Bunte Ideengeber für urbane Räume

Ausstellungseröffnung Kreativ.Geschichten im Kreativ.Quartier in Dinslaken-Lohberg.
Ausstellungseröffnung Kreativ.Geschichten im Kreativ.Quartier in Dinslaken-Lohberg.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
In einer Ausstellung im Ledigenheim präsentieren sich erstmals Kreativquartiere des europäischen Netzwerks CURE

Dinslaken..  Kunst, Design, Projekte. Das Kreativ.Quartier als Keimzelle für eine buntere Stadt, als ideenreicher Impulsgeber für Wandel und Neubeginn. Jedes Quartier ist einzigartig. Das liegt in seiner Natur. An seinen Kulturschaffenden, an der Vorgeschichte seiner Räumlichkeiten, an den spezifischen Gegebenheiten, Möglichkeiten und Bedürfnissen nach Neuem seines städtischen Kontextes. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Zwischen dem Kreativ.Quartier.Lohberg (KQL) und dem Quartier Bricolé im belgischen Brügge. Den Elbershallen in Hagen und den Plaine-Images in Lille. Sie gehören zu den acht europäischen Kreativquartieren, die sich im Netzwerk CURE zusammengeschlossen haben. Bis zum 1. Mai präsentieren sie sich täglich von 11 bis 18 Ur in einer Ausstellung im Ledigenheim Lohberg.

Tafeln mit Kalligraphien des aus Texas stammenden und in Brügge arbeitenden Künstlers Brody Neuenschwander, der mit seinen Schriftzügen für Peter Greenaways Film „Prosperos’ Bücher“ international bekannt wurde, Mangazeichnungen der im KQL ansässigen Textilkünstlerin Eva Soßnitza. Bilder von Ulrike Int-Veen, die im KQL eine Malschule leitet, der Autodidaktin Sabine Stabenau-Borggräfe aus Hagen und Sebastian Walter-Lilienfein, der sich von der besonderen Atmosphäre der Scheidtschen Hallen in Kettwig zu seiner realistischen Malerei inspirieren lässt.

Geschichten um Künstler und Orte

Im Vordergrund der Ausstellung stehen jedoch die Kreativquartiere und ihre Menschen selbst. Die wenigen künstlerischen Exponate haben illustratorischen Charakter. Die Ausstellung erzählt „Kreativ.Geschichten“. Gedruckt auf den Wänden der begehbaren Boxen, die den Saal des Ledigenheims temporär in kleine, aber offene Räume verwandeln.

Mitglieder des CURE-Netzwerkes sind die Kreativquartiere in Colchester, Edingburgh, Lille, Brügge, Hagen, Kettwig und Lohberg, das seit 25 Jahren etablierte Kreativquartier Dublin, das einen Status als Beobachter neuer Ideen und Ratgeber für Erfolgskonzepte einnimmt sowie der Hochschule der Künste in Utrecht als wissenschaftliche Begleitung. CURE steht für Creative Urban Renewal in NW-Europe, kreative urbane Erneuerung in Nordwest-Europa. Diese ist nicht nur für ehemalige Industriestandorte wie Lohberg gefragt. Das weltbekannte Brügge droht zum überalterten Tourismus-Museum zu werden: junge Designer sollen der Stadt neue Umpulse geben.

In ihrer Ausstellung dokumentieren die Kuratorin Walburga Schild-Griesbeck und die Journalistin Delia Bösch Kreativ.Geschichten anhand von Kurzbeschreibungen der Quartiere und Künstlerbiographien. Was diese im einzelnen machen, ist in seiner Vielfalt kaum darstellbar. In Lille zum Bespiel liegt der Fokus in der Filmbranche, dafür hätte das Ledigenheim einen Kinosaal gebraucht.

Doch manche Ideen werden greifbar. Wie die aus Hagen. Während für Andreas Edgar Busch alles Fassade ist - er gibt Häuserwänden eine neue Identität, organisiert Silke Pfeifer seit neun Jahren den Tag des offenen Hinterhofes. Kreative Ideen für die Flecke einer Stadt, die oft am liebsten im Verborgenen gehalten werden. Das Projekt begann mit EU-Fördermitteln und trägt sich inzwischen vollständig aus bürgerschaftlichen Engagement und Spenden.

„Es ist schön zu sehen, wie sich Begriff mit Leben füllen“ sagte Bürgermeister Dr. Michael Heidinger am Freitag bei der Eröffnung der Ausstellung. Dazu passt die Ledertasche von Dominique Dufait aus Brügge: unkonventionell und trotzdem funktional. Inspirierend, neu, greifbar und darauf wartend, mit Inhalt gefüllt zu werden, um mit in die Stadt genommen zu werden.

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