Folk mit Dudelsack, Gitarren und zum „Mitzwitschern“

Dinslaken..  Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Eine Binsenweisheit, aber im Twitterzeitalter ein heißer Tipp. Wer nämlich am Freitagabend um kurz nach sieben Uhr entweder auf dem Smartphone oder einfach auf die große Leinwand im ND-Jugendzentrum einen Blick auf den Tweet unter dem Hashtag #20p9 warf, wusste, dass er oder sie als Teil des Publikums den Beginn des Geburtstagskonzerts von Pont Neuf selbst bestimmen konnte: Volker Bellingröhr, Thomas Baumann und Stefan Lücking warteten auf rhythmisches Klatschen, um a capella mit „Pay me my money down“ den Abend auf der Bühne zu eröffnen, auf der vor 20 Jahren alles begann.

Zwei Jahrzehnte, keine lange Zeit für eine Band, deren Konzept Lieder in sieben Sprachen aus sieben Jahrhunderten ist. Aber macht man sich nichts vor, die Welt ist nicht mehr die von 1996. Damals forderte Stefan Lücking zum Beispiel die Anwesenden im ND-Jugendheim auf, während des Auftritts nicht zu rauchen. Das wäre heute beides unmöglich. Denn das Rauchen ist in geschlossenen Veranstaltungsräumen verboten und die Moderationen von Volker Bellingröhr unterbricht höchstens Thomas Baumann. Und mal ehrlich, dass es bei einem Konzert im ND-Heim Grußworte vom Vorsitzenden eines erfolgreichen Dinslakener Shanty Chores und eines Bürgermeisters geben würde, der im Anschluss selbst zur Gitarre greift, hätte man sich damals auch nicht träumen lassen. Dr. Michael Heidinger sang mit Samirah Al-Amrie „Summer Wine“ - eine der Überraschungen im Jubiläumskonzert.

Auch das ist 2016, und das Trio mit Dudelsack und Drehleier mag das digitale „Gezwitscher“, „Tweets sind meistens so sinnlos – deshalb passt das so gut zu Pont Neuf“. Auf der anderen Seite lernten die Leser, dass Baumann auf Altgriechisch der Oikodomon ist. Dazu passt es, wenn der Oikodomon mit der All-Star-Band „What shall we do with the drunken Sailor“ auf Latein singt.

Es ist gerade diese Mischung aus urwüchsigem Irish Folk und sanften Chansons, mehrstimmigem Gesang und Ausdruckstanz, geistreichen Anspielungen und hemmungsloser Blödelei, die Pont Neuf seit 20 Jahren unverwüstlich macht. Nach der Pause erschien das Trio in Trikots, die der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft entlehnt waren und vollführte einen niederrheinischen Haka mit „Rabimmel, rabammel, rabumm“. Man gedachte dem Namenstag des Hl. Kevin, natürlich der armen „Molly Malone“ und den zehn Kneipen, die in beängstigender Serie nach Pont-Neuf-Auftritten geschlossen wurden.

Zum Schluss wird das Publikum zur All-Star-Band, das Konzert zur Mitmach-Session. „2036 treffen wir uns wieder hier“, verspricht Volker Bellingröhr unter Applaus.

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