Dschihadist aus Dinslakener Szene in Syrien getötet

Syrische Rebellen im Kampf nahe der Stadt Hama.
Syrische Rebellen im Kampf nahe der Stadt Hama.
Foto: afp
Zwischen 200 und 300 Kämpfer in Syrien stammen aus Deutschland, nun ist offenbar wieder einer getötet worden. Abu Dawud al Almani war offenbar über Dinslaken ins Kampfgebiet gekommen. Die Bundesregierung geht von mehr als 15 Deutschen aus, die bei den Kämpfen starben.

Essen/Dinslaken.. Im syrischen Bürgerkrieg sind bisher mehr als fünfzehn deutsche oder aus Deutschland stammende islamistische Dschihadisten getötet worden - sieben davon stammten aus NRW, wie der Verfassungsschutz bestätigte. Sie waren in den Nahen Osten ausgereist und haben auf Seiten der Rebellen gegen das Assad-Regime gekämpft.

Dienstagabend hat es eine neue Todesmeldung gegeben, die Islamisten über das Internet verbreitet haben. Danach starb Abu Dawud al Almani nahe der Stadt Aleppo bei einem Handgranatenüberfall. Ins Netz gestellt wurden Bilder der Leiche, die Blutspuren am Kopf zeigen. Abu Dawud kam Medienberichten zufolge über Dinslaken ins Kampfgebiet, wo sich nach Ermittler-Erkenntnissen eine dschihadistische Gruppen gebildet hat.

Toter 19-Jähriger hatte keinen Migrationshintergrund

Der Tod des 19-jährigen ist bisher nicht bestätigt. Allerdings gibt sich ein ebenfalls aus Dinslaken stammender Abu Asyia al Turki als Zeuge des Todes aus, und die Eltern in seiner Heimat im Allgäu sollen den Toten identifiziert haben. Abu Dawud, der konvertiert ist und nach unterschiedlichen Berichten Marco G. oder David G. heißt, hat keinen Migrationshintergrund.

Bislang sollen sich zwischen 200 und 300 Islamisten aus Deutschland in Syrien aufhalten, wahrscheinlich ist ihre Zahl wesentlich höher. Nur ein kleiner Teil sei bisher zurückgekehrt, heißt es in dem neuen Bericht der Bundesregierung, die ihre Zahl auf "ein Dutzend Rückkehrer mit Kampferfahrung" schätzt. Gegen sechs Syrien-Rückkehrer, von denen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden auch eine Terrorgefahr in Deutschland ausgehen könnte, ermittelt der Generalbundesanwalt. In NRW stehen 110 gewaltbereite Dschihadisten unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Fahnder versuchen, kampfbereite Islamisten zu hindern

Generell versuchen die Fahnder, kampfbereite Islamisten an der Ausreise nach Syrien zu hindern. Das gelingt aber wohl nur in einem geringen Umfang. Die Regierung sagt, die Anzahl der tatsächlich verhinderten Ausreisen bewege sich "im niedrigen zweistelligen Bereich". In einigen dieser Fälle sind bei der versuchten Ausreise auch für dem Kampf taugliche "Gegenstände" sichergestellt worden: ABC-Schutzmasken, Tarnnetze, Einhandmesser, Handfesseln oder Schulterholster.

Nach wie vor gilt Nordrhein-Westfalen und hier - neben Solingen - der Raum Dinslaken als Hochburg von zu einem Syrien-Einsatz entschlossenen Islamisten. Die FAZ berichtet, die Dinslakener Dschihadisten-Szene, deren Mitglieder großenteils aus der verbotenen Organisation "Millatu Ibrahim" stammen, umfasse mindestens 23 Personen. Vier von ihnen sollen in Syrien sein.

Dinslakener Pizza-Verkäufer wirbt für Dschihad

Als zentrale Figuren der Ausreiseszene gelten der Berliner Rapper Denis Cuspert, der auch schon im Kampf verletzt wurde, und "Abo Osama". Hinter diesem Kampfnahmen verbirgt sich wahrscheinlich der Dinslakener Pizza-Verkäufer Philip B., ein Konvertit. Er tritt in einem Werbevideo auf: "Ich bin nach Syrien ausgewandert und habe mich der Karawane des Dschihads angeschlossen."

 
 

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