Ein Kunst-Raum für die Emscher

Foto: WAZ FotoPool

Dinslaken..  Holzwicke ist gleich neben Alfred Grimm. In Dinslaken wenigstens. Seit Samstag ragen 36 blaue Stelen vor dem Museum Voswinckelshof aus dem Boden. 25 Stelen für die Künstlerinnen und Künstler, die als Mitglieder oder Gäste des Kulturkreis Dinslaken für die am 22. September beginnende Ausstellung Em.share die Emscher unter sich aufgeteilt haben und elf Stelen für die Städte entlang des Flusses, der ein Jahrhundert lang die Kloake des Ruhrgebiets war und mit dessen Renaturierung nun der Strukturwandel in eine letzte, ökologische, Phase geht.

Nach den Schließungen und Umnutzungen alter Ruhrgebiets-Industrieanlagen und Zechen rückt nun die Emscher durch Umbau und temporärer Nutzung als Kunst-Raum als Symbol des Wandels in den Fokus. In Oberhausen wurde Samstag die internationale Emscherkunst.2013 eröffnet, zu deren Standorten Dinslaken gehört. Aber auch das hat Symbolkraft für Entwicklungen der letzten Jahre: Dinslaken Kunst-Szene setzt sein eigenes Ding selbstbewusst neben das Großprojekt. Die Emscher ist für alle da. Und die Künstler des Kulturkreises Dinslaken haben nicht nur innovative Ideen. Sie bringen das Engagement mit, auch große, gemeinschaftliche Projekte zu stemmen.

Objekte, Projekte, Videos

Gemeinschaftsausstellungen im Voswinckelshof, angeregt und unterstützt von der Museumsleitung und gestemmt von den Künstlern selbst. Udo Buschmann, Rainer Höpken, Peter Withof, Rüdiger Schütz und Thomas Schönhausen haben die „Em.share“ in Fluss gebracht. Eine Ausstellung ohne Bilder im traditionellen Kunstverständnis. Em.share in den Innenräumen des Voswinckelshof wird eine zeitgemäße Kombination einer gemeinschaftlichen Großinstallation und 25 kleinerer Installation der einzelnen Künstler: Objekte, Projekte, Videos. Wer die Gemeinschaftsausstellungen des Kulturkreises in den letzten zehn Jahren verfolgte, wird feststellen, das die Präsentation selbst immer mehr zum Konzept mit einem eigenen künstlerischen Ansatz wird. Eine spannende Idee.

Blau sind die Stelen, leuchtend blau. Ein Symbol für das klare Wasser einer renaturierten Emscher. Der Kulturkreis erinnerte augenzwinkernd an die Zeit, als die Emscher eine lebensgefährliche Abwasserbrühe war und servierte Samstag „Emscher-Wasser“ auf zweierlei Art. Als leuchtenden Blue Curacao pur und trüb grün mit Orangensaft vermischt. Erinnerungen an die 80er Jahre... Die Installation war übrigens ursprünglich auf der großen Museumswiese vorgesehen. Aber die Genehmigung, dort 70 Zentimeter in den Boden zu graben, wurde nicht erteilt.

Die Emscher als Symbol des Wandels in eine ökologische Zukunft. Das derzeit propagierte Bild ist schlüssig: Wasser ist Leben. Rainer Höpken greift zur Gießkanne. Gerade wurde die letzte Stele mit der Beschriftung „Dinslaken Em.share“ 70 Zentimeter tief in den Rasen direkt an der Fassade des Museums versenkt. Nun begießt Höpken den Boden rings herum, als sei die Stele ein junger Baum, der Wurzeln schlagen soll. Udo Buschmann füllt das Loch mit Erde, noch einmal Wasser dazu: die Stele hält.

Die Außeninstallation der Em.share steht nun für 100 Tage vor dem Museum, die Ausstellung wird am 22. September eröffnet.

 

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