Dinslaken: Aus Gartenstadt wird Zaunstadt

Wo früher weite Grünflächen das Auge verwöhnten, wird heute eingezäunt, was das Zeug hält.
Wo früher weite Grünflächen das Auge verwöhnten, wird heute eingezäunt, was das Zeug hält.
Vivawest privatisiert die alte Zechensiedlung und schlägt die Grünflächen den neuen Eigentümern zu. Das Das Forum Lohberg prangert die Art an.

Dinslaken..  Ein wichtiges Element von Gartenstädten sind vor allem ihre Innenhöfe mit kleinen Nutzgartenanlagen und öffentlichem Grün. So war es bislang auch in der alten Bergarbeitersiedlung Lohberg. Das hat sich inzwischen drastisch verändert, zum Schlechten, finden die Mitglieder des Forums Lohberg und machen auf die Missstände aufmerksam. Die NRZ hat sich mit Janet Rauch vom Forum Lohberg umgeschaut und dabei recht eigenwillige Auslegungen der Denkmalschutzsatzung erspäht: Sichtschutzzäune, die gleich einer Gefängnismauer das Grundstück umgeben, Gitterzäune, die nicht hinter Hecken verschwinden.

„Der Charakter der Gartenstadt schwindet immer mehr“, so Janet Rauch. Vivawest, so vermuten die Mitglieder des Forums, will sich der Freiflächen entledigen und schlägt jedem Käufer ein großes Grundstück zu. Dass dabei die Innenhöfe mit ihren Grünflächen verschwinden, scheint niemanden zu interessieren. „Warum kann die Stadt hier nicht eingreifen und die Freiflächen notfalls von Vivawest kaufen?“, fragt sich Janet Rauch.

Auch Anja Sommer, Städteführerin und von Beruf Stadtplanerin, ist entsetzt. „Die Innenhöfe sind ein entscheidendes strukturprägendes Merkmal für das Siedlungsgefüge der Gartenstadt Lohberg“, sagt sie. „Die Höfe ermöglichten bisher durch ihre offenen Gemeinschaftsflächen und ihre für alle zugänglichen Wege einen vielfältigen nachbarschaftlichen Austausch mit unterschiedlichen Nutzungen und Kinderspielplätzen. Die Garten- und Freiflächen der Hinterhöfe sind nicht nur wichtige Kommunikationspunkte, sondern auch Garanten einer hohen Lebens- und Wohnqualität, die jetzt durch unzulässige Zäune und Nebengebäude immer mehr in Bedrängnis geraten.“

Auswüchse hat auch die Stadt inzwischen erkannt. Ordnungsverfügungen seien bereits auf den Weg gebracht worden, erklärt Pressesprecher Horst Dickhäuser. Wer unzulässig gebaut habe, müsse dies jetzt zurücknehmen. Vivawest habe in den Kaufverträgen auf die denkmalgeschützte Siedlung hingewiesen, das zumindest habe sie der Stadt mitgeteilt, so Dickhäuser weiter.

Einige Eigentümer sehen die Sache anders. „Vorne bleibt doch alles öffentlich, die Gartenanlage ist doch nicht schlimm“, so ein Hauseigentümer, der nicht genannt werden möchte. Er fühle sich von Stadt und Vivawest im Stich gelassen. „Wir würden ja gerne unsere Fassaden nach dem Denkmalschutz gestalten, aber niemand hilft uns hierbei.“

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