Dinslaken: Lost in Lucy: Gesucht und gefunden

Lost in Lucy rocken beim Congaz Open Air.
Lost in Lucy rocken beim Congaz Open Air.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Das neue Video „Demon’s Lullaby“ ist online. Im August geht’s ins Studio nach Münster. Congaz Open Air am Samstag, 1. August

Dinslaken..  Das Zwitschern der Vögel in freier Natur kann so trügerisch sein. Das erlebt man derzeit wieder einmal auf Youtube, spätestens wenn die Gitarre einsetzt und ein schwarzgewandetes Mädchen auf einem Kreidekreis zu tanzen beginnt. „Demon’s lullaby“ heißt das neue Video von Lost in Lucy. Und dass die Wahl auf diesen kraftvollen, düsteren Rocksong fiel, lag wirklich an der Idee für die Filmsequenzen. „Jochen van Eden hatte die Vorstellung von diesem ein wenig horrormäßigen Video“, so Sängerin Lika, „Demon’s lullaby“ war der Song, der dazu passte“. Dabei hätte die stylisch-altmodische Mustertapete, vor der die blonde Sängerin mittels Farbfilter effektiv in Szene gesetzt wird, auch zu dem Titel gepasst, der wohl das größte Hitpotenzial des Quartetts aus Duisburg, Dinslaken und Bottrop hat: „He comes from London“, ein eingängiger Mix aus Rock und Wave-Elementen, der Likas Stimme perfekt in Szene setzt.

Vorbild „Faith no more“

Nicht London, nicht „lost“. Wir treffen die Band in einem äußerst aufgeräumten Proberaum im Dinslakener Walzwerk bei den Proben für ihren nächsten Auftritt am 1. August schräg gegenüber beim Congaz Open Air. Lika (Gesang), Rolf (Gitarre), Chris (Bass) und Juice (Schlagzeug) geben Kostproben ihrer Musik, die sich die Freiheit nimmt, nicht in eine einzelne Schublade zu passen. Lika nennt „Faith no more“ als einen ihrer Einflüsse, auch wenn sie vom neuen Album etwas enttäuscht sei. Und natürlich Bands wie Skunk Anansie, Evanescence oder auch No doubt. Bands mit stimmstarken Frontfrauen, von denen es eigentlich zu wenige gibt. Lost in Lucy haben in der Beziehung mit einem echten Pfund zu wuchern, zuletzt unplugged in der Duisburger Säule auf dem Frauenstimmen-Festival.

Aber auch schon vom rein musikalischen her lassen die Songs von Lost in Lucy aufhorchen. Wie in einer barocken Passagaglia wiederholt Chris ein langsames, immer wiederkehrendes Bassmotiv, während Rolf ein paar Sounds auf der Gitarre erzeugt. Juice setzt ein, ein schwerer, treibender Groove. Darüber schwebt Likas Stimme, bricht, hämmert. „You can stand“ geht mit Postpunk-Referenzen unter die Haut. Und dass Lost in Lucy auch deutschsprachige Titel im Repertoire haben, ist den Wünschen der Fans geschuldet. Die dürfen sich im nächsten Jahr auf das erste Album von Lost in Lucy freuen. Ende August geht das Quartett nach Münster ins Studio. Nicht irgendeine Adresse, sondern Principal, wo Größen wie In Extremo, die Toten Hosen oder Unheilig arbeiten.

Klar definierte Ziele

Für Musiker, die alle in regulären Jobs stehen, gehen Lost in Lucy recht ambitioniert und professionell vor. „Wir machen uns am Anfang des Jahres einen Plan über die Ziele, die wir erreichen wollen“, so Lika. Dazu gehören fünf bis 20 Auftritte, das Album, das auf jeden Fall über i-Tunes erhältlich sein soll, oder eben auch das Video zu „Demon’s lullaby“.

Denn Lost in Lucy können es nicht lassen, das Quartett hat sich und seine Musik gesucht und gefunden. „Wir machen alle schon lange Musik,“ so Lika, „und jeder von uns hat zwar mal gesagt, dass er aufhört, aber wir machen wohl mit 70 noch weiter“.

Nun, das Genre zwischen dunklem Rock, Postpunk und Electro, in dem sich Lost in Lucy austoben, gilt als langlebig. Man darf also noch auf einiges gespannt sein.

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