campt, könnte auch ein Wellness-Wochenende mit Schlammpackungen gebucht haben. Und wer hat das beste Mittel gegen die Matsche, die mal Rasen war? Die Schweizer! Ferdinand und Paul aus Emmenthal zeigen ihre Armeestiefel vor, unter diesen Bedingungen noch nützlicher als Schweizer Offiziersmesser. „Alle, die wir mit solchen Schuhen bislang hier getroffen haben, waren auch Schweizer“, so Paul über die internationale Zugwirkung des Festivals. „aber viele halten uns hier für Holländer – wegen des Akzents“.

Und dann kommen die „Bullen.“ Um Himmels Willen, verhaltet euch ruhig. Wir wollen doch hier keine Ausschreitungen“. Keine Sorge, alles nur Teil der Show. Die Band im Polizisten-Outfit nennt sich „Die Bullen“ und steht für das Ruhrpott Rodeo, wie es auch den letzten Argwöhner unter den Punks überzeugen sollte: Respektlos, ironisch. Ihren Auftritt hat das Quartett auf der kleinen Bühne, die zuvor von „Kassierer“ Wölfi Wendland feierlich eröffnet wurde.

Drei Tage Rodeo auf der Schwarzen Heide. Die Party hat begonnen.

Am Samstag, 31. Mai sind Cock Sparrer (Mitternacht) und Turbonegro (22.30 Uhr) die Headliner. Die Bühnenshows beginnen um 13 Uhr. Tickets gibts an der Abendkasse.

 
 

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