Ein Stück Lebensqualität zurück erlangen

Voerde..  Holger Detti musste in seinem Leben viele Schicksalsschläge hinnehmen. Immer wieder hat sich der heute 49-Jährige, der seit seinem 18. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen ist, aufgerappelt und nach vorn gesehen – so schwierig es auch war. Für ihn ist es ein großes Stück Lebensqualität, mobil zu sein, ohne fremde Hilfe überall hinfahren zu können. Viele Jahre war ihm dies durch seinen speziell ausgerüsteten Bus auch möglich – bis zu jenem Tag im Januar 2011, als er aufgrund von Glatteis einen Unfall hatte und das Fahrzeug einen wirtschaftlichen Totalschaden hatte. Seit jenem Tag ist Holger Detti seine wenige bis dahin noch verbliebene Selbstständigkeit genommen, immer ist er auf Hilfe angewiesen. Selbst zum Arzt, zum Einkaufen, zu seiner Freundin nach Kevelaer oder einfach mal zu Freunden zu fahren – all das ist ihm alleine nicht mehr möglich. Der Spellener fühlt sich vom öffentlichen und sozialen Leben völlig abgeschnitten. „Ich komme mir eingesperrt vor.“

Holger Detti ist in Folge eines Badeunfalls querschnittsgelähmt. Es war der 5. Juni 1982, an dem sich sein Leben dramatisch veränderte: An jenem Sommertag war er mit Freunden an einem Badesee, wollte vom Ufer aus mit einem Salto auf eine im Wasser liegende Luftmatratze springen, wie er es viele Male zuvor getan habe. Doch er kam mit dem Kopf auf dem Boden auf und zog sich dabei einen Trümmerbruch in einem Halswirbel zu.

Neuen Lebensmut gefasst

Neun Monate war er in einem Spezialkrankenhaus, verlor nach einer Thrombose einen Teil seines rechten Beins. Erst zu Hause ging es ihm besser, er fasste neuen Lebensmut. Von 1987 bis 1989 schulte er um zum technischen Zeichner, fand in seinem neuen Beruf recht schnell eine Arbeitsstelle. Um dort hinzukommen, habe er einen auf seine körperlichen Einschränkungen angepassten Wagen vom Rentenversicherungsträger bekommen. Im September 1999 wurde ihm betriebsbedingt gekündigt. Holger Detti wurde „in Rente geschickt“. 2004 dann der nächste Schlag: Bei ihm wurde ein Bandscheibenvorfall im dritten Halswirbel diagnostiziert – was seine Bewegungsmöglichkeiten noch einmal deutlich einschränkt. Die Ärzte wollen nicht operieren, da sie dies für sehr riskant halten, berichtet Holger Detti, der bei seinen Eltern (beide Mitte 70) lebt. Sein Vater ist vor einiger Zeit schwer erkrankt.

Trotz aller Schicksalsschläge – Aufgeben ist Holger Dettis Sache nicht. Und so nahm er das Heft des Handelns selbst in die Hand, nachdem seine Anfragen bei Rentenversicherung, Krankenkasse und Sozialverbänden nach einem Ersatzfahrzeug oder Zuschuss negativ beantwortet wurden. Er schrieb diverse Stiftungen an und bat um finanzielle Unterstützung. Darüber und mit Hilfe privater Spenden hat er 4100 Euro zusammen bekommen.

Die Summe aber reicht bei weitem nicht aus, um sein altes, kaputtes Fahrzeug zu ersetzen. Ein neues koste 60 000 bis 80 000 Euro. Doch „es muss kein neuer Wagen sein“, betont Holger Detti. Er wäre auch über einen gebrauchten Bus sehr froh, der seine Bedürfnisse erfüllt: Neben einer Hebebühne müsste der Wagen über eine besonders leichte Servolenkung, ein Automatik-Getriebe und über die Möglichkeit verfügen, dass er mit seinem Rollstuhl direkt vor das Steuer fahren kann.

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