Gemixte Bilder im Fluss der Musik

Till Rohmann und Ronni Shendar (re) mixen Klänge und Bilder
Till Rohmann und Ronni Shendar (re) mixen Klänge und Bilder
Foto: WAZ FotoPool
Der Musiker Glitterbug und die Medienkünstlerin Ronni Shendar gaben ein Clubkonzert im Kunstkiosk 422 als Auftaktveranstaltung für ihre bis zum 29. Juli zu besichtigende Installation „Passages“

Dinslaken.  Langsam, aber mit sanftem Druck legen sich die Beats unter diesen pulsierenden Synthesizersound, der in seiner Endlosschleife durch minimale Änderungen organisch, lebendig erscheint. Es ist diese Art von elektronischer Musik, die Assoziationen weckt, die Bilder im Kopf erzeugt, die getanzt werden will. Um den Raum in einen Club zu verwandeln, ist an diesem Abend nicht das richtige Publikum da. Obwohl an diesem Ort schon alles gemacht wurde: Kunst, Kino, Rockmusik, Poetry Slam, Bonbons verkauft. Die Möglichkeiten des Kunstkiosk 422 sind so vielfältig groß, wie die Bude an der Hünxer Straße klein ist. Till Rohmann aka Glitterbug dreht an den Reglern des Mischpults. Ein neuer Sound, eine neue Stimmung. In der Überlagerung ein neues Bild.

Es sind keine Bilder im Kopf, die hier im Kunstkiosk von jedem Einzelnen entdeckt werden müssten. Sie sind da, hinten an der Wand zwischen den Lautsprecherboxen. Blau eingefärbte Gebirgsmassen in Überblendung, Makroaufnahmen aus der Natur, Möwen, prasselnde Regentropfen in einer Pfütze und abgetakelte Frachtschiffe auf dem Meer . Erst wenn man ein einzelnes Bildelement im neuen Kontext wiedererkennt, wird einem klar, was Ronni Shendar mit ihrem Mixerpult und Laptop macht. Im Fluss der Musik mischt sie Bilder, schneidet sie im Rhythmus der Beats, wiederholt, setzt neu zusammen. Live komponiert sie ihre Filmsequenzen mit der gleichen Arbeitsweise und den gleichen elektronischen Hilfsmitteln, wie es neben ihr Till Rohmann mit seinen Soundmodulen macht.

Musikvideo als Installation

Normalerweise wird zu diesen Shows in Clubs und auf Festivals getanzt. Im Kunstkiosk redet das Duo, das auch das deutsch-israelische c.sides Festival für elektronische Musik und kritische Medienkunst gründete, über seine Arbeit.

Und zeigt bis zum 29. Juli das Musikvideo „Passages“. Das Stück stammt vom Glitterbug-Album „Cancerboy“, es führt an den Zwischenort der Erinnerung an tote Freunde. Ronni Shendar verknüpft die Musik mit Bildern bewohnter Geisterschiffe.

„Elektronische Clubmusik muss nicht immer nur Verdrängung sein“, erklärt Rohmann. Die Grenzen sind fließend, wie in der Musik und den bewegten Bildern selbst. „Passages“ ist im Kiosk als Installation auf verschiedenen Monitoren zu sehen.

 
 

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