Ein aufregendes Familienfest

Die Gruppe 55plus der Bürgerbühne des Landestheaters Burghofbühne brachte das Stück „Gut behütet“ im Tenterhof zur Aufführung.
Die Gruppe 55plus der Bürgerbühne des Landestheaters Burghofbühne brachte das Stück „Gut behütet“ im Tenterhof zur Aufführung.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Die Gruppe 55plus der Bürgerbühne des Landestheaters Burghofbühne brachte im Tenterhof das Stück „Gut behütet“ zur Aufführung.

Dinslaken.  Durch die Remise des Tenterhofs klingen Didgeridoo-Töne. Der Klang des australischen Blasinstrumentes stimmt das Publikum auf den Handlungsort des Stückes „Gut behütet“ ein. Denn es spielt auf dem südlichen Kontinent, genauer gesagt vor einem Reisebus, der mitten in der Wüste geparkt wurde. Mutter Anna Wagner (gespielt von Ruth Wendt) hat ihre ganze Familie eingeladen, um hier ihren 90. Geburtstag zu feiern und eigentlich weiß niemand, warum.

Das spielt aber erstmal eine untergeordnete Rolle, da sich der Nachwuchs des Geburtstagskindes nicht ausstehen kann. Und so lassen die Geschwister quasi keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig mit Vorwürfen zu traktieren. Der älteste Bruder Addi (Adolf Kraßnigg) hat es mit seiner Ehefrau Tina (Regina Klemm) zu Geld gebracht und betrachtet seine anderen Geschwister mit kaum verhohlener Verachtung. Tochter Gabi (Ursula Ahrens), die einige Zeit in den Vereinigten Staaten lebte, versucht, mit Yoga-Übungen etwas Ruhe in die Gruppe zu bekommen. Bruder Karl (Dieter Stör) versucht, allen eine seiner Versicherungen anzudrehen, während seine Lebensgefährtin Jaqueline (Kornelia Patalong-Fichtler) mit ihrer Naivität die anderen zur Weißglut bringt. Insbesondere Tochter Hildegard (Margret Neu-Kobbert), die eine ziemlich freudlose Existenz zu fristen scheint.

Den Laiendarstellern der Gruppe 55+ der Bürgerbühne gelingt es dabei prächtig, die Emotionen ihrer Figuren einzufangen – und gleichzeitig das Publikum zu belustigen. Denn schließlich ist „Gut behütet“ als Komödie angekündigt und bei dem rasanten, verbalen Schlagabtausch zwischen den Figuren gibt es immer wieder Momente, bei denen man einfach lachen muss. Insbesondere, wenn Jaqueline sich zu Wort meldet, und reichlich dumme Fragen stellt („In welchem Land auf dem Kontinent Australien sind wir?“).

Mehr emotionalen Tiefgang bieten die Monologe der Figuren. Denn jeder der Geburtstagsgäste hat sein eigenes kleines oder großes Geheimnis. So erfährt das Publikum von Addis verschwiegener Krebserkrankung, der Homosexualität von Sohn Waldemar (Hans West) oder der Tatsache, dass Sohn Paul (Jörg Mertens) einen anderen Vater hat als die anderen Kinder. Nämlich den australischen Brieffreund von Mutter Anna, womit auch der Grund für die Feierlichkeiten auf dem weit entfernten Kontinent gegeben wäre.

Am Ende gibt es viel Applaus für die Laiendarsteller, die das Stück unter Regie von Adele Bernard auf die Bühne gebracht haben. Außerdem Dank von Burghofbühnen-Intendant Mirko Schombert für die dritte Produktion der Bürgerbühne. „Sie füllen mit Stücken wie diesem den Tenterhof mit Leben“, sagte er.

 
 

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