Dinslaken: Begegnungen bei Tortilla und Tiramisu

Die Vorspeise genossen die Teilnehmer des ersten „Dinslaken kocht“ bei  Kira Grafen.
Die Vorspeise genossen die Teilnehmer des ersten „Dinslaken kocht“ bei Kira Grafen.
Foto: WAZ FotoPool
Bei der Premiere von „Dinslaken kocht“ kochten und aßen Teilnehmer aus vielen Nationen gemeinsam: Zum Beispiel Lourdes aus Spanien, Adebayo aus Nigeria, Katarzyna aus Polen und Miriam aus Paraguay

Dinslaken..  Neugier, Offenheit und viel Hunger – das waren die Zutaten, welche die Teilnehmer für die Premiere von „Dinslaken kocht“ am Samstagabend brauchten. Das Integrationsprojekt brachte Dinslakener und Menschen, die aus einem anderen Land zugezogen sind und hier eine zweite Heimat gefunden haben, zusammen. Das Prinzip ist ganz einfach: Immer zwei Leute bilden ein Kochpaar und sind entweder für Vorspeise, Hauptgericht oder Nachtisch zuständig. Von den insgesamt 18 Kochpaaren treffen sich jeweils drei zum gemeinsamen Essen. Ein Rezept, das aufging: Bei kulinarischen Köstlichkeiten trafen sich Menschen, die sich sonst vielleicht nicht begegnet wären. Die NRZ durfte den multikulturellen Abend begleiten.

Herzlicher Empfang

Die Vorspeise gibt es bei Kira Grafen. Mit Lourdes aus Spanien trifft sie die letzten Vorbereitungen. Hand in Hand arbeiten die beiden - kaum zu glauben, dass sie sich erst seit drei Stunden kennen. Die Idee zum Kochevent hatte Kira Grafen gemeinsam mit Simone Röbel und Aida Özgüc, zwei Lehrerinnen, die an der VHS Integrationskurse geben: „Wir haben überlegt, was macht die Sache entspannter? Das ist Essen und Trinken. Also kochen wir zusammen.“ So soll die Hemmschwelle gesenkt und sollen Vorurteile abgebaut werden.

Als gebürtige Russin, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt, weiß Kira Grafen, wovon sie spricht. Aanfangs seien nicht nicht viele Leute auf sie zugegangen. Das ist bei „Dinslaken kocht“ ganz anders. Auf den Tellern für die Gäste liegt ein Papierherz mit der Aufschrift „Schön, dass Sie da sind“. Und auch die Stimmung ist von Anfang an gut, obwohl sich alle gerade erst kennenlernen. Als Vorspeise servieren Kira und Lourdes eine spanische Spezialität: Tortilla de Patatas, eine Art Omelett aus Kartoffeln, das allen am Tisch sehr gut schmeckt. In der entspannten Atmosphäre entstehen schnell Gespräche. Lourdes, die wegen der Krise in Spanien ganz alleine nach Dinslaken gekommen ist und nach dem Sprachkurs am liebsten mit Kindern arbeiten möchte, Adebayo aus Nigeria und Katarzyna aus Polen sind engagiert, hochmotiviert und sie wollen unbedingt Deutsch sprechen. „Es ist mir peinlich, wenn ich nicht sagen kann, wie ich heiße“, erklärt Katarzyna, die genau wie Lourdes schon vor Beginn des Deutschkurses die Sprache mit Hilfe von Büchern gelernt hat.

Lebensgeschichten am Esstisch

Neuer Ort, neue Gesichter, aber der gleiche herzliche Empfang. Alle stellen sich mit dem Vornamen vor, sagen mal „Sie“, mal „Du“. Aber eigentlich ist das auch egal. Was zählt, ist die Begegnung bei Hähnchen, Kartoffelplätzchen, Reisbällchen und Brokkoli, von Doris und Magda lecker zubereitet. „Hähnchen schmeckt allen“, weiß Doris aus Erfahrung mit den Austauschschülern, die schon bei ihr zuhause gewohnt haben. Auch die Gäste am Samstagabend sind begeistert und erzählen von ihren bisherigen Erlebnissen. „Ich hätte nicht gedacht, dass man solche Einblicke in das Leben bekommt“, sagt Doris und berichtet von ihrer vorherigen Gastgeberin, einer Perserin, die als Asylbewerberin in Dinslaken lebt, sich aber erst hier als eigenständige Person fühlt, weil sie etwa alleine zum Amt kann. Eine Geschichte, die nachdenklich macht. Beeindruckend sind auch die sehr guten Sprachkenntnisse aller Zugezogenen und ihr unbedingter Wille, es in der neuen Heimat zu schaffen.

Magda etwa spricht nach einem Jahr schon fließend Deutsch. „Das ist jetzt mein Land, also muss ich das können“, erklärt sie. In Polen hat sie als Englischlehrerin gearbeitet, möchte das hier auch nach ihrem Integrationskurs tun, wartet aber noch auf die Anerkennung ihrer Dokumente.

Kontakt bekommen

Den Nachtisch gibt es bei Miriam aus Paraguay: Tiramisu – nach einem Rezept ihres italienischen Mannes. Zubereitet hat sie das köstliche Dessert mit Annette Schlitt, die als Dozentin für Integrationskurse an der VHS arbeitet und einige der Teilnehmer aus ihren Kursen kennt. Für ihre Schüler sei „Dinslaken kocht“ eine „super Sache, um Kontakte zu bekommen.“ Vielleicht ergebe sich daraus auch eine zweite Begegnung. Ein weiteres Mal sahen sich die Teilnehmer von „Dinslaken kocht“ schonmal bei der After-Cooking-Party im Huberts.

 
 

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