Die Tragödie Kriegstrauma

Dinslaken..  Adnan Köse inszeniert den „Othello“. Dafür hat er militärische Hilfe bei der Bundeswehr angefordert - und er erhält sie. Beratung, Ausstattung, Manpower. Martin Reyers, 1. Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Dinslaken-Feldmark, kümmert sich um die Bekleidung der Schauspieler und Reservisten als Komparsen für die Shakespeare-Inszenierung mit Dave Kaufmann in der Titelrolle.

Dabei ist im Stück der Krieg eigentlich vorbei. Auf das Kämpfen auf dem Schlachtfeld folgt das Ränkespiel und die Intrige, die im Privaten in der Tragödie endet. Othellos rasende Eifersucht: Ist das der ganze Kern des Dramas? „Es geht um das verlorene Urvertrauen“, sagt Adnan Köse. Hervorgerufen in der zeitgenössischen Interpretation des Stückes durch PTBS.

Videoeinspielungen

Die Abkürzung steht für posttraumatische Belastungsstörung, die psychische Verwundung, die Soldaten nach einem Einsatz in einem Krisen- und Kriegsgebiet davon tragen können. PTBS wird vor allem in US-amerikanischen und englischen Filmen und Serien seit dem Vietnamkrieg thematisiert, eines der schockierendsten Beispiele ist „Taxidriver“. Nun also „Othello“. Ali Murtaza spielt den „Rodrigo“, für Köse „jemand, der eine Therapie bräuchte“. Murtaza hat Bühnenerfahrung in Shakespeare-Stoffen, spielte 2008 den „Jago“, eine Rolle, die nun Köse selbst übernimmt. Als dieser dem Schauspieler („Homies“, „Kleine Morde“) von seinem Interpretationsansatz erzählte, empfand er ihn als überraschend. „Aber wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt, die Sätze von Shakespeare daraufhin analysiert und über den Tellerrand schaut, dann sieht man, das die Interpretation funktioniert“.

Allein nur auf den Text vertrauen wollte Adan Köse nicht. Derzeit dreht er mit den Reservisten Videoeinspielungen für das Stück, das am Samstag, 25. Oktober, um 20 Uhr in der Kathrin-Türks-Halle Premiere hat. In diesen Szenen soll der Subtext verbildlicht werden. Zudem sind die Aktualisierungen in zusätzlichen Texten, die von den Spielern in Improvisationen entwickelt werden, eingearbeitet. Wie zum Beispiel der Einstieg in die Szene, in der Othello (Dave Kaufmann) zum ersten Mal seine Eifersucht am verlorenen Hochzeitsgeschenk von Desdemona (Marlene Zimmer) festmacht. Am Handy erzählt sie vom Verlust des Tuches.

Marlene Zimmer, eine junge Schauspielerin aus Wiesbaden, die für Köse in dessen Regieseminaren in Frankfurt arbeitete, spricht am Telefon mit eigenen Worten, um im Dialog zu den originialen Shakespeare-Versen zu wechseln.

Die Rolle des „Othello“. Dave Kaufmann spielt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie war das nicht mehr verwirklichte Projekt seines Vaters, Günter Kaufmann habe ihm oft ganze Szenen vorgespielt. Nun muss er seinen eigenen Zugang zu der Rolle finden. Die aktualisierte Interpretation hilft sicherlich, Kaufmann selbst war bei den Gebirgsjägern, sagt ihm habe die Disziplin dort und das Überschreiten eigener Belastungsgrenzen viel fürs Leben gegeben. Jetzt ist er stolz auf die Chance, die ihm Adnan Köse gegeben hat. „Mir ist es bewusst, ich muss meinen Dad loslassen. Ich stehe auf der Bühne, ich muss ich selbst sein und den Othello so interpretieren, wie ich ihn fühle.

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