Dinslaken: Aus dem Alltag eines Karikaturisten

Karikaturist Thomas Plaßmann war im Johannahaus zu Gast.
Karikaturist Thomas Plaßmann war im Johannahaus zu Gast.
Foto: FUNKE Foto Services
Thomas Plaßmann, dessen Zeichnungen sich auch in der NRZ finden, gab auf Einladung der katholischen und der evangelischen Kirche Einblicke in seine Arbeit.

Dinslaken..  Wie kann man sich die Arbeit eines Karikaturisten als freiberuflicher Künstler vorstellen? Thomas Plaßmann räumt im Johannahaus zur ökumenischen Woche erst einmal mit gängigen Vorurteilen auf: Aufstehen gegen Mittag, durch die Natur spazieren und sich schließlich von der Muse küssen lassen – das ist nicht die Welt von Thomas Plaßmann. „Als politischer Karikaturist ist man eher ein Journalist“, sagt er. Er informiert sich über das tagesaktuelle Geschehen, um ein Thema für seine Arbeit zu finden. Und das muss er, gerade auf dem Feld der Politik, natürlich einschätzen und einordnen können. Ist das Thema erst einmal gefunden, geht es los. „Für mich ist die erste Frage immer, was ein Thema mit mir selbst macht“, erklärt der Karikaturist, dessen Zeichnungen sich regelmäßig in der NRZ, der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung finden. Dann folgt die Frage, in welche Richtung seine Darstellung zielen soll. „Es macht eine Karikatur aus, dass sie einen Kommentar enthält“, sagt Thomas Plaßmann. Dann kommt die Frage nach der Umsetzung und schließlich das Zeichnen.

Letzteres beherrscht Thomas Plaßmann so gut, dass er auch dem Publikum im Johannahaus einige Facetten seiner Arbeit direkt vorführen kann. In Windeseile finden bekannte Persönlichkeiten auf dem Papier einer Flipchart ihren Platz, während die Zuschauer raten dürfen, wessen Gesicht dort entsteht: „Mal schauen, wie viele sie richtig raten“, motiviert Plaßmann sein Publikum. Natürlich zeichnet er Helmut Kohl und Angela Merkel, auch Theo Waigel. Und die Besucher bekommen einiges zu lachen, als der Karikaturist seine Werke schnell mit Filzstift nachzeichnet.

Thema demographischer Wandel: Eine ältere Frau sitzt in ihrem Sessel und fragt den Enkel, ob sie der Gesellschaft noch irgendwie nützen könnte. „Du sollst doch nicht immer ans Sterben denken, Oma“, antwortet der. Als Karikatur vielleicht schon eine der härteren Gangart, wenn es um den Humor geht. Und damit auch eine perfekte Überleitung zu der Frage, was Satire und Karikatur darf, was nicht.

Thomas Plaßmann hatte Karikaturen mitgebracht, die sich mit religiösen Thematiken beschäftigten, ließ die Besucher diskutieren, was übertrieben ist. „Als Zeichner ist es für mich immer eine schwierige Gratwanderung“, gestand er. „Für mich ist es ein Problem, wenn es keine Zielrichtung mehr gibt.“ Das heißt: Wenn Satire nur noch dazu benutzt wird, einzelne Personen zu beleidigen, abzuwerten oder Ehrabschneidung zu betreiben, wäre das eine Grenze, die Plaßmann nicht überschreiten würde.

Provokant müssen die Werke des Karikaturisten am Ende aber trotzdem noch sein, findet Plaßmann. „Wenn ihnen alle sagen, sie haben ein schönes Bild gemacht und niemand sich aufregt, dann haben sie als Karikaturist versagt“, schließt Plaßmann seinen Vortrag im gut besuchten Johannahaus.

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