Fachmärkte nicht willkommen

Viele Fachmärkte wollen nicht in die City - zu kleine Ladenflächen.  Foto:Heinz Kunkel Honorarpflichtig
Viele Fachmärkte wollen nicht in die City - zu kleine Ladenflächen. Foto:Heinz Kunkel Honorarpflichtig
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Dinslaken.. Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Betreiber eines großen Sport-Fachmarktes und wollten sich in Dinslaken niederlassen. Dann hätten Sie schlechte Karten.

Denn die Dinslakener Stadtverwaltung sieht es nicht gerne, wenn sich Verbraucher- oder Fachmärkte außerhalb des Stadtzentrums, etwa in einem Gewerbegebiet, ansiedeln. Das schadet der Innenstadt, heißt das dann ins Feld geführte Argument, zuletzt gehört bei dem Ansinnen, im Gewerbegebiet Mitte einen Verbrauchermarkt (Kaufland) und einen Fachmarkt anzusiedeln (die NRZ berichtete).

Doch insbesondere solche Einzelhandels-Ansiedlungen zieht es eben nicht in Innenstadtlagen: Wer Sport-, Büro- Elektro- oder sonstige Artikel verkauft, benötigt häufig große Verkaufs- und eventuell Lagerflächen (wenn zum Beispiel ein Online-Handel angeschlossen ist). Zudem benötigt er viele Parkplätze, damit Kunden größere Artikel wie Matratzen, Zelte oder Fernseher gleich ins Auto laden können. Und natürlich will der Fachmarkt-Betreiber keine hohen Innenstadt-Mieten zahlen (insbesondere nicht, wenn er einen angeschlossenen Versandhandel betreibt).

Die derzeitige Einstellung der Stadtverwaltung führte momentan wahrscheinlich dazu, dass sich zum Beispiel ein Sport-Discount-Markt nicht in Dinslaken niederlassen würde, weil er nicht in die Innenstadt will und nicht ins Gewerbegebiet darf.

Die Einstellung der Stadtverwaltung erfährt aus der Politik zunehmend Gegenwind. In seiner Dezembersitzung beschloss der Rat der Stadt mit breiter Mehrheit, in ein erwartetes Einzelhandelskonzept einzuarbeiten, dass sich im Gewerbegebiet Mitte auch Fachmärkte ansiedeln dürfen (Fachmarktzentrum).

Niederlage vor
dem Verwaltungsgericht

So lange die Stadtverwaltung nicht in ein Einzelhandelskonzept gießt, wo und - vor allem - aus welchen Gründen welche Art von Handel erlaubt ist, bewegt sie sich mit ihrer ablehnenden Haltung auf dünnem Eis. Und bricht das eine oder andere Mal ein - zuletzt noch am 24. März.

Da urteilte das Verwaltungsgericht in Düsseldorf, dass die Stadt einem Grundstückseigentümer eine Bebauungsgenehmigung erteilen muss, die sie eigentlich nicht erteilen wollte. Es geht um die Ansiedlung eines „Einzelhandelsgeschäftes mit Waren aller Art einschließlich Lebensmitteln“ (1100 Quadratmeter, 102 Stellplätze) im Gewerbegebiet Süd. Nach NRZ-Informationen möchte sich dort ein Aldi-Markt ansiedeln, die Stadt wollte das verhindern. In der Begründung weist das Gericht das Argument der Zentrenschädlichkeit zurück. Eine Ohrfeige für die Verwaltung, die sich weitere einfangen könnte, wenn mehr Grundstückeigentümer klagen.

 
 

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