Ein Kunst-Kraftwerk für Lohberg

Projektassistentin Yenai Marcos, Alexander Selbach (Stadt Dinslaken) und Martin Kaltwasser im Planungsbüro.
Projektassistentin Yenai Marcos, Alexander Selbach (Stadt Dinslaken) und Martin Kaltwasser im Planungsbüro.
Foto: WAZ Fotopool
Martin Kaltwasser sucht für sein Kunstprojekt tatkräftige Unterstützung.

Dinslaken..  Dass ganz Lohberg zum CO2-neutralen Standort für erneuerbare Energien ausgebaut werden soll, dürfte bekannt sein. Aber dass mitten im Herzen des Areals, im Bergpark, bis Mai ein „Kraftwerk“ entstehen soll, das nur durch Menschenkraft betrieben wird, muss sich noch ein wenig herumsprechen. Das Kraftwerk ist ein Kunstprojekt, konzipiert und durchgeführt von Martin Kaltwasser im Rahmen der „Choreographie einer Landschaft“, der künstlerischen Gestaltung des Bergparks. Es ist ein ökologisches Projekt, das Material des Baus aus Holz und Glas soll überwiegend per Upcycling aus Bauschutt gewonnen werden und die selbstkonstruierten und gebauten Maschinen zur Erzeugung von Elektrizität per Muskelkraft betrieben werden. Und es ist ein soziales Projekt. Ob ehemalige Bergleute, die auf Lohberg noch eine ganz andere Form der Energiegewinnung erlebten oder die türkischen Jugendlichen, die derzeit den Bergpark für sich entdecken, alle sind herzlich eingeladen, ihre Ideen mit einfließen zu lassen und bei der Realisierung des Kraftwerks mit beiden Händen mit anzupacken.

Derzeit ist das Projekt in der spannenden Phase von der Idee zum ersten Spatenstich. „Planungsbüro“ ist eine Dachgeschosswohnung mitten in der Lohberger Gartenstadt. Hier traf sich am Dienstag Martin Kaltwasser mit Interessierten und möglichen Multiplikatoren. Eine erste Vorstellungsrunde neben dem Tisch, auf dem kleine Modelle aus dickem, braunem Karton zeigen, was bald begehbare Realität sein soll.

Strampelstrom für Videoabend

Martin Kaltwasser hält eines der kleinen Modelle hoch. So ähnlich könnte der fertige Bau aussehen. Eingeschossig, getragen von einer Holzkonstruktion, zwischen die Holz und Glas aus Abrissgebäuden gesetzt ist. 20 Jahre soll die Lebensdauer des Gebäudes betragen.

Was aber ist die Nutzung? „Das Scheitern ist mit eingeplant“, erklärt Kaltwasser. Aktuell soll in dem Gebäude, dessen Lebensdauer auf 20 Jahre angelegt ist, per Muskelkraft soviel Strom erzeugt werden, dass die, die auf fest installierten Fahrrädern strampeln, sich mit ihrer Energie beispielsweise einen Videoabend gönnen können. Solche Maschinen werden von dem Engländer Colin Tonks konstruiert, er wird im Februar zu Workshops in Lohberg erwartet.

Bis dahin soll der Bau des „Kraftwerks“ bereits im vollen Gange sein, das Fundament soll bereits Anfang Dezember ausgehoben werden. Die Zeit drängt. Nachdem das Projekt erst jetzt grünes Licht erhielt, verkürzt sich die Bauzeit von ursprünglich zwei Jahre auf nur sechs Monate.

Mundpropaganda soll die unterschiedlichsten Menschen in Dinslaken einladen, nun die Ärmel hochzukrempeln und die Idee eigenes „Kraftwerk“ im Bergpark zu verwirklichen.

300 Ehrenamtliche packten beim Köbbeling/Kaltwasser-Projekt 2010 in Bochum an. In Lohberg sind bis zu 100 Kunst-Kraftwerker gefragt.

Im Dezember soll der Bau des „Kraftwerkes“ im Bergpark beginnen. Wer Interesse hat, sich mit Tatkraft zu beteiligen, wird gebeten, sich bei Yenai Marcos, yenai.marcos@gmail.com oder 01577/5853278 zu melden.


Auch Baumaterialien werden noch gesucht. Hierbei werden Bau- und Abrissfirmen um Unterstützung gebeten.

EURE FAVORITEN