Die Lastenträger

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Voerde..  Rund 60 Betriebsräte kamen am Dienstagabend in der Stockumer Schule zusammen, um bei einer Podiumsdiskussion über prekäre Arbeitsbedingungen, Lohndumping, dubiose Subunternehmen und andere arbeitsethisch bedenkliche Themen zu diskutieren. Der Abend wurde in Zusammenarbeit mit der Weiterbildungseinrichtung „Arbeit und Leben“ des DGB und Volkshochschulen NRW organisiert.

Inge Bultschnieder, die mehr oder weniger zufällig von dem Ausmaß an Ausbeutung von Leiharbeitern in der Fleischindustrie erfuhr, schilderte ihre Erfahrungen, die der WDR in einem Film dokumentiert hat. Der Film „Die Aufrechten“ zeigt Bultschnieders couragierten Kampf für menschenwürdigere Arbeitsbedingungen von osteuropäischen Beschäftigten in ihrer Heimat Rheda-Wiedenbrück.

Mangelnde Entlohnung

Dabei wurde deutlich, dass zugunsten von Profiten für wenige eine Vielzahl dafür die Last zu tragen hat – oft nicht nur durch mangelnde Entlohnung, sondern durch physische und psychische Belastungen, die auf Dauer krank machen. An dieser Stelle schließen sich dann auch die größeren Fragen politischer, ethischer und wirtschaftlicher Natur an: Wie verhindert man das weitere Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich? Wer trägt die Hauptlast für den wirtschaftlichen Erfolg in einem Land, das sich gern als Wohlstandsinsel präsentiert?

Frank Lorenz, Rechtsanwalt aus Düsseldorf und Gründer des Beratungsnetzwerks „fairgütung“, richtete einen Blick auf den rechtlichen Rahmen in Deutschland, der diese Missstände erst ermöglicht. „Wir haben immer mehr Menschen, die rechtlich gar nicht als Arbeitnehmer gelten. An denen geht auch der Mindestlohn vorbei“, resümierte er einen wesentlichen Punkt. Die Werkverträge und Scheinselbstständigkeiten seien wichtige Ansätze zur Lösung der Problematik.

Erst der Anfang einer Entwicklung

Doch wie konterkariert man solche Entwicklungen? Zum einen, so der Tenor, müssen die Arbeitnehmer sich wieder verstärkt für ihre Anliegen einsetzen. Dies kann von persönlichem Engagement oder gewerkschaftlichen Aktivitäten initiiert werden. Rechtsanwalt Lorenz wies aber auch darauf hin, dass beispielsweise im Hinblick auf die Lebensmittelindustrie oder die Logistikbranche das eigene Konsumverhalten überprüft werden sollte.

In den Beiträgen der Redner und den anschließenden Diskussionen wurde deutlich, dass man erst am Anfang einer Entwicklung steht, die Beschäftigungsverhältnisse, den Arbeitsmarkt, aber auch die Politik nachhaltig verändern kann.

 

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