Die Kracher nach dem Urknall

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi

Voerde..  Der Mensch liebt Showeffekte. Kein Spektakel ohne Pyrotechnik. Also muss die Erschaffung des ganzen Universums, der Beginn von Raum und Zeit auch mit einem großen Knall angefangen haben. Das geht aber gar nicht, desillusionierte Vince Ebert am Samstagabend das Kabarettpublikum im Voerder Rathaussaal. „Schall braucht Material zum Knallen.“ Und die Elemente, die man heute braucht, um daraus beispielsweise Metalfestivals mit allem optischen und akustischen Drum und Dran zusammenzusetzen, entstanden erst drei Minuten nach dem so genannten Urknall. Er war also eine leise Angelegenheit, der Anfang von Raum und Zeit. Die Kracher der Evolution folgten erst viel später. Und einige von ihnen präsentiert Vince Ebert 13,8 Milliarden nach dem Anfang von Raum und Zeit.

Vince Ebert. Diplomierter Physiker, nach eigenen Angaben der Dritte mit diesem Abschluss nach Angela Merkel und Oscar Lafontaine, der ins Kabarettfach wechselte. Einer, der anderen komplexe Zusammenhänge gerne einfach und anschaulich erklärt (Ebert wischt während der Show auf einem großen Touchscreen von Foto zu Foto), dem es das Anekdotische in der Wissenschaft angetan hat, und der in seinem naturwissenschaftlich argumentierten Atheismus etwas durchaus Missionarisches hat. Ebert zeigt ein Foto des Hubble-Teleskops mit den unzähligen Galaxien im All: „Und dann sagen manche, es muss doch noch mehr geben. Reicht denen das immer noch nicht?“

Aber es gibt eben Dinge, die kann auch Vince Ebert nicht erklären. Wieso es zum Beispiel auf der Erde Leben gibt. Nun, die Erde ist ein schöner Platz dafür. Aber die statistische Wahrscheinlichkeit für Leben im Universum überhaupt zeigt, dass die Menschen ganz schön Glück hatten.

Mehr Bakterien als Hirnzellen

Vince Ebert rast durch 13,8 Milliarden Jahre in zwei mal 45 Minuten. Astrophysik: „Sterne sind wie Rockstars. Je größer sie werden, desto früher sterben sie.“ Evolution: „Wir haben mehr Bakterien im Darm als Hirnzellen. Da können Sie sich doch denken, was dabei herauskommt.“ Dabei bricht er gerade für diese unterm Mikroskop nicht besonders niedlichen Dinger eine Lanze: „Nie danken wir es den Darmbakterien, dass sie die ganze Drecksarbeit machen.“ Steinzeitmenschen: „Es gab Männer, die zeigten Gefühle und redeten und die, die einfach mit der Keule zuschlugen. Dann kam der Säbelzahntiger und sie können sich denken, welche Art von Mann seine Gene weitergeben konnte.“

„Evolution“ lautet der Titel des Kabarettprogramms, Fortpflanzung ist natürlich eines der zentralen Themen. Vince Ebert hat Fotos von einigen skurrilen Körperteilen aus dem Tierreich mitgebracht. Wer es romantischer mag: „50 Prozent aller Ehen werden geschieden, 100 Prozent aller Menschen sterben. Trotzdem atmest du weiter“, lauteten die Worte, mit denen Eberts heutige Ehefrau den Physiker vom Heiraten überzeugte.

„Alles was wir sind, was uns umgibt, was wir lieben und hassen entstand in den ersten drei Minuten“, erinnert Ebert noch einmal zum Schluss. „Wir sollten deshalb nicht sagen, dass wir sterben: Wir verteilen nur unsere Atome anders im Raum.“ Viel Schallerzeugung im Raum durch den Applaus der anwesenden Menschen im so gut wie ausverkauften Rathaussaal.

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