Der Überraschungs-Kandidat

Will Bürgermeister in Voerde werden: Patrick Hanraths.
Will Bürgermeister in Voerde werden: Patrick Hanraths.
Foto: WAZ Fotopool
Patrick Hanraths will ohne Verwaltungserfahrung am 25. Mai Bürgermeister in Voerde werden.

Voerde.  Seine Chancen sind gering: Patrick Hanraths weiß, dass er keine realistische Aussicht hat, am 25. Mai, in das Amt des Bürgermeisters von Voerde gewählt zu werden. „Ich bin nicht naiv“, sagt er im NRZ-Gespräch. Und doch hat er seinen Hut in den Ring geworfen, „um den Bürgern in Voerde eine Alternative zu bieten. Wenn ich mit meiner Kandidatur Menschen dazu bewegen kann, zur Wahl zu gehen, die es sonst nicht getan hätten, dann hat es sich gelohnt“, sagt der 38-jährige gebürtige Duisburger, der seine Kandidatur Anfang April überraschend bekannt gab. Zuvor hatte er innerhalb von 14 Tagen 226 Unterstützer-Unterschriften gesammelt – alleine, ohne Wahlkampfteam, ohne Partei im Rücken, einfach nur, indem „ich Klinken putzte“.

Von Tür zu Tür ist er gegangen, hat auf Marktplätzen und vor Supermärkten die Bürger in Voerde angesprochen, manchmal skeptische Blicke bekommen, aber auch „viel Zuspruch. Viele Menschen sind unmutig darüber, wie in Voerde Politik gemacht wird“, sagt Patrick Hanraths, der weiß, dass seine Vita nicht gerade auf eine Bürgermeister-Kandidatur schließen lässt. Denn: Verwaltungs,- oder politische Erfahrung hat der Diplomingenieur (FH) für Hütten- und Gießereitechnik mit Wohnsitz in Dinslaken keine vorzuweisen. In einer Partei ist er nicht. Mit „Seilschaften“ und „Gruppenzwang“ tue er sich schwer.

4000 Bewerbungsschreiben

Und bis vor ein paar Monaten dachte er selbst auch gar nicht an eine Bewerbung. Aber dann las er die Anzeige von WGV, Linke und Grüne, die über diesen Weg nach einem eigenen Bürgermeisterkandidaten suchten. „Ich habe mich beworben und wurde bekanntlich nicht genommen“, erzählt Patrick Hanraths. Entmutigen ließ er sich davon aber nicht. „Ich dachte mir, ich springe trotzdem in die Lücke rein“, sagt der Vater eines zweijährigen Sohnes. Aus viel Idealismus ist er seitdem fast täglich in Voerde unterwegs, um sich vorzustellen.

Voerde habe er ganz bewusst gewählt. In Duisburg wäre ihm die Aufgabe zu groß, „in Dinslaken wohne ich und bin zu nah dran.“ Ein eigenes Programm hat Patrick Hanraths nicht. „Was nützt es, wenn ich es nicht umsetzen kann. Meine Inhalte stammen alle von Voerderinnen und Voerdern“ Unterstützt wird er von seiner Frau, „die hinter mir steht.“ Rund 4000 Bewerbungsschreiben hat er an die Haushalte in Voerde verteilt. Große Plakatwerbung sieht das Budget nicht vor. Vergleichsweise selten werde er von Vereinen oder Institutionen eingeladen. Aber es sind auch eher die Begegnungen mit den Bürgern, die ihn bewegen. „In den Gesprächen erfährt man, was für Probleme die Menschen haben“, sagt Patrick Hanraths, der sich in den vergangenen Wochen in viele Themen eingearbeitet hat: die Schulfrage, die Innenstadtgestaltung, das Freibad, Betuwe. Die Liste ist lang. Und sicher haben es da seine Mitbewerber, Simone Kaspar und Dirk Haarmann, ein bisschen einfacher.

„Ich brauche eine Einarbeitungszeit“, sagt Patrick Hanraths offen. Auch „weil ich kein Mensch bin, der anderen nach dem Mund redet.“ Das hat er bereits bewiesen, als er sich bei der Fragerunde im Frauenzentrum Möllen gegen eine Frauenquote aussprach und belächelt wurde. Aber auch dazu steht er. Genauso wie zu der Kandidatur.

 
 

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