Boyband auf Abwegen

Begeisterten: Die Jungs von Butterfahrt 5. Foto: Gerd Hermann , WAZ FotoPool
Begeisterten: Die Jungs von Butterfahrt 5. Foto: Gerd Hermann , WAZ FotoPool
Foto: Gerd Hermann

Dinslaken.. Die Musikcomedians von Butterfahrt 5 sorgten beim 2. „Heimspiel“ des Fördervereins der Hockeyjugend des TV Jahn für Stimmung und volles Haus.

Ganz allein steht Robert Mayer mit seinem Akkordeon im Halbdunkel der Bühne der Aula des Gustav-Heinemann-Gymnasiums. Das alte Lied vom „Veermaster“ stimmt er an, und bereits nach wenigen Takten fällt das Publikum im vollbesetzten Saal mit ein. Jedoch, ein Shanty-Abend ist es nicht, was der Förderverein der Hockeyjugend des TV Jahn beim zweiten „Heimspiel“ zu Gunsten der Nachwuchsförderung am Freitagabend in Hiesfeld bot. Kaum betreten seine Bandkollegen die Bühne, beginnt ein anderes Hafenlied: „Leuchtturm“ von Nena.

Deren Stimme ist spätestens dann vergessen, wenn Leadsänger Philipp Stempel den Text „op platt“ interpretiert. Leinen los für Butterfahrt 5, die verrückteste Boyband, seit die VHS Kurse in Rockgitarre für Alleinerziehende anbietet und Frank Sinatras geringe Körpergröße mit dem Spottlied „20 Zentimeter“ verhöhnt wird.

In der Aula blieb
kein Platz frei

Wobei Letzteres nicht ganz stimmt. Die Überlagerung des eindeutig zweideutigen Ballermann-Hits mit „New York, New York“, stellte Butterfahrt 5 zum ersten Mal im Dinslakener Stadtgebiet vor.

Die fünf Musiker selbst, denen es immer wieder gelingt, die größten Hits aus Rock, Pop, und Schlager mit Comedy, Slapstick und Parodie wandlungsfähig und auf hohem musikalischen Niveau so zu entfremden, ist seit Jahren als Boyband auf Abwegen unterwegs. Und so überraschte es nicht, dass in der Aula des GHZ kein Platz frei blieb.

Ein Heimspiel. Schlagzeuger Volker Naves spielte als Jugendlicher beim TV Jahn Hockey, Sänger Philipp Stempel ist Hockey-Vater. Welchen Applaus er sich vom Publikum wünscht? „Stellt euch vor, wir wären die Erste Herren am Sonntag“. Das funktioniert.

Aber das Publikum würde für sie, Marcus Rehwinckel (Gitarre), Markus Heijeng (Bass), Robert Mayer (Tasten und Querflöte) und Volker Naves genauso jubeln. Zu schräg ist es, wenn das deplatzierte „Santana“-Solo von „Bärbel Günter-Schmitke“ bei den Mitmusikern eine Generalpause betretenen Schweigens auslöst, wenn aus Klaus Lages Sozialarbeiterhit „1000 Mal berührt“ eine waschechte Hip Hop-Nummer wird und nach „Hyper Hyper über den Wolken“ Reinhard Mey der Stecker gezogen wird.

Wenn Butterfahrt 5 mit den zur „Pommesgabel“ gestreckten Fingern grüßen, heulen die AC/DC-Gitarren in Zeitlupe, wenn Clint Eastwood „Brother Louie“ erschießt, weil der etwas mit seiner „Cheri Lady“ auf dem Rücksitz von „Geronimo’s Cadillac“ hatte, liegt die Countryversion von „Your my heart, your my soul“ schon in der bleigeschwängerten Luft.

Der Beitrag der Herren in den schnieken Anzügen und den mehr als einmal von der Brust gerissenen weißen Hemdkragen zum Großen Zapfenstreich für zu Guttenberg: „Sankt Martin“ in der Rammstein-Version und „Jump“ für Blaskapelle. Damit lassen sie die Bundeswehr mit „Smoke on the Water“ reichlich harmlos aussehen.

Schlussapplaus, der erste Zugabeblock. „Das war doch geplant“, ruft ein Zuschauer aus dem Dunkel. Egal, das Publikum möchte mehr. Noch mehr. „Gut“, ruft Philipp Stempel leicht pikiert, „das ist die Zugabe, die ihr unbedingt hören wolltet.“

Es folgt „Life is live“ in der Gospelversion: „Steht alle auf und dann die Hände zum Himmel!“

Butterfahrt 5 haben ihr Publikum im Griff. Von der ersten bis zur letzten Sekunde.

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