Die Musicalszene bleibt in Dinslaken am Ball

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Einmal im Jahr kehren die Stars zum Abschluss des Fantastivals im Burgtheater ein. Die diesjährige Gala von Freeman, Stahnke, Douwes und Co war weltmeisterlich.

Dinslaken..  Der Trainer im Retro-Shirt David Moore ermutigt Patrick Stahnke mit der Nummer 7 auf dem Trikot, vor dem Wettkampf um den vierten Stern Kraft und inneren Halt zu finden. Das Duett, das die beiden singen, klingt sehr vertraut. Aber irgendwie hatte man die Szene doch optisch anders in Erinnerung. Auch wenn Stahnke Rollerblades statt Fußballschuhe trägt. Die weltmeisterlich aktualisierte Version von Starlight Express ist eine von den Ideen, die von der 16. Sommernacht des Musicals bleiben wird.

Schon lange ist die Show ein Selbstläufer. Das Konzept der Gala zum Abschluss des Fantastivals ist beständig wie die Liveband unter der Leitung von Bertram Ernst. Es bildet den verlässlichen Rahmen für gewollte, manchmal auch ungewollte Überraschungen und eine Möglichkeit, Musicalstars wohl auch mit ihren bekannten Titeln, aber zugleich recht persönlich in spontanen Momenten auf der Bühne zu erleben. Vor allem Patrick Stahnke, der in diesen Tagen Vater wird, durfte sich als Moderator und Sänger am Samstag im Burgtheater richtig austoben. „Zum Deppen machen“, wie er selbst sagte. Stahnke ließ sich seine „Freunde!“-Rufe ans Publikum der seit Monaten ausverkauften Show mit einem liebevollen „Lügner!“ beantworten, kebbelte sich in Kleid und Perücke um die Textzeilen von „Suddenly Seymour“ mit Pia Douwes, für die er im letzten Jahr als „Elisabeth“ einsprang und legte dann im Endspurt der Show mit seiner Interpretation von „Getsehmane“ stimmlich die beeindruckendste Performance des gesamten Abends hin.

Welturaufführung

Zuvor war er auch der erste, der das Publikum von den Sitzreihen riss. Mit der Gitarre in der Hand und einem „Auf uns“ auf den Lippen ließ er die 1800 Musicalfans im Rund im WM-Fieber glühen. Dabei waren es nicht die Jogi-Jungs allein, die mit dem WM-Hit gefeiert wurden. Das Genre selbst muss am Ball bleiben, ständig neue Ideen aushecken, um mit emotionalen Melodien für bekannte Themen die Zuschauer in die großen Theater zu locken. Der neuste Coup ist das „Wunder von Bern“. Die Premiere findet im November in Hamburg statt. Aber die Sommernacht des Musicals ist in der Szene ein derartiges Schwergewicht, das ihr Urgestein Ethan Freeman am Samstag im Beisein des Komponisten einen der Titel als Welturaufführung in Dinslaken interpretieren durfte.

Sabrina Weckherlin tritt in ihrer Titelrolle als „Päpstin“ auf und bedankt sich überglücklich mit einem gestammelten „ihr seid so lieb“ für die stehenden Ovationen des Publikums. Ana Milva Gomes singt ihre „Aida“ in englisch, niederländisch und deutsch, musikalische Dreifach-Power in ihrer Stimme hat sie sowieso. Ethan Freeman als „Phantom der Oper“ und Pia Douwes als „Elisabeth“ sind einmal mehr legendär. Legenden werden auch im modernen Musicalbombast mit Orchestermetal-Anleihen lebendig, wenn Patrick Stahnke und Sabrina Weckherlin den Artus-Mythos im Burgtheater besingen. Und auch im Vorprogramm, wenn die jungen Amateure von pro y.o.u. in phantasievollen Fantasy-Kostümen mit guten Stimmen und viel Liebe zur Sache eine Kostprobe ihres neuen „Mysticals“ „Schlüssel“ zeigen. Premiere ist im Oktober in der Rheinhausenhalle.

Freeman und Stahnke bringen mit „You’re nothing without me“ Swing in die Show. Warum ein Pop-Arrangement den ursprünglichen Schwung aus Bernsteins „Tonight“ mit Ana Milva Gomes und David Moore nehmen muss, bleibt dagegen fraglich. Auch „21 Guns“ hätte rockiger ausfallen dürfen. Aber die Musik der Sommernacht des Musicals soll nun einmal hauptsächlich die großen Emotionen transportieren. So wie beim Finale, als alle Stars gemeinsam Cohens „Hallelujah“ für den Frieden in den Krisengebieten dieser Tage anstimmten. Der Vorverkauf für die 17. „Sommernacht“ am 27. Juni 2015 hat begonnen.

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