Gegen Vergessen - Für Toleranz

So sah die Neustraße nach der Zerstörung Dinslakens am 23. März 1945 aus.
So sah die Neustraße nach der Zerstörung Dinslakens am 23. März 1945 aus.
Foto: NRZ
Dinslaken gedenkt in zahlreichen Lesungen, Stadtführungen, Gedenkfeiern und anderen Aktionen der Opfer des Nationalsozialismus.

Dinslaken..  Es war ein kalter Wintertag, der 22. Januar 1945, die Luft war klar, der Himmel blau. Es hatte geschneit. Gegen 13.30 Uhr brach das Inferno über Lohberg herein, warfen Bomber der Alliierten ihre Last über dem Ortsteil ab. 85 Zivilisten fielen den schweren Angriffen an diesem einen Tag zum Opfer.

2013 ist ein historisch bedeutsames Jahr auch für die Stadt Dinslaken, so Christa Jahnke-Horstmann, bei der Vorstellung des Veranstaltungsflyers im Museum Voswinckelshof. Vor 80 Jahren übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland, zum 75. Mal jährt sich die Reichspogromnacht. Jahre des Schreckens, die in Dinslaken in die Zerstörung am 23. März 1945 mündeten.

Fast ein halbes Jahrhundert wurde seitdem hier an der Aufarbeitung jener Zeit gearbeitet und geforscht. „Diese Stadt schaut nicht weg“, lobte daher Holocaustüberlebender Fred Spiegel bei seinen Besuchen in der alten Heimat. Über das ganze Jahr hinweg werden zahlreiche Akteure mit unterschiedlichen Aktionen „erinnern, aufarbeiten, neue Sichtweisen einbringen und Handlungs-Spielräume eröffnen“ und auf diese Weise Toleranz fördern.

Höhepunkte der Veranstaltungen, so Stadtarchivarin Gisela Marzin, werden sicherlich der Vortrag von Professor Ludger Heid sein, der die Rolle der Reichsbahn bei der Deportation der jüdischen Mitbürger beleuchtet, der Film von Adnan Günter Köse über Fred Spiegel (8. Mai) sowie die Ausstellung (21. April bis 9. Juni) „Zur jüdischen Geschichte, zu Jeanette Wolff und Fred Spiegel“ im Museum sein. „Eine tolle Ausstellung“, verspricht Museumsleiter Dr. Peter Theißen. Es wird einen Gedächtnisraum mit den Namen der von den Nazis ermordeten jüdischen Bürger geben, außerdem führt eine 3-D-Simulation durch die jüdische Synagoge und das Waisenhaus. Die moderne Technik macht’s möglich. Auf Dinslaken bezogene Interviewausschnitte mit Holocaustüberlebenden, die nach den Richtlinien der Shoah-Foundation geführt wurden, können an neuen Multimediastationen gehört werden. Auch Filme, in denen Überlebende wie Fred Spiegel zu Toleranz aufrufen, werden gezeigt.

Nicht in der Vergangeneheit stehenbleiben, Perspektiven für die Erinnerungskultur in der Zukunft entwickeln – auch darum geht es in diesem Jahr. So werden französische Kriegsveteranen aus der Partnerstadt Agen an der Gedenkfeier zum „schwärzesten Freitag“ der Dinslakener Geschichte am 23. März auf dem Parkfriedhof teilnehmen. Mitglieder der jüdischen Gemeinde Agens sind am 10. November zur Gedenkfeier am Mahnmal im Park dabei. Das Denkmal von Alfred Grimm wird im übrigen in diesem Jahr 20 Jahre alt.

 
 

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