BAP-Notizen aus Dinslaken werden versteigert

Anja Hasenjürgen
Die Setlist von BAP wird auf Ebay versteigert. Wolfgang Niedecken trat im Juli im Burgtheater auf.
Die Setlist von BAP wird auf Ebay versteigert. Wolfgang Niedecken trat im Juli im Burgtheater auf.
Foto: WAZ FotoPool
Auf Ebay wird die von Wolfgang Niedecken handgeschriebene Setlist des Auftritts der Band im Burgtheater zugunsten eines guten Zwecks verkauft – neben weiterem Kuriosen.

Dinslaken/Voerde/Hünxe.  Eigentlich ging es nur um BAP. Genauer: Um den Auftritt der Band am 25. Juli im Dinslakener Burgtheater. Die Setlist dieses Auftritts, handgeschrieben und signiert von Wolfgang Niedecken, wird derzeit bei Ebay versteigert – für einen guten Zweck. Was das Internet-Auktionshaus außerdem aus der Region verkauft – das fanden wir bei der Gelegenheit gleich mit heraus. Und stießen auf allerlei Kurioses, Spannendes, Historisches. Oder wussten Sie, dass Hünxe Weinanbaugebiet war? Und dass es einen Pantoffel namens „Voerde“ gibt?

Doch zunächst die Setlist: Das gesamte Programm mitsamt Notizen - Bandvorstellung etwa in Signalrot - Änderungen und, Schwarz auf Gelb und rot umrahmt, der Ort des Konzerts: „Dinslaken“, Burgtheater plus Datum. Dazu Stempel und Unterschrift - glaubwürdiger kann es nicht werden. Der Erlös kommt dem Projekt „Rebound“ zugute (s. Box). Ein Sammlerstück für BAP-Fans und Heimatverbundene gleichermaßen.

Ansichtskarten und Pantoffel

Überhaupt ist die Internet-Auktionsplattform eine Fundgrube für Lokalpatrioten. Neben historischen Luftbildern von Lohberg und Götterswickerhamm – mit der Aufschrift Dinslaken-Götterswickerhamm übrigens – findet sich auch eine technische Zeichnung des „Fördergerüsts für die Gewerkschaft Lohberg“, die Lohnabrechnung eines Lohberger Kumpels aus dem Jahr 1955 (Lohn: 439,89 DM) sowie alte Ansichtskarten: Sie zeigen etwa das „Kreishaus“ (heute Rathaus) Dinslaken, den Dinslakener Bahnhof, oder den geradezu stimmungsvollen Voerder Marktplatz im Jahr 1906.

Ein sehr fleißiger Verwandter einer Paula Krumme aus Meinerzhagen muss eine Zeitlang in Hünxe gelebt haben. Von dort hat er Karte um Karte geschickt, Schloss Gartrop etwa im Jahr 1908, hübsch umschnörkelt. Für viele andere muss das Bemerkenswerteste an Hünxe die Autobahn-Raststätte gewesen sein, von der recht viele Ansichten versteigert werden.

Dass es in Hünxe auch früher mehr gab als Schloss Gartrop und die Raststätte, belegt eine Flasche „Sonneneck Schacht Hünxe“ anno 1988. Nachdem der Schacht Hünxe 1983 abgeteuft wurde, wurde dort der „Weingarten Sonneneck“ angelegt - gewärmt vom Grubenlüfter. Der Weinkeller befand sich im ehemaligen Sprengstoffbunker des Bergwerks. Wer den lieblichen Tropfen (Hinweis: „Sammlerstück“) sein Eigen nennen möchte, muss die Schnapszahl von 66,66 Euro berappen. 1994 wurde der gute Tropfen sogar auf dem Zechenplatz gekeltert. Die letzte Lese erfolgte 2004.

Ob ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Voerde seinen Dachboden aufgeräumt hat? Spirituals hat der Schulchor offenbar 1979 unter dem Titel „Wolken die ziehn“ aufgenommen - und auf Vinyl pressen lassen. Gleich mehrere Exemplare der Platte werden versteigert - ab 16 Euro. Seltenheitswert hat dagegen die Single des MGV Heimatland Voerde. Den Titel „Voerde Voerde“ gibt es für 8,99 Euro.

„Eintausend Mark“ war einst die Aktie der „Deutschen Babcock & Wilcox Dampfkessel-Werke“ wert. Heute ist sie für 49 Euro zu erwerben – im Begleittext wird noch einmal der „Erwerb eines großen Grundstückes in Voerde zum Bau neuer Anlage“ erwähnt, um dessen Zukunft in Voerde heftig gerungen wird. Auch die Voerder Notgeldscheine von 1923 im damaligen Wert von 500 000 bzw. einer Million Mark sind heute zum Schnäppchenpreis zu ersteigern: 9,55 Euro. Für beide.

Das Dinslakener Kriegsgeld ist dagegen im Wert gestiegen: Das 50-Pfennig-Stück mit der Aufschrift „Stadt Dinslaken“ aus dem Jahr 1917 kostet 4,99 Euro.

Seltenheitswert muss auch die hölzerne Tischlampe haben, deren bunte Scheiben die evangelische Kirche, das evangelische Jugendheim Möllen zeigen – anders ist der Preis von 99,99 Euro kaum zu erklären. Für eine Schiffslampe von Pintsch Bamag Dinslaken sind sogar 750 Euro fällig. Gebraucht, versteht sich. Ein wenig preiswerter und dafür neu ist bei Ebay ein Pantoffel der Firma „Giesswein“: „Klassisch und bequem, mit Kordel und Stopper“, so wirbt der Hersteller für das Modell, das tatsächlich „Voerde“ heißt. Solider Wollfiliz, der nicht nur die Füße, sondern auch das heimatverbundene Herz wärmt.

Die BAP-Setlist lag gestern übrigens bei 66 Euro – wer mitbieten will, hat noch bis heute, 21 Uhr, Zeit. Wer leer ausgeht, für den bleibt eine alte Ansicht des leeren Burgtheaters mit den alten Sitzbänken: Kostet 10,50 Euro. Und ist auch schön.