Eine Fassade voller Hanf

An der Agnesstraße steht das erste Haus, an dem Volker Goldmann Dämmplatten aus Hanf angebracht hat.
An der Agnesstraße steht das erste Haus, an dem Volker Goldmann Dämmplatten aus Hanf angebracht hat.
Foto: Gerd Hermann
  • Seit Jahrtausenden wird der nachwachsende Rohstoff eingesetzt
  • Neuerdings werden daraus auch Dämmplatten hergestellt
  • Malermeister Volker Goldmann aus Dinslaken setzt sie ein

Dinslaken..  Wenn das Wort Hanf fällt, denken die meisten natürlich an Drogen, an Haschisch oder Marihuana. Doch Hanf ist ein Naturstoff, der seit Jahrtausenden verwendet wird. Für die Herstellung von Bekleidungsstücken, Nahrungsmitteln und Arzneien. Und seit über einem Jahr können mit diesem Material auch Fassaden gedämmt werden. Malermeister Volker Goldmann hat nun zum ersten Mal Platten aus dem nachwachsenden Rohstoff angebracht.

Üblicherweise werden bei der Fassadendämmung Platten aus Styropor verwendet. Seit einigen Jahren setzt Goldmann, der seit 20 Jahren als Malermeister selbstständig ist, dieses Material nicht mehr ein. Bei einem Hausbrand schmelzen die Platten und es entwickeln sich giftige Dämpfe. Und neuerdings gibt es bei der Entsorgung Probleme, da Styropor als Sondermüll eingestuft worden ist. Der einzige Vorteil sei der Preis, sagt Goldmann.

Anders sieht es bei den Platten aus Hanf aus. Bei der Entsorgung habe man keine Probleme, weil es ein natürlicher Rohstoff sei. 2015 habe eine Firma die Dämmplatten aus Hanf auf den Markt gebracht. Da viele Hanf mit Drogen verbinden, sei es ein guter Aufhänger, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, hat Goldmann festgestellt. Es handele sich um eine spezielle Züchtung, versichert der 51-Jährige. Rauchen könne man das Material, das nach Heu riecht, nicht.

Der Besitzer eines Hauses an der Agnesstraße hatte bislang eine Dämmung aus Styropor. Als diese erneuert werden sollte, schlug ihm Volker Goldmann die Hanf-Dämmung vor. Bei der Anbringung gebe es keinen Unterschied zu Platten aus Styropor. „Sie werden geklebt und gedübelt“, erklärt Goldmann. Sie sind unterschiedlich dick, von zwei bis 20 Zentimetern. Bearbeitet werden sie mit speziellen Sägen und Bohrern. Sind die Platten montiert, könne „ganz normaler Putz“ aufgetragen werden, erläutert der Dinslakener Malermeister. Ein Manko hat dieser Dämmstoff aber doch. Er ist dreimal so teuer wie eine herkömmlich Dämmplatte.

Vor 20 Jahren hat sich Volker Goldmann selbstständig gemacht, hat den Betrieb von seinem Vater übernommen. Er habe sich nach und nach auf ökologisches Arbeiten spezialisiert, setzte auf Nachhaltigkeit. Mit der Zeit habe er Farben und Lacke, die große Mengen an Lösemitteln enthalten, durch andere Produkte ersetzt. Bei seinem Vater habe er gesehen, wie Lösungsmittel auf die Gesundheit schlagen. Deshalb habe er sich überlegt, ob es nicht andere Materialien gibt. Da er mit Architekten aus Dinslaken Projekte durchführte, bei denen umweltschonende Farben und Lacke verwendet wurden, sei die ganze Sache gewachsen. Allerdings war es kein Selbstläufer. Die Kunden hatten Vorbehalte, mussten überzeugt werden. Es sei zu teuer, tauge nichts. Goldman hat dann gezeigt, dass es nicht so nicht.

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. So werden Bogensehnen wegen ihrer Robustheit aus diesem Material hergestellt.

Auch für die Papierherstellung wird Hanf verwendet. Johannes Gutenberg druckt 1455 die erste Bibel auf Hanfpapier. 1873 fertigt der Unternehmer Levi Strauss die erste Jeans aus Hanf an.

In heutiger Zeit findet Hanf immer mehr Verwendung in der Bauindustrie.

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