Betuwe-Kritik hält sich in Grenzen

Für den Voerder Planfeststellungsabschnitt 1.4 wurden insgesamt 890 Einwendungen abgegeben.
Für den Voerder Planfeststellungsabschnitt 1.4 wurden insgesamt 890 Einwendungen abgegeben.
Foto: NRZ
In Dinslaken reichten 580 Bürger Einwendungen gegen die Bahn-Pläne ein, in Voerde waren es 890.

Dinslaken/Voerde.  Ordentlich zu zählen hatten die Dinslakener Stadtverwaltung und die Bezirksregierung in Düsseldorf über den Jahreswechsel. Und am Ende kam heraus, dass im Dinslakener Rathaus zum Stichtag 18. Dezember 450 Einwendungen gegen die Pläne der Bahn zum Betuwe-Vorhaben abgegeben wurden. Hinzu kommen 130 Einwendungen, die direkt an die Bezirksregierung in Düsseldorf geschickt wurden. Wenngleich die Gesamtzahl von 580 stattlich scheint, bleibt sie hinter den Erwartungen der Verwaltung zurück: „Wir hätten mit deutlich mehr gerechnet“, sagt Stadtsprecher Horst Dickhäuser. Schließlich kann nur der, der einen Einwand formuliert hat, künftig seine Rechte gegenüber der Bahn geltend machen.

18 000 Betroffene

Immerhin hat die Stadt seinerzeit ermittelt, dass rund 18 000 Dinslakener von der Bahnlinie und den Auswirkungen des Zugverkehrs betroffen sind. Anders als die Stadtverwaltung sieht die 580 Einwendungen Heinz Mülleneisen, Vorsitzender der 180 Mitglieder starken Bürgerinitiative „Betuwelinie - so nicht!“, der die Zahl als „realistisch“ bezeichnet. Weitaus zahlreicher waren die kritischen Stimmen indes in Voerde: 783 Bürger reichten ihre Einwendungen bei der Stadt Voerde ein, 107 richteten sie direkt an die Bezirksregierung. Summe: 890, also 310 mehr als in Dinslaken. Dabei war der Voerder Planfeststellungsabschnitt (PFA) 1.4, für den die Einwendungsfrist am 5. Dezember ablief, erst einer von zwei. Die Einleitung der Planfeststellung für Friedrichsfeld (PFA 2.1) steht noch aus.

Für eine echte Vergleichbarkeit müssten allerdings nicht nur die Zahl der Einwohner von Dinslaken und Voerde, sondern die Zahl der Betroffenen gegenüber gestellt werden. Die aber ist Definitionssache. Fakt bleibt: In Voerde stemmen sich absolut deutlich mehr Bürger gegen die Pläne der Bahn als in Dinslaken. In der heißen Offenlegungsphase hatten sich die Strategien unterschieden. Während in Voerde Stadt und Bürgerinitiative offensiv zu Informationsveranstaltungen aufriefen, um zu Einwendungen zu ermutigen, setzte man in Dinslaken auf Einzelgespräche mit denen, die in die Akten Einsicht nahmen.

„Es geht nicht um die Menge, sondern um die Qualität der Einwendungen“, sagt Heinz Mülleneisen und ist zuversichtlich, dass die Dinslakener für den PFA 1.3 wirklich nur in konkret zu begründenden Fällen und ganz individuell Einspruch erhoben hätten. Das sei auch gut so, weil General-Einwendungen sofort aussortiert würden, so Mülleneisen. Das Gros der Widersprüche soll sich mit den befürchteten Lärm- und Erschütterungsbelastungen sowie mit den von den Gefahrgütern ausgehenden Risiken befassen. Hinzu kommen Grundstücksangelegenheiten.

Einen weiteren Erklärungsversuch für das anscheinend eher zaghafte Vorgehen der Dinslakener startet Stadtsprecher Horst Dickhäuser: Die Bürger hätten großes Zutrauen darin, dass sich die Stadt für sie und ihre Rechte einsetzt. Denn die Stellungnahme der Stadtverwaltung steht noch aus. Diese sei von einer Arbeitsgruppe unter Beteiligung mehrerer städtischer Fachdienste (Liegenschaften, Verkehr), der Feuerwehr sowie eines externen Lärm- und Schallschutz-Gutachters erstellt worden. Das Dinslakener Papier sei mit rund 80 Seiten umfangreich und detailliert, stehe kurz vor der Fertigstellung. Am 28. Januar werden sich in Sondersitzungen der Planungsausschuss (16 Uhr) und der Stadtrat (17 Uhr) damit beschäftigen.

Wie lange das Planfeststellungsverfahren noch dauern wird, konnte man gestern bei der Bezirksregierung noch nicht absehen.

 
 

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