Die Stadt Dinslaken setzt Rückepferde als Waldarbeiter ein

Einsatz für Sam: Nicola Basten und das süddeutsche Kaltblut helfen beim Abtransport der Stämme im Wäldchen an der Ziegelstraße.
Einsatz für Sam: Nicola Basten und das süddeutsche Kaltblut helfen beim Abtransport der Stämme im Wäldchen an der Ziegelstraße.
Foto: Funke Foto Services
  • Sam und Sepp ersetzen in einem Dinslakener Wäldchen schwere Maschinen
  • Die Rückepferde schleppen bis zu 500 Kilo schwere Stämme durch den Wald
  • Die Stadt finanziert den Einsatz der Pferde durch den Verkauf des geschlagenen Holzes

Dinslaken.. In der Arbeitswelt sind Tiere heute kaum noch von großer Bedeutung. Gut, da gibt’s die Planierraupen, Baumaschinen mit schweren Ketten und breitem Schild. Oder die Ameisen, also Hubwagen, um zum Beispiel Paletten zu bewegen. Und es gibt das Rücke­pferd. Welches Gerät diesen Namen trägt? Es ist tatsächlich ein Pferd. Ein richtiges, mit vier Hufen, Haferantrieb. Zwischen Haniel­straße und Ziegelstraße sind gerade zwei dieser Tiere bei der Durchforstung eines kleinen Wäldchens im Einsatz. Keine Maschine kann sie ersetzen.

Ahorne, Eichen und Kirschbäume sind hier in den letzten 28 Jahren gewachsen. Dazwischen haben, zum ausdrücklichen Missfallen des Grünflächenamts, auch einige Birken Wurzeln geschlagen. Nun wird das Waldstück durchforstet, um mehr Platz für die verbleibenden Bäume zu schaffen. Würde man für den Abtransport der Stämme Traktoren einsetzen, „müssten wir das kleine Waldstück vollkommen zerschneiden“, erklärt Heinz Tembergen, Leiter des Grünflächenamts.. Die Gassen hätten eine Breite von jeweils sechs Metern, sie würden sich in regelmäßigen Abständen durch das Gehölz ziehen – und kaum etwas davon übrig lassen.

Die Pferde können bis zu 800 Kilo ziehen

Sam hingegen, das süddeutsche Kaltblut, scharwenzelt erstaunlich leicht­hufig um die dünnen Bäume herum, während er bis zu 500 Kilo Holz hinter sich herzieht. Nicola Basten hat seine Zügel in der Hand. Wenn er vor einem gefällten Baum steht, dessen Äste noch gut zwei Meter in die Höhe ragen, hält er lieber erst mal an. „Er fragt sich, ob er da wirklich durchgehen soll.“ Soll er. „Das muss ich dann bekräftigen.“ Zwei kurze Befehle, schon nimmt Sam das Geäst unter die Hufe.

Sam und sein Arbeitskollege Sepp, Nicola Basten und ihr Mann Georg Stevens wurden von der Stadt Dinslaken mit den Rückearbeiten beauftragt. Damit sind sie gut eine Woche beschäftigt. Die Pferde könnten, wenn sie sollten und wollten, für kurze Zeit sogar ihr eigenes Gewicht in Holz ziehen, das wären 750 bis 800 Kilo. „Aber dann wären sie schnell außer Atem“, sagt Nicola Basten.

Waldstück bleibt für Spaziergänger gesperrt

So weit lassen es Sam und Sepp gar nicht kommen. Während Nicola Basten und Georg Stevens die Stämme an Ketten befestigen, kauen die Pferde gemütlich auf Blättern herum, bis sie grüne Lippen haben. Dann setzen sie sich wieder langsam in Bewegung. Gerade war eine Klasse der Klaraschule zu Besuch, das bedeutete einige Streicheleinheiten für die Pferde.

„Wir machen das über das Schulamt“, erklärt Heinz Tembergen. Die Klassen werden eingeladen, damit sie einen Blick auf das heutzutage seltene Schauspiel im Wald werfen können. Für alle anderen bleibt es aber verboten, die abgesperrte Forstfläche zu betreten, die Arbeiter fällen schließlich weiter. Später wird das Holz an die Spanplattenindustrie verkauft – und mit dem Erlös der Einsatz von Sam und Sepp bezahlt.

 
 

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