Gaspipeline bereitet Sorge

So könnte es aussehen, wenn die Bauarbeiten für die neue Gaspipeline begonnen haben.
So könnte es aussehen, wenn die Bauarbeiten für die neue Gaspipeline begonnen haben.
Foto: privat
Die geplante Leitung „Zeelink II“ wird in Voerde den Rhein queren. Deichkörper soll dabei nicht angetastet werden. Bevorzugte Trasse führt auch durch Drevenack.

Voerde/Hünxe..  Es ist das größte Einzelprojekt im Netzentwicklungsplan Gas der Bundesnetzagentur. Mit Zeelink soll ab 2021 die Versorgung von Millionen Haushalts-, Gewerbe- und Industriekunden mit Erdgas gesichert werden. Die geplante Erdgasfernleitung mit einer Länge von rund 215 Kilometern reicht von der belgisch-deutschen Grenze bei Lichtenbusch über Sankt Hubert bei Krefeld bis nach Legden bei Ahaus. Dabei führt die bevorzugte Trasse auch durch Gebiete der Stadt Voerde und der Gemeinde Hünxe. In den jeweiligen Planungs- und Umweltausschüssen der beiden Kommunen stellten jetzt Technik- und Umweltexperten der Firma Open Grid Europe GmbH, zu 75 Prozent Partner in dem Projekt (25 Prozent Thyssengas), den aktuellen Stand vor und beantworteten Fragen.

Derzeit befinde sich Zeelink II vor dem Raumordnungsverfahren, erklärten in Hünxe Projektleiter Carsten Schulze und sein Stellvertreter André Graßmann. Die Umstellung von L-Gas auf H-Gas (höherer Methangehalt) sei notwendig wegen der bis zum Jahr 2030 um etwa 90 Prozent zurückgehenden Erdgasfördermengen in Deutschland und in den Niederlanden.

Bei der Untersuchung der Trassenführung, an der die Kommunen und die Träger öffentlicher Belange beteiligt würden, werde ein „möglichst geradliniger Verlauf“ angestrebt unter Berücksichtigung von Natur- und Landschaftsschutz. „Wir werden Wasserschutzgebiete meiden und Bergbausenkungsgebiete beachten.“

Nach der von Open Grid Europe bevorzugten Variante würde die Trasse auf Voerder Gebiet einen Korridor von insgesamt 600 Hektar umfassen und wie folgt verlaufen: Nach Querung des Rheins in Ork beginnend, würde Spellen halbkreisförmig zunächst westlich, dann nördlich umfahren. Östlich des Stadtteils verlaufe die Trasse kurz parallel zu einer 380-kV-Höchstspannungsfreileitung, dann nördlich von Stockum und – nach Querung der Bahnstrecke – weiter parallel zur vorhandenen Öl- und Gasleitung. Danach werde das Gewerbegebiet (Kiwitt) südlich umgangen und dann Hünxe erreicht.

Voerdes Planungsdezernent Wilfried Limke forderte, dass die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen nicht irgendwo, sondern auf Voerder Gebiet erfolgen müssten. Mit Blick auf die geplante Rheinquerung bei Ork äußerte er die Sorge, dass der dort neu gebaute Deich Schaden nehmen könnte. Wie Open Grid Europe gestern auf NRZ-Nachfrage erklärte, wird der Fluss voraussichtlich mit einem Bohrverfahren unterquert, das vor dem Deich bzw. dahinter seine Start- bzw. Zielgrube habe. „Der Deichkörper wird nicht angetastet“, so Pressesprecher Helmut Roloff. Genauere Aussagen dazu gebe es erst im späteren Verfahren.

Bei der späteren Feintrassierung strebt Open Grid Europe an, dass die Leitung vorrangig in landwirtschaftlichen Flächen verlegt wird. Die Rohre liegen in einem Schutzstreifen. Dort sei vollumfänglich eine landwirtschaftliche Nutzung möglich. Nur tiefwurzelnde Pflanzen dürfen nicht angepflanzt werden. Zudem dürfen im Schutzstreifen keine Bauten errichtet werden.

Die Gemeinde Hünxe ist mit 760 Hektar im Norden von Zeelink II betroffen. Ein Stück der favorisierten Trasse wird durch Drevenack führen, zwischen der Autobahnbrücke der A3 und Haus Schwarzenstein durch die Lippewiesen. Sie führt weiter durch das Hunsdorf, quert die B 58 Richtung L 1 (Postweg), folgt weiter dem Lehmweg zum Drevenacker Wachtenbrink hin. „Unser Vorzugskorridor, wir beschneiden keine FFH-Gebiete“, so die Herren von Open Grid Europe. Die Idee müsse von der Bezirksregierung bestätigt werden.

Einzelne Kritik aus der Politik und von Bürgern, es sei über Zeelink bisher nicht ausführlich informiert worden, trat Carsten Schulze im Hünxer Planungs- und Umweltausschuss entgegen. „Wir können bei 215 Kilometern Trasse nicht in jeden Ort gehen.“ Für das Frühjahr 2017 versprach er einen Dialogmarkt in Hünxe (wie jüngst in Schermbeck). „Wir nehmen gern Hinweise der Bürger auf und sprechen direkt mit den Eigentümern. Wir wollen keine Probleme bekommen.“ Ob es auch in Voerde eine Veranstaltung geben wird, ist offen. Nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens soll geprüft werden, ob dies angeboten wird. Warum H-Gas nicht durch vorhandene Leitungen fließen könne? Schulze: „Der Brenner ist dafür nicht ausgelegt, Gas kann nicht gemischt werden, wir brauchen neue Anschlüsse für die Umstellung.“ Und er fügt hinzu: „Die Sicherheit der Leitungen ist zu 100 Prozent gegeben.“

Zeelink im Überblick

Die Rohreinzellänge beträgt 18 Meter, der Nenndurchmesser einen Meter. Die Erdüberdeckung liegt bei mindestens einem Meter. Bei einer Baubreite von 38 Metern gibt es einen Zehn-Meter-Schutzstreifen.

Der Zeitplan: 2016 Raumordnungsverfahren, 2017 - 2018 Planfeststellungsverfahren, 2019 - 2020 Bauphase, März 2021 Inbetriebnahmen, Vor-Ort-Bauzeit rund zwei Monate. Investitionsvolumen: rund 600 Mio. Euro.

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