Die lange Geschichte der SPD

ohannes Niggemeier, Tim Bernshausen (Uni Siegen) und Helmut Weinreich im Stadtarchiv.
ohannes Niggemeier, Tim Bernshausen (Uni Siegen) und Helmut Weinreich im Stadtarchiv.
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Auf Spurensuche in Dinslakens Stadtgeschichte: Johannes Niggemeier und Tim Bernshausen durchsuchten alte Protokollbücher, Akten und Zeitungen

Dinslaken..  Auf Spurensuche zu ihrer eigenen 125-jährigen Geschichte gingen die Sozialdemokraten um Johannes Niggemeier jetzt, um pünktlich zur Feier im Oktober eine Studie zu erstellen. Hilfe fand Niggemeier auf Anraten der Dinslakener Professorin für Neuere Geschichte, Angela Schwarz, im Doktoranden Tim Bernshausen von der Uni Siegen. Ein langer Weg lag vor dem Wissenschaftler, rund 100 Stunden hat er im Archiv verbracht und die zahlreichen Quellen und alten Mikrofilmen studiert, die ihm Archivmitarbeiterin Janine Wolfshoff in zeitaufwendiger Arbeit heraussuchte.

„Ohne das Stadtarchiv wäre eine wissenschaftliche Arbeit nicht möglich gewesen“, erklärt Bernshausen. Die Mühe hat sich gelohnt, freuen sich die SPD-Ratsherren Johannes Niggemeier und Helmut Weinreich, denn nun liegt ihnen eine Aufarbeitung der Dinslakener SPD-Geschichte vor. Ab 1960 Material zu finden sei nicht schwer, erklärte Niggemeier, doch man wollte tiefer hineingehen in die Geschichte der Sozialdemokraten. In alten Protokollbüchern und Zeitungsartikeln wurde Bernshausen fündig. „Die übergeordnete Entwicklung der SPD war mir vertraut“, berichtet der junge Doktorand, „doch spannender war der Mikrokosmos, die Anfänge der Sozialdemokratie in Dinslaken.“

Wenig Quellen gab es vor allem für die Jahre von 1890 bis 1918. Für den Sozialdemokraten Niggemeier verständlich, denn „die Sozialistengesetze ab 1878 verboten sozialdemokratische Aktivitäten“. Viele Mitglieder gingen ins Exil, andere verhielten sich ruhig. Doch nach Auslaufen der Gesetze im Jahr 1890 errang die SPD bei den Reichtagswahlen im gleichen Jahr ihr bis dahin bestes Ergebnis. 37 Mandate konnte sie im Reichstag verzeichnen. In Dinslaken kam die SPD auf sechs Stimmen. Zu lesen in der „Acta Specialia betreffend: Sozialdemokratie“ vom 6. März 1890, einem Schreiben des Bürgermeisters Bernd Tillmann an den Königlichen Landrat in Ruhrort.

Von jenem Tag an war die SPD aus Dinslaken nicht mehr wegzudenken. Ihre Geschichte wird die NRZ in loser Abfolge bis zum Festakt im Oktober vorstellen.

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Zum Jubiläum wird es natürlich auch eine angemessene Feier geben. Vorgesehen ist sie für den 21. Oktober um 19 Uhr im Ledigenheim in Lohberg. Immerhin war Lohberg einst – nach Verbot der KPD – eine Hochburg der Sozialdemokraten.

Auf der Veranstaltung werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit über 125 SPD in Dinslaken präsentiert. Es werden altgediente SPDler mit jungen Neumitgliedern ins Gespräch kommen. Außerdem wird ein Kulturprogramm vorbereitet.

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