Das erste Buch war „Heidi“

Dinslaken..  Frauen, die lesen, sind… Ja, wie sind sie denn? „Gefährlich, weil sie nachdenken“, erklärte die Dinslakener Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck vom Atelier „Freiart“, die Dienstag ihre Lieblingsbücher im Café „CalouBa“ vorstellte. Entstanden aus einer Idee von Dinslakens Gleichstellungsbeauftragter Karin Budahn-Diallo und ihrer Stellvertreterin im Amt, Christiane Seltmann, präsentieren bekannte Frauen aus Dinslaken einmal im Monat ihre Lieblingsbücher im Rahmen einer kostenlosen Lesung. „Frauen, die lesen sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichte und wurden häufig auf Gemälden dargestellt, denn Bildung war damals etwas Besonderes“, sagte Karin Budahn-Diallo.

Nach Kerstin Saddeler-Sierp war nun Walburga Schild-Griesbeck, deren Hauptaugenmerk auf zeitgenössischer Malerei im Spannungsfeld von Farben und Formen liegt, in das gut gefüllte Café am Altmarkt gekommen. „Auch beim Lesen entstehen Bilder“, leitete die Künstlerin ihre Lesung ein und erzählte, wie sie als kleines Mädchen durch ihre Großmutter zum Lesen animiert wurde. Das erste Buch, was sich im Regal der Großmutter finden ließ war Johanna Spyris Kinderbuch „Heidi“, erschienen 1887. Heidi, die bei ihrem Großvater auf einer Almhütte aufwuchs und nie lesen wollte. Schließlich hatte ihr Freund, der Geissenpeter ihr deutlich gemacht, dass so etwas niemand auf der Welt gebrauchen kann. Im fernen Frankfurt beginnt sie schlussendlich doch, das Lesen zu Erlernen, um ein Buch über ihre geliebte Schweiz verstehen zu können. Das zweite Exemplar, aus dem Schild-Griesbeck vorlas – ebenfalls ein Kinderbuch. Ottfried Preußlers Klassiker „Die kleine Hexe“ rief bei vielen anwesenden Frauen Erinnerungen hervor. Hier führte das Lesen zum Erfolg: Im vorigen Jahr noch vom Tanz auf dem Blocksberg ausgeschlossen, weil sie das Hexenbuch nicht richtig verstand, durfte die kleine Hexe nach einem Jahr des fleißigen Selbststudiums endlich teilnehmen.

Der Roman „Die Geisha“ (traditionelle japanische Unterhaltungskünstlerin) des US-amerikanischen Schriftstellers Arthur Golden aus dem Jahr 1997, aus dem der Japan-Fan Walburga Schild-Griesbeck die meisten Zeilen schilderte, fesselte die Zuhörer sichtlich. Die Geschichte des neunjährigen Mädchens Chiyo aus einem japanischen Fischerdorf, die wegen der schweren Krankheit ihrer Mutter von ihrem Vater in ein Geisha-Haus nach Kyoto verkauft wird, dort ihre Kaufsumme abarbeiten muss und gleichzeitig schikaniert wird, am Ende aber durch eine Förderin das Geisha-Handwerk erlernen und schließlich über ihre Peiniger hinauswächst – auch eine, die viele Bilder im Kopf auslöst, der rote Faden in Schild-Griesbecks Lesung.

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