Gitarren, Geigen, Genesis

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Dinslaken..  Ray Wilson im Ledigenheim. Es war das Konzert-Highlight, das der Aufdruck auf den Tickets versprach. Für Fans klassischer Unplugged-Konzerte. Für Fans von Singer-Songwritern, die sich mit exzellenten Musikern umgeben und ihrer Spielfreude auf der Bühne in keinerlei stilistische Schranken weisen. Für alle, die in Rocksongs Nähe zur Klassik finden können, die sich in melancholischen Violinenklängen verlieren können und im nächsten Moment den Backgroundchor für den einzelnen Mann mit der Gitarre vor ihnen bilden. Für alle, für die Folk und Jazz gleichermaßen Qualität besitzt. Und, ach ja, das Konzert am Freitagabend war sicher auch ein Highlight für Genesis-Fans. Sie hörten viele ihrer Lieblingssongs und manches mehr, das zwar vielleicht nicht so hitverdächtig und chartskompatibel war wie die Musik der englischen Supergruppe, aber sich durchweg durch Substanz auszeichnete.

„Genesis classic“ hieß das Programm, das er in Quintettbesetzung präsentierte, angelegt an eine Produktion mit großem Orchester. Aber Ray Wilson hat mehr drauf, als bekannte Pop-Nummern in neuen Arrangements zu singen. Und ebenso können seine Musiker mehr, als einfache Unplugged-Arrangements einschmeichelnd zu umspielen. Da ist Steve Wilson, der ältere der beiden Wilsons und mit Ray seit Schulzeiten musikalisch aktiv. Die beiden stehen für gute Singer-Songwriter Tradition. Davon gibt es viel im Ledigenheim. Dazu gehört aber neben den eigenen Songs auch Wilsons Version von „In the air tonight“, das er ganz alleine nur mit seiner Akustikgitarre beginnt. Für den Bombast des Stückes ist das Publikum verantwortlich: Als riesiger Backgroundchor und sogar als Echo-Effekt.

Rockige Klänge mit Stiltskin-Hit

Denn die anderen Musiker am Bösendorfer-Flügel des Ledigenheims aus dem 19. Jahrhundert, an den beiden Violinen und im Wechsel an Querflöte und Saxophon wären auf Dauer zu schade, nur die Poparrangements zu komplettieren. Zu den musikalisch stärksten Momenten des Abends gehören Jazz-Improvisationen auf dem Saxophon, getragene, vom Klavier begleitete Violinduette, moderne Grenzgänge zwischen Klassik und Folk. Sogar Swing und eine humorvolle Countrynummer sind dabei. Gründe genug für das Publikum, bei diesen Stücken ebenso zu jubeln wie bei den erwarteten Hits wie „Land of Confusion“, „Another day in Paradise“ und „Mama“.

Und dann gibt es ja noch so einen Hit, mit dem Ray Wilson immer verbunden bleiben wird: Nachdem die beiden Violinistinnen Vivaldis „Winter“ über den Saal hereinbrechen ließen, schlägt das Quintett mit „Inside“ die rockigsten Töne des Abends an. Richtig: Anfang der 90er Jahre, die Levis-Werbung. Stiltskin. Auch das war Ray Wilson.

Zum Schluss hält es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen. Beim nächsten Konzert in der Region wird es ebenfalls stehen. Am 18. Juli tritt Ray Wilson auf dem Stadtfest in Duisburg auf.

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