Der Geist von Jim Morrison

The Back Doors Man mit Frontmann Wolf („Jim Morrison“) im Congaz.
The Back Doors Man mit Frontmann Wolf („Jim Morrison“) im Congaz.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
The Back Doors man stehen nicht unbegründet im Ruf, die beste „The Doors“ Band nach The Doors zu sein.

Dinslaken..  Schwarzes Hemd, schwarze Lederhose, halblange Haare. Der Mann am Mikro steht mit überkreuzten Beinen, was gut aussieht, aber auch eine gewisse Haltlosigkeit verrät. Seine Band ist da, wartet auf den Einsatz. Doch der Mann am Mikro rezitiert lieber seine Verse als dass er sie singt. Zunächst zumindest. „Who do you love“ - „Wen liebst du“, wird er gleich zu Beginn des Konzerts fragen. Geliebt wird der Verfasser dieser Zeilen seit den 60er Jahren, lange über seinen Tod hinaus. An diesem Samstagabend im Congaz scheint der „Lizzard Man“ zurückgekehrt zu sein. Für drei Stunden beschwören The Back Doors Man den Geist von Jim Morrison mit einer Show, die The Doors so authentisch für die heutige Zeit auf die Bühne bringt, dass man von dieser Dortmunder Band nicht von einer Kopie, sondern von einem eigenständigen Original sprechen muss.

Es wäre ohnehin ein für das Publikum nutzloses Unterfangen, die Musik der Doors einfach tongetreu nachzuspielen. Die Band improvisierte bei ihren Liveauftritten über weite Strecken, für die psychedelische Atmosphäre müssen sich die Musiker selbst treiben lassen. The Back Doors Man benutzen das alte Equipment aus den 60er Jahren, allein die Wurlitzer und das von Tastenzauberer Didi wegen seines druckvolleren Klangs bevorzugte Philips-Keyboard machen die Zeitreise vollkommen.

Hypnotisch

Sänger Wolf lebt auf der Bühne Jim Morrison mit all seinen Stärken und Schwächen, er singt, verpeilt die Töne, wenn es dem Ausdruck nützt, er schreit, wenn die Musik hinter ihm hypnotisch hämmert und er lallt, wenn Orgel und Gitarre den feingewebten Klangteppich unter seinen Füßen ausbreiten. Gitarrist Werner ist selber ein authentisches Stück 60er Jahre, gereift wie das Holz seiner alten Gitarre, allein für seine Soli lohnt sich das Konzert.

„Break on through to the other side“ explodiert förmlich, andere Stücke kommen mit einem derart federnden Groove daher, dass die Zuschauer – viele sind beim dritten Konzert der Band im Congaz bereits Stammgäste – schon nach kurzer Zeit tanzen.

The Back Doors Man klingen druckvoller, etwas härterer als The Doors auf alten Konzertmitschnitten. „Wir leben heute in einer anderen Zeit“, erklärt Wolf. Gerade hat er die Gäste mit dem Hinweis für die Raucher in die Pause geschickt – das einzige Mal, dass er auf der Bühne Deutsch sprach, nun sitzt er mit seinen Bandkollegen Backstage. Es sind alte Kumpels, man kennt sich teils schon aus Kindertagen. Mit Bassist Uli hat er in den 80ern New Wave gespielt, Werner früher selbst vom Bühnenrand bewundert. Die Musik von The Doors gehörte für ihn immer dazu: „Ich habe noch nie einen Text auswendig lernen müssen“.

The Back Doors Man war die Verwirklichung eines Traums zum 20. Todestag Jim Morrisons, angeheizt durch den Boom um den Oliver-Stone-Film spielte man in großen Hallen in ganz Europa. Dann die Trennung und das Comeback zum 40. Todestag. Schlagzeuger Nils ist neu dabei, Schröders Roadmanagement gehört von Anfang an dazu.

Zeitgefühl außer Kraft

Dann verlässt Wolf den Backstagebereich, lässt sich sozusagen dort selbst zurück. Auf der Bühne ist er Jim Morrison.

„L. A. Woman“, „Riders on the Storm“, „Light my fire“. Das zweite Set ist Musikgeschichte pur. Aber geschehen 2013: Als „Jim Morrison“ singend auf einem Tisch steht, ist er von Smartphones und Tablets umringt. Doch noch ist Zeit, das Zeitgefühl völlig außer Kraft zu setzen: Das Finale der Show, „Gloria“ und „The End“ dauert weit über 30 Minuten. Es hinterlässt glückliche Gesichter.

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