Ein Hase für den Bergpark

Die ersten fünf künstlerischen Arbeiten der „Choreographie einer Landschaft“ stehen fest.

Dinslaken..  Fünf Mal Kunst. Ganz groß und ganz klein, jung und politisch, mitgestaltet von den Anwohnern vor Ort und in der künstlerischen Ausstrahlungskraft von internationalem Rang: So präsentiert sich die Auswahl der Arbeiten, die der Fachbeirat der „Choreographie einer Landschaft“ zur künstlerischen Gestaltung des Bergparks „zur Realisierung empfohlen“ hat.

In den nächsten Wochen werden Stadt und RAG Immobilien daran arbeiten, die Finanzierung der Vorauswahl durch externe Fördermittel mit 20 prozentiger Eigenbeteiligung zu stemmen. „Die Arbeiten sind ein Gewinn für Lohberg und werden vom Niederrhein nicht mehr wegzudenken sein“, ist sich Bernd Lohse von der RAG Immobilien sicher. Die Namen und Konzepte, die Kurator Markus Ambach gestern vorstellte, sprechen dafür.

Der in Düsseldorf lebende und arbeitende Thomas Schütte gehört zu den ganz Großen der internationalen Kunstszene. Mehrfach nahm er an der documenta in Kassel teil, 2005 wurde er als bester Künstler der Kunstbiennale Venedig ausgezeichnet. 2007 stand eine seiner Skulpturen auf dem vierten Sockel des Trafalgar Squares in London. Und spätestens 2015 verspricht ein vier Meter großer Hase aus Aluminium ein Wahrzeichen von Dinslaken zu werden. Der Hase mit dem Spitzbärtchen wird in Flip-Flop-Farben, die sich je nach Lichteinfall ändern, lackiert. Und auch seine Gesichtszüge haben etwas Ambivalentes. Als Fruchtbarkeitssymbol steht der Hase für das Neue. Aber ein wenig steckt auch der Teufel in ihm.

Kohle am Wegesrand

Schütte setzt mit dem Hasen bewusst ein kolossales Zeichen gegen die Vergangenheit des Ortes. Der 1971 geborene, in Berlin lebende Däne erinnert dezent und charmant an die Zechenvergangenheit. Seine schwarz bemalten, zehn mal zehn Zentimeter große Bronzeskulpturen von Kohlebrocken sind Erinnerungen am Wegesrand.

Eine politisch höchst pointierte Landmarke setzt Andreas Siekmann mit dem Entwurf „Woher die Kohle kommt und wer die Zeche zahlt“. Der zweifache documenta-Teilnehmer macht den in Zukunft begehbaren Kohlerundeindicker zum Globalisierungskarussell: Er stellt die Verlagerung des Bergbaus aus wirtschaftlichen Interessen nach Südamerika dar. Dort und mit Unterstützung derer, die den Kohlestandort Lohberg 2005 aufgegeben haben.

Anwohner eingebunden

Lohberg soll ein CO2-neutraler Standort werden, die Recycling-Künstler Folke Köbberling und Martin Kaltwasser wollen gemeinsam mit Menschen der Region im Bergpark energieneutral ein ganzes Haus bauen. Bereits die elektrischen Werkzeuge dafür sollen mit Fahrradkraft betrieben werden. Dabei entwickeln die Künstler Bau und spätere Funktion des Gebäudes gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Die Lohberger sind eingeladen, sich einzubringen. Was aus dem „Kraftwerk“ wird, entscheiden die, die es bauen: Vereinshaus oder ein Ort für neue Arbeitsplätze? Kreative Ideen sind gefragt.

Gleiches gilt für „Groundwork“ von Jeanne van Heeswijk, die höchstdekorierte Künstlerin im Bereich sozial engagierter Kunst. Zunächst auf dem Lohberger Marktplatz errichtet sie eine mobile Ideenwerkstatt, in der sie mit den Lohbergern Konzepte erarbeitet, wie diese ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche für den Bergpark entwickeln und einbringen können.

Das innovative Konzept der „Choreographie einer Landschaft“ ist es, dass Kunst nicht Dekoration einer abgeschlossenen Planung ist. Durch Projekte wie die von van Heeswijk und Köbberling/Kaltwasser erhalten die Menschen vor Ort die Chance, aktiv diese die Landschaftsplanung gestaltende Kunst mit zu entwickeln.

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