Der Sommer kam mit Roger Cicero

Eine der besonderen Stärken des Burgtheaters ist es, dass man dort seine Stars hautnah erleben kann. Foto: Heinz Kunkel
Eine der besonderen Stärken des Burgtheaters ist es, dass man dort seine Stars hautnah erleben kann. Foto: Heinz Kunkel
Foto: WAZ FotoPool
Gelungener Fantastivalstart: Wetter, Atmosphäre und Livemusik im Burgtheater waren top.

Dinslaken..  Der erste Applaus der diesjährigen Abendveranstaltungen des Fantastival Dinslaken galt nicht den Künstlern, sondern Teilen des Publikums. Um den Sommer zu locken, hatte die Freilicht AG freien Eintritt für alle Dinslakener dieses Namens angeboten. Einige Sommers kamen, und mit ihnen das schöne Wetter. Kein Tröpfchen Nass ergoss sich am Donnerstag über die Fans von Roger Cicero - und das, nachdem es morgens noch aus Kübeln schüttete. Die originelle Rechnung der Freilicht AG ist aufgegangen.

Nun wäre es auch eine Schande gewesen, hätte plätschernder Regen den hervorragenden Sound von Roger Ciceros Big Band im Burgtheater getrübt. Unter dem „strengen Regiment“, so Cicero, des neuen musikalischen Leiters und ersten Posaunisten Uwe Granitza überzeugten die 13 Musiker durch glänzendes Zusammenspiel und präzise Stil- und Tempiwechsel. Die Big Band Besetzung war leicht modifiziert: Das Blech einfach besetzt, die Saxofonisten griffen von Zeit zu Zeit zur Querflöte. Und Robbie Smith (Percussion) brachte Latin-Feeling in ein Set, das immer wieder von Roger Ciceros leichten, poppigen Balladen dominiert wurde.

Denn letztendlich sind die Songs von Roger Cicero Popmusik, ebenso wie seine Stimme nicht das Volumen einer Soul oder Jazzstimme hat. Cicero ist der sympathische Typ mit den deutschen Texten, sein weicher Gesang setzt einen Gegenakzent zum Druck, den die Bläsersektion und der schwer groovende Kontrabass hinter ihm immer wieder erzeugt. Der Mann mit dem obligatorischen Hut singt mit leisem Retro-Charme davon, wie alles wieder zurückkommt – nur nicht die Verflossene, er ist der „Fachmann in Sachen Anna“, der Frauenversteher, der dann doch alles falsch machte, der nun bedauert und dem keiner böse sein kann – außer offensichtlich die Ex. „Zu Zweit“ bedeutet in Ciceros Song-Texten allein sein mit der Einsamkeit.

Publikum von den Stühlen gerissen

Mit „Frauen regieren die Welt“ vom sanft-ironischen Album „Männersachen“ feierte er seinen Durchbruch, zuletzt erklärte der DFB „Für nichts auf dieser Welt“ zum offiziellen EM-Fansong. Als Fußballhymne setzte sich das angejazzte Stück nicht durch, Ciceros Fans dagegen riss es im Burgtheater von den Sitzen. Wie immer, wenn die Klavierballaden von Midtempo-Nummern abgelöst wurden, in die Granitza raffiniert Versatzstücke aus Funk, Blues, Soul und Latin hinein arrangiert hat. Wenn Cicero dann noch das Publikum einbezieht, kocht die Stimmung. Der Bass grooved, die Bläser machen Druck, der studierte Musiker Cicero improvisiert, während seine weiblichen Fans „Das hört sich alles gut an“ singen. „Aber nicht für mich“ antworten die Männer im Chor. Die perfekt durchchoreographierte Show: So funktioniert Pop.

Und Roger Cicero weiß, wie er sein Publikum für sich gewinnt, geht durch die Reihen, lächelt gerne in die kleinen Objektive der Handys, plaudert, bekennt, dass die Musik von Sting ihm über die Zeit vor dem Durchbruch half und er James Bond Fan ist.

Ein Küsschen für den Sänger

Die junge Frau in der ersten Reihe ahnt, was nun kommt, mag dieses Lied aber nicht. „Dann geh doch einfach so lang zur Toilette und komm danach wieder“, kommt der Rat von der Bühne. Sie bleibt, Cicero geht zu ihr, während die Band mit Anklängen am Bond-Thema spielt. Die junge Frau nutzt die Gelegenheit, drückt dem verdutzten Sänger einen Kuss auf die Wange – und verlässt dann das Zuschauerrund Richtung Toiletten.

Gute Livemusik in hautnaher Atmosphäre: Der Start in die Fantastivalwoche ist mit Roger Cicero und seiner Big Band geglückt.

Das Fantastival wird am 21. Juli um 20 Uhr im Burginnenhof mit einer Lesung von Axel Hacke fortgesetzt. Am morgigen Sonntag, ebenfalls um 20 Uhr, präsentieren die Damen von Thekentratsch ihr neues Programm im Burgtheater. Derweil ist ein erster Abend ausverkauft: Wer bis jetzt keine Karten für die Popolskis hat, muss bei der Familienfeier leider draußen bleiben.

 

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